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„Keine einfache Aufgabe“

Dr. Jörg Kotsch ist neuer Chefarzt der Riesaer Frauenklinik – und hat gleich allerhand Probleme zu lösen.

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Von Jens Ostrowski

Vor einem Jahr noch sprachen die Mitarbeiter von einem Klima der Angst, das in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe vorgeherrscht habe. Diese Atmosphäre ist bei den Schwestern und Ärzten seit gestern endgültig in Aufbruchstimmung umgeschlagen. Verantwortlich dafür ist eine einzige Personalie: Mit Dr. Jörg Kotsch hat ein altbekanntes Gesicht den Chefarztposten übernommen. Er folgt demnach dem umstrittenen Prof. Dirk Kieback, von dem sich das Elblandklinikum vor etwa einem Jahr im Rahmen des Brustkrebsskandals trennte.

Vertrauen zurückgewinnen

Er hatte damals schwerwiegende Vorwürfe des damaligen Geschäftsführers Markus Funk gegen die eigenen Radiologen gestützt. Demnach sollten aufgrund von Fehldiagnosen in der Mammografie Frauen in der Region – ohne es zu ahnen – möglicherweise hundertfach von Brustkrebs betroffen sein (SZ berichtete mehrfach). Die zuständige Kassenärztliche Vereinigung prüfte den Fall, wies die Vorwürfe als interne Kampagne gegen die betroffenen Mediziner zurück. Funk und Kieback wurden daraufhin von ihren Aufgaben entbunden. Aber auch, weil sich schon im Vorfeld bereits eine breite Front aus angestellten und niedergelassenen Ärzten, Pflegepersonal und Politik gebildet hatte. Mediziner prangerten unter anderem öffentlich strategisch-medizinische Fehlentscheidungen sowie eine unausgewogene und unwürdige Personalpolitik zum Nachteil des gesamten Klinikums an.Mit Jörg Kotsch soll alles anders werden. „Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich keine einfache Aufgabe übernommen habe“, sagte der 54-Jährige bei seiner gestrigen Vorstellung. Die vergangene Woche habe er bereits genutzt, um mit vielen Menschen innerhalb und außerhalb des Klinikums Gespräche zu führen. Vor allem bei den niedergelassenen Ärzten habe er den Vertrauensverlust zum Klinikum spüren können. Weil sie in den vergangenen Jahren aus unterschiedlichen Gründen mit der Frauenklinik nicht zufrieden waren, schicken viele von ihnen ihre Patientinnen mittlerweile zu anderen Krankenhäusern. „Wir müssen dieses Vertrauen nun zurückgewinnen, mit Leistung überzeugen. Zum einen müsse die Kommunikation, zum anderen die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten verbessert werden. Sie sind unsere Partner und keine Zulieferer“, sagte Kotsch.

Neben der Aufarbeitung dieser vergangenen Probleme wolle sich die Frauenklinik künftig auch wieder vermehrt um werdende Mütter werben. „Während in den letzten Jahren rund 500 Frauen entbunden haben, waren es im letzten Jahr erstmals weniger. Das ist aber weniger auf eine Imagefrage, sondern viel mehr auf die gestiegene Konkurrenzsituation im Umland zurückzuführen, sagte der Mediziner.

„Unser Ziel ist es, mit Dr. Kotsch zu alter Stärke zurückzufinden“, bestätigte auch Klinikgeschäftsführer Frank Ohi. Der neue Verwaltungsdirektor Peter Zeidler sprach von Kotsch als eine Koryphäe, die man für die Elblandkliniken habe zurückgewinnen konnte.

Denn der Mediziner ist kein Unbekannter. Von 1999 bis 2009 war er bereits am Elblandklinikum angestellt. Seinen Chefarztposten im Krankenhaus Großenhain gab er auf, nachdem klar war, dass das klassische Akutkrankenhaus gegen eine Reha-Klinik ersetzt werden würde. Kotsch ging damals nach Hoyerswerda und übernahm dort den Chefposten in der Gynäkologie und Geburtenstation. Die damalige Klinikleitung hatte den Wechsel zu einem anderen Haus damals öffentlich bedauert und gesagt, dass „ein so guter Chefarzt, der an die Ära Kotsch anknüpfen kann“, so schnell nicht wieder zu finden sei.

Auch als Onkologe in Meißen

Über Kotschs Rückkehr freut sich besonders auch seine ehemalige Sekretärin, die er noch aus gemeinsamen Großenhainer Zeiten kennt und die ihm jetzt wieder zur Seite gestellt wird. Der 54-jährige gebürtige Dresdner, der seit den 60er Jahren in Ebersbach wohnt, wird nicht nur dem Krankenhaus in Riesa, sondern auch der Klinik in Meißen zugute kommen. In Zusammenarbeit mit Dr. Marlies Leibner, die Chefärztin in der dortigen Frauenklinik ist, wird Kotsch auch den onkologischen Bereich am Standort Meißen abdecken, sagte Frank Ohi. „Mit seiner Berufung konnte unsere Klinikgruppe einen herausragenden Mediziner gewinnen, um die Klinik weiter auszubauen“, sagte der Geschäftsführer.