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Keine erste Klasse für die Schlossschule

Das Verwaltungsgericht lehnte einen Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz ab. Die Eltern kämpfen weiter für ihre Kinder.

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In einer öffentlichen Sitzung wollen sich die Räte der Gemeinde Naundorf am Donnerstagabend darüber einigen, ob sie Beschwerde gegen das Urteil beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht Bautzen einlegen. Sofern sie sich dafür entscheiden, könnte in der Schlossschule Hof eine erste Klasse gebildet werden. Andernfalls werden die Erstklässler in der Magister-Hering-Grundschule in Oschatz eingeschult. „Egal wie sich der Gemeinderat entscheidet, den Schulanfang werden wir am Sonnabend in Hof feiern“, so Andrea Schreiber von der Elterninitiative.

Kein Ausnahmefall

Am vergangenen Freitag entschied das Verwaltungsgericht Leipzig über das Eilrechtsschutzverfahren. Das Gericht sah keinen begründeten Ausnahmefall, der das Einrichten einer ersten Klasse rechtfertigt. Die unzumutbaren Schulwegbedingungen ließ die Kammer als Argument nicht gelten. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass der Landkreis Nordsachsen seiner Verpflichtung, eine zumutbare Schülerbeförderung zu organisieren, nicht nachkommen wird, so die Begründung. Das sieht Andrea Schreiber anders: „Der Landkreis hat sich in einem Schreiben an den Kultusminister Roland Wöller ausdrücklich gegen die Beförderungskosten gewehrt.“ Denn die Übernahme der Schülerbeförderung bedeutet auch weitere Kosten, da eine neue Buslinie für die entgegengesetzte Richtung geschaffen werden muss. Mit dieser sollen die Kinder in weniger als 30 Minuten von Hof nach Oschatz gebracht werden. Drei Erstklässler fahren aufgrund der hohen Entfernung zwischen Wohnort und Schule mit einem Fahrdienst des DRK. „Es ist unfassbar, wie auf diese Art und Weise Steuergelder missbraucht werden“, so Andrea Schreiber wütend.

Auch wenn der Kampf um die Bildung einer ersten Klasse zunächst verloren scheint–Andrea Schreiber will weiter protestieren. „Ich will aufzeigen, mit welcher Willkür hier vorgegangen wurde und welchen Druck die Bildungsagentur ausgeübt hat. Deren Zermürbungsspiel ist ein Skandal.“ Kurz vor Verhandlungsbeginn erklärte die Bildungsagentur Leipzig, dass die beiden Kinder aus der Gemeinde Stauchitz anerkannt worden wären, sofern eine erste Klasse zustande gekommen wäre. Gleiches gelte auch für die beiden Jahrgangswiederholer. Erst vor wenigen Wochen lehnte die Bildungsagentur diese vier Anträge auf Ausnahmeregelungen ab. Unter anderem mit der Begründung, man könne „die Gründe für einen Wechsel der Schule nicht akzeptieren.“

Taktik der Bildungsagentur

Nach aktuellem Stand hätte es 14Erstklässler gegeben. Allerdings einer zu wenig, um eine erste Klasse zu bilden. Denn inzwischen hat sich die Familie eines Kindes für eine andere Schule entschieden. „Das kann ich auch voll und ganz nachvollziehen.

Das Kind bedarf einer Integration, die vom ersten Tag an besteht und nicht erst aufgebaut werden muss“, sagt Andrea Schreiber. Als Leiterin einer Kindertagesstätte weiß sie, wovon sie spricht.

Sie vermutet hinter dem Einlenken der Bildungsagentur eine reine Taktik. Beirren lässt sie sich aber davon nicht. Sie wird weiter kämpfen–für die Zukunft ihres Sohnes.

Alexandra Hoppstock