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Keine Party mit Andrea

Dynamo stoppt die Planungen für die Aufstiegsfeier am Elbufer. Aber vielleicht singt ein Schlagerstar trotzdem in Dresden.

© Ronald Bonß

Von Daniel Klein

Die Gefühle hätten garantiert keine Schweigepflicht gehabt, wenn Andrea Berg auf einer Bühne mit den Dynamo-Aufsteigern am Elbufer steht und singt. 14. Mai, Saisonfinale, Heimspiel gegen Großaspach, Heimat der Sängerin und ihres Mannes Ulrich Ferber, einem Mitgründer der SG Sonnenhof. Es passt und fügt sich alles so wunderbar.

Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden

Zur langen Einkaufsnacht unter dem Motto "Late Night Shopping" lädt das City Management Dresden am Freitag, 1. Oktober, in die Dresdner Innenstadt ein. Vom Neumarkt an der Frauenkirche bis zur Prager Straße beteiligen sich zahlreiche Händler und die großen Einkaufsgalerien an der Aktion.

Dass die Drittliga-Fußballer am Pfingstwochenende aufgestiegen sein werden, steht auch längst fest, also beginnt Dynamo mit den Planungen für eine große Sause. Die letzte Saisonpartie soll auf einer Videowand auf dem Areal der Filmnächte am Elbufer übertragen werden. Dorthin sollen die Spieler nach dem Schlusspfiff, begleitet von den Fans, fahren. Aber nicht in ihrem Mannschaftsbus, sondern auf dem schwarzen Mercedes-Truck, mit dem die Weltmeister im Juli 2014 beim Empfang in Berlin unterwegs waren. Und auf der provisorischen Bühne sollte dann Andrea Berg ihre größten Hits singen. Soweit der Plan. Doch es gibt sehr wahrscheinlich keine Party.

Da der Verein die Feier öffentlich nie angekündigt hatte, muss er sie nun auch nicht absagen. Sondern lediglich mitteilen, dass es diesmal keine außerhalb des Stadions geben wird. Sportvorstand Ralf Minge hatte in der vergangenen Woche Konsequenzen nach den Vorfällen beim Spiel in Magdeburg angekündigt, und auch, dass diese Unbeteiligte treffen könnten. Ob damit Einschränkungen im Ticketverkauf bei Auswärtspartien gemeint waren oder aber die geplatzte Party, ist bislang spekulativ.

Dabei wäre eine Absage die logische Konsequenz nach den Vorkommnissen vor allem im Dresdner Stadion vor anderthalb Wochen. Beim Eintreffen des Mannschaftsbusses hatte eine „Horde vermummter, gewaltbereiter, selbstherrlicher und asozialer Hohlköpfe“, wie es in einer Stellungnahme des Vereins hieß, den Rasen gestürmt und Feuerwerkskörper gezündet. Auch vor dem Stadion brannte und knallte es an diesem Abend fortlaufend. 16 Menschen verletzten sich, die meisten zogen sich Knochenbrüche zu, als sie in den Innenraum sprangen. Der Verein fürchtete offenbar, dass sich Vergleichbares auch nach dem Saisonfinale ereignen könnte, und zog die Reißleine.

Daneben gibt es einen erzieherischen Grund, einen logistischen – und einen finanziell angenehmen Nebeneffekt: Dynamo kann durch die Absage viel Geld sparen. Da die Filmnächte-Saison erst Ende Juni beginnt, ist das Areal noch verwaist. Es steht noch keine Bühne, keine Projektionswand, die Toilettenhäuschen und Getränkestände fehlen. Zusammen mit den Kosten für die Security, den Absperrungen, dem Nationalmannschafts-Truck und der Gage für Schlagerstar Andrea Berg wäre wohl eine sechsstellige Summe zusammengekommen. Neben der Freifläche wird zudem gerade gebaut, was den Zutritt zum Gelände erschwert.

Dynamo hatte sich auch nach anderen Orten in der Stadt umgeschaut. Die vergangenen beiden Aufstiege 2004 und 2011 wurden jeweils auf dem Altmarkt gefeiert. Der ist jedoch durch den Frühjahrsmarkt belegt. Der Theaterplatz scheidet aus, weil am Abend in der Semperoper Carmen aufgeführt wird. Der Neumarkt ist für derlei Veranstaltungen generell nicht vorgesehen, und die Cockerwiese bietet nicht gerade einen würdigen Rahmen – im Vergleich etwa zum Münchner Marienplatz.

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Die geplante Party im Anschluss an das letzte Saisonspiel am 14. Mai fällt aus. Der Drittliga-Spitzenreiter stoppte nach SZ-Informationen die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten, die am Elbufer stattfinden sollten.

So enden die Zweitliga-Aufstiegs-Feierlichkeiten bereits im DDV-Stadion, das mit gut 32 000 Zuschauern restlos ausverkauft ist – wahrscheinlich mit der Übergabe des Meisterpokals. Und vielleicht singt Andrea Berg dann auf dem Rasen von den Gefühlen und der Schweigepflicht.