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Keine Läufer unterm Keulenberg?

Vereine klagen über steigende Veranstaltungskosten. Sicherheitsauflagen tragen dazu bei.

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© René Plaul

Von Reiner Hanke

Oberlichtenau. Das war keine schöne Überraschung für etliche Teilnehmer des Oberlichtenauer Silvesterlaufs: Die Route nach Großnaundorf am Fuße des Keulenbergs fiel diesmal weg. Eine Trasse mit Kultcharakter, sagt Jörg Fernbach, Vizepräsident des Leichtathletikverbandes Sachsen aus Arnsdorf. Strengere Sicherheitsauflagen seien die Ursache. Das Landratsamt als Verkehrsbehörde habe die eingefordert. Dazu sei der Verein finanziell nicht in der Lage gewesen. Bisher sei es kein Problem gewesen, wenn sich die Läufer am Straßenrand in den Verkehr eingeordnet hätten: nach dem Prinzip Vorsicht und Rücksichtnahme.

Diesmal sollte der Verein für eine Umleitung des Kraftverkehrs aufkommen: ein gigantischer Aufwand für eine Stunde. Kosten im vierstelligen Bereich. Die Startgebühr hätte um fünf Euro angehoben werden müssen: „Das ist unrealistisch, dann kommt keiner mehr“, sagt Fernbach. Die SG Oberlichtenau reduzierte das Programm. Es sei sachsenweit kein Einzelbeispiel mehr, dass Veranstalter mit steigenden Kosten konfrontiert würden, so Fernbach. Nicht nur, aber eben auch durch solche Auflagen drehe sich die Kostenspirale, so die Kritik. Dafür fehlt auch dem Pulsnitzer Läufer und Stadtrat Mario Drabant das Verständnis. Das sei doch völlig kontraproduktiv für den Volkssport: „Wir wollen junge Leute für den Sport, für Bewegung und eine gesunde Lebensweise gewinnen.“ Dann würden vor den Vereinen immer Hürden aufgebaut. Gerade die kleinen Vereine stöhnen unter der Last. Betroffen seien vor allem Läufe, die im öffentlichen Raum stattfinden. Immer neue Rechtsvorschriften, neue Auflagen würden auch für steigende Kosten sorgen. Dabei sei gerade in Pulsnitz ein Modellprojekt gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gestartet worden, vielleicht mit der Hoffnung, das Sporteln zu vereinfachen. „Sport pro Gesundheit“ heißt das Programm. Es ist ein Versuch, Bewegungsmuffel aus der Reserve zu locken. Das Konzept entwickelte der Deutsche Leichtathletik Verband.

Sicherheit für alle Beteiligten

Im Landratsamt will man die Kritik den Silvesterlauf betreffend nicht so stehenlassen. Der Lauf sei aus Sicht der Verkehrssicherheit seit jeher kritisch zu werten. Wetter- und Straßenverhältnisse spielten dabei eine Rolle. Aus Sicht der Behörde lasse sich ein möglichst gefahrloser Wettkampf nur auf gesperrten Straßen erwarten. Das sollte auch im Interesse des Veranstalters sein. Offenbar war Silvester 2015 auf die Vollsperrung gepocht worden. Die Kosten dafür habe damals noch die Stadt Pulsnitz übernommen. Der Kreis sieht auch für die Zukunft einen Spielraum, die Sicherheitsanforderungen zu reduzieren. Das habe aber nichts mit einer mangelnden Bereitschaft des Kreises zu tun Laufveranstaltungen zu fördern. Es gehe um die Sicherheit aller Beteiligten.

„Wir sind nicht gegen Sicherheit, aber die Auflagen könnten schon differenzierter betrachtet und abgewogen werden, um einen gemeinsamen Nenner zu finden“, sagt Jörg Fernbach. Schließlich seien es die Läufer gewohnt, sich im öffentlichen Verkehrsraum zu bewegen und mit dem Verkehr klarzukommen. Auch in den Teilnahmebedingungen sei geregelt, dass sich die Sportler den entsprechenden Regeln unterwerfen müssen. Dazu kommen Schilder „Achtung Laufveranstaltung“.

In Kamenz steht dabei der Blütenlauf im Fokus und das Geld ist ebenso knapp: „Wir leben derzeit von einem Plus bei den Geldern aus den vergangenen Jahren“, sagt Schatzmeister Dr. Manfred Vogel vom OSSV. Er schätzt ein, dass schlicht alles teurer werde, auch die Absperrungen. Der technische Aufwand steige. Ursache sei aber auch der Egoismus und die Unvernunft manchen Bürgers, der die zeitweiligen Einschränkungen nicht akzeptieren wolle. Es sei immer eine Gratwanderung, alles hinzubekommen, damit nichts passiert. Dabei könne der Verein noch glücklich über gute Partner sein. Abzufedern sei das nur über immer mehr Sponsoren. Auch der OSSV sei aber gezwungen, bestimmte Startgelder anzuheben.

Weniger Läufe im Kalender

Die Zeitmesstechnik ist zum Beispiel teurer geworden. Das mache schon bis zu drei Euro pro Starter aus. Urkunden, ein bisschen Kultur – am Ende fließe vieles zusammen. Wenn dann noch eine überbordende Bürokratie dazu komme ... Wobei sowohl Kamenz als auch Pulsnitz die Unterstützung der Kommunen in ihrem Verantwortungsbereich positiv einschätzt.

„Letztlich kannst du nicht alles auf den Läufern abladen“, so Fernbach. Dennoch steigen vielerorts die Startgebühren. Beispiel Froschlauf: 2011 waren es noch vier Euro. 2017 wird der Preis voraussichtlich auf 7,50 Euro steigen. Beispiel Festungslauf in Königstein: 2010 waren es 5 Euro, 2017 ist mit 7,50 Euro zu rechnen. Auch bei Großveranstaltungen wie dem Oberelbemarathon sei der Preisauftrieb nicht zu übersehen. Die Zahl der Läufe ist im aktuellen Kalender um zehn Veranstaltungen geschrumpft. Es sind gerade kleinere Läufe, die Verschwinden, kleinere Vereine, die sich aus dem Kalender verabschieden. Das erfülle ihn mit Sorge, so Jörg Fernbach. Sportfreunde überlegen sich immer genauer, an welchen Veranstaltungen sie noch teilnehmen, wie viele Läufe sie sich noch leisten können. So würden die Läuferfelder zusehends ausgedünnt. Das sei bedauerlich. Denn Sport macht Spaß und ist gut für den Kopf, fördert die Gesundheit, baut Stress ab: „Ich war keinen Tag krank, seitdem ich wieder laufe“, sagt Jörg Fernbach.