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Keine Einbruchsspuren am Tresor

Bei dem Gerichtsprozess um die in Eibau gestohlenen 118.000 Euro belastet der geschädigte Geschäftsmann den Ex-Mitarbeiter. Und erklärt Widersprüche.

© Peter Steffen/dpa (Symbolfoto)

Das Gerichtsverfahren gegen zwei Polen (38 und 52 Jahre) und einen Deutschen (39) aus Hohendubrau bei Niesky wegen mehrerer Einbruchdiebstähle in Eibau und Lavalle bei einem ehemaligen Geschäftspartner des deutschen Angeklagten wurde nach mehreren Wochen fortgesetzt. Wegen eines Vorfalls im privaten Umfeld eines Verteidigers musste der erste Verhandlungstag Anfang März abgebrochen werden. Seitdem gab es zwei sogenannte "Schiebetermine", die dazu dienten, nicht das ganze Verfahren abbrechen zu müssen – maximal zwei Wochen Pause sind zulässig. Am Montag war dann mit Florian Berthold ein neuer Anwalt an der Seite des deutschen Angeklagten.

Am zweiten "echten" Verhandlungstag stand die Aussage des bestohlenen Geschäftsmanns im Mittelpunkt. Er beschrieb, dass der deutsche Angeklagte zuvor Mitarbeiter seiner Firma gewesen sei. Die Firma habe sich auf die Entsorgung und Weiterverwertung von Katalysatoren aus Autos spezialisiert.

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Die würden eingekauft, viel auch aus Osteuropa, auseinandergebaut, das Material letztlich zu Monolith-Pulver weiterverarbeitet, das dann wiederum teuer verkauft werden kann. Den Angeklagten wird unter anderem auch der Diebstahl von 520 Kilogramm jenes Monolith-Granulats vorgeworfen mit einem Wert von 25.000 bis 30.000 Euro. Der angeklagte Deutsche sei in das Geschäft eingeweiht gewesen und habe sich insbesondere um die Monolith-Verkaufsverhandlungen gekümmert. Man sei sogar befreundet gewesen, sagte der Eibauer Unternehmer vor Gericht.

Gekündigt wegen zu vieler Vertrauensbrüche

Dann, mehrere Monate vor jenen Diebstählen, sei es zum Bruch gekommen. Die Firma habe dem angestellten Deutschen fristlos gekündigt. Es habe zu viele Vertrauensbrüche gegeben, erklärte der Zeuge. Zu spät, erst nach mehrmaliger Aufforderung eingereichte Belege, eine anders als behauptet nicht vorliegende Fahrerlaubnis für Fahrzeuge mit Anhänger, nannte er als Beispiele. Dann habe man sich aus den Augen verloren.  

Und plötzlich waren 118.000 Euro weg, sagte der bestohlene Geschäftsmann. Das Bargeld sei von der Bank abgeholt worden, um Geschäfte vor allem mit Osteuropäern abzuwickeln. Das sei in diesem Geschäft so üblich und schon lange mit der Bank eingespielte und nahezu wöchentliche Praxis, erklärte er dem Gericht. Das Geld habe er am Freitag, dem 30. September 2016 in den Tresor im Kellergeschoss des Firmengebäudes gelegt. Als  er am Sonntag das Geld für seine osteuropäischen Kunden vorbereiten wollte, habe er den Tresor geöffnet und leer vorgefunden. 

Was er danach schildert, dürfte der Verteidigung in die Karten spielen. Denn der Unternehmer schilderte, dass nicht sofort die Polizei gerufen wurde, sondern erst mal das "unterste zuoberst" gedreht wurde, ob die wertvolle Geldtasche nicht doch woanders hingelegt worden sei. Schließlich habe er seinen Steuerberater angerufen und um Rat gefragt. Der riet ihm zu einer Anzeige, die er gemeinsam mit Geschäftsführerin und Vater aber verwarf.

"Es gab keine Einbruchsspuren, nicht an der Tür und nicht am Tresor. Was sollte ich der Polizei denn sagen? Und das Finanzamt hätte mir den Diebstahl sowieso nicht geglaubt, sondern mir noch Steuern für dieses Geld aufgedrückt", begründet der Zeuge das ungewöhnliche Verhalten, trotz des Vorhalts von Richter Thomas Fresemann, dass Kriminaltechniker ja vielleicht doch Spuren gefunden hätten. Monate später, als auch noch das Monolith aus demselben Keller gestohlen worden war, gab der Unternehmer in einer ersten Aussage bei der Polizei erst einen Schaden von "nur" 10.000 Euro an – eben wegen des Finanzamtes, begründete er. 

Für die Diebstähle war Insiderwissen erforderlich

Da sei auch der Verdacht auf den jetzt angeklagten Deutschen gefallen. Auch wenn der Unternehmer nicht nachvollziehbar erklären konnte, wie der an den Code des Tresors gekommen sein soll. "Die Nummer hatten nur wir drei, mein Vater, die Geschäftsführerin und ich", sagte er. Vielleicht von der Rechnung für den gebrauchten Tresor, vielleicht aus der Jackentasche des Vaters, mutmaßte der Unternehmer.

Andererseits, das wurde aus der Aussage des Unternehmers auch deutlich, war für diese Einbruchsdiebstähle tatsächlich Insiderwissen erforderlich. Schließlich wurde diese große Geldsumme am Freitag erst in den Tresor gelegt, am Sonntag war sie weg. Und wer kennt schon den Wert von Monolith-Granulat und weiß, wie man es an wen verkauft? Und schließlich war der Zeitpunkt des Monolith-Diebstahls sicherlich kein Zufall: Der Unternehmer befand sich auf Dienstreise in Rumänien.

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Am ersten Verhandlungstag hatten die polnischen Mitangeklagten zudem ihre Tatanteile eingeräumt  - bis auf den 118.000 Euro Diebstahl. Nach denen war der eine für die Einbrüche selbst zuständig und wurde dabei von der inzwischen installierten Sicherheitstechnik aufgenommen, der andere war Fahrer und Verbindungsmann zum Deutschen. Es habe Absprachen in einem tschechischen Hotel gegeben, und hinterher den Verkauf in Polen. Der deutsche Angeklagte hatte dagegen nicht ausgesagt und behauptet, dass er unschuldig sei. Schon am heutigen Dienstag geht die Verhandlung weiter, am 8. Mai wird mit einem Urteil gerechnet.

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