SZ +
Merken

Keine frechen Sprüche mehr

Christoph Stephan wurde immer wieder ausgebremst. Nun beendet der Vize-Weltmeister seine Biathlon-Karriere.

Teilen
Folgen
© dpa

Oberhof. So richtig überraschend kam die Nachricht nicht. Die Biathlon-Karriere des Christoph Stephan war in den vergangenen Jahren ins Stocken geraten, nun ist sie beendet. Der 29-Jährige erklärte seinen Rücktritt, möchte sich auf seine Laufbahn bei der Bundespolizei konzentrieren.

„Für mich ist jetzt die Zeit gekommen, meine Karriere außerhalb des Leistungssports voranzutreiben“, begründete der Oberhofer seinen Entschluss. Eine Rolle dürften dabei seine anhaltenden gesundheitlichen Probleme gespielt haben. Auch deshalb hatte er im vergangenen Winter die Qualifikation fürs Weltcup-Team und die WM in Kontiolahti verpasst, zuletzt startete er lediglich im zweitklassigen IBU-Cup.

Seinen letzten großen Auftritt hatte der Thüringer bei den Olympischen Spielen in Sotschi, wo er nach den Plätzen 58 im Sprint und 43 in der Verfolgung seinen sicher geglaubten Staffelplatz verlor. „Das war schon eine herbe Enttäuschung. Wenn man das ganze Jahr der vierte Mann war und es dann im entscheidenden Moment nicht mehr ist, dann ist das schon bitter“, erklärt er rückblickend.

Wieder rückte Stephan ins zweite Glied – was typisch ist für eine von Rückschlägen gepflasterte Laufbahn. Die begann mit seiner ersten WM-Teilnahme 2009 und Silber im Einzel sowie Bronze mit der Staffel mehr als vielversprechend. Zusammen mit dem Altenberger Michael Rösch bildete er das Spaß-Duo unter den deutschen Biathleten. Immer wieder schnitten sie vor den Kameras Grimassen und überboten sich mit locker-frechen Sprüchen. „Mit dir hab ich so viele schöne Jahre erlebt, und wir hatten Erfolg und Spaß“, kommentierte Rösch den Abschied seines Kumpels.

Bei beiden ging es nach den Anfangserfolgen sportlich jedoch bergab. Während sich Rösch nach Meinungsverschiedenheiten mit den Bundestrainern für einen Wechsel nach Belgien entschied, war dies für Stephan nie eine Option. „Gerade dem Trainer- und Betreuerteam um Mark Kirchner am Stützpunkt Oberhof, wo ich über zwölf Jahre trainieren durfte, verdanke ich sehr viel. Ich habe mich dort immer wohlgefühlt und auch in schwierigeren Zeiten die volle Unterstützung bekommen“, betonte er.

Bereits in der Saison 2011/12 hatte der dreimalige Junioren-Weltmeister nach wiederholten Verletzungen eine mehrmonatige Pause eingelegt und über einen Rücktritt nachgedacht. Er machte weiter, war sich aber bewusst, dass er „kein Weltcup-Gesamtsieger und kein Jahrhundert-Biathlet mehr werde. Ich kann ab und an für eine Überraschung sorgen, ich bin einer für die Staffel“. Zuletzt war er auch das nicht, sein Rücktritt damit konsequent. (SZ/dk)