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Keine Rockerrente in Sicht

Die Puhdys einmal anders: Im WelWel Döbeln sind Dieter „Maschine“ Birr und Co akustisch aufgetreten.

Von Dirk Westphal

Das Döbelner WelWel am Samstag. Voll bestuhlt und gut besucht von Liebhabern deutschsprachiger Rockmusik von fünf bis 80 aus ganz Mitteldeutschland. Die Puhdys sind wieder mal in der Stadt. Diesmal erstmals mit ihrem Akustikprogramm, mit dem sie seit fünf, sechs Jahren in der kalten Jahreszeit durch kleinere Hallen und Theater in ganz Deutschland reisen.

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Anders arrangiert präsentieren sich die großen Hits und neuen Stücke der Kultband in einem ungewohnten musikalischen Gewand. Vor allem ruhiger, mehr zum Zuhören. Die elektrischen Gitarren bleiben ausgestöpselt und das Schlagzeug von Klaus Scharfschwerdt steht hinter einer Plexiglasscheibe. Leise geredet, ja getuschelt wird vor dem Konzert auch in den Zuschauerreihen. „Der Maschine (Sänger Dieter Birr, Anm. d. Red.) hat ja eine viel jüngere Frau“, flüstert eine Mittsechzigerin. „Ja, aber die von dem Quaster (Dieter Hertrampf) ist noch jünger, mit der hat er eine 15-jährige Tochter, die auf der neuen Platte mitsingt“, weiß ihre Freundin zu berichten. Umgehend müssen sie ihre Unterhaltung beenden.

Applaus brandet auf. Rhythmisches Klatschen – Jubel. Die Band betritt die Bühne und legt furios los. Mit „Unser Schiff“ machen die Musiker klar: Ans Aufhören denken Dieter Birr, Peter Meyer, Dieter Hertrampf, Klaus Scharfschwerdt und Peter Rasym im 45. Bandjahr noch lange nicht. „Auf unserm Schiff, sind wir zu Haus, werfen keine Anker, steigen nie aus!“, singt Dieter Birr, der im nächsten März 70 wird. „Der Tod kann mich am A... lecken“, erklärt er später locker plaudernd dem Publikum, und dass die Puhdys schon ein „Zweites Leben“ beantragt hätten. So wolle man sich am 7. Dezember 2113 mit allen Besuchern im WelWel wiedertreffen. Dann allerdings eine halbe Stunde vor dem Konzert. „Um über die alten Zeiten zu quatschen“, so Maschine. „Perlenfischer“, „Es war schön“ – alte und neue Songs wechseln im ersten Teil des Konzertes, der mit einer speziellen Version von „Bis ans Ende der Welt“ endet. Im zweiten Teil legen die fünf Rockerrentner, unterstützt von Nick Scharfschwerdt (Percussions) und Conrad Oleak (Tasteninstrumente) noch eine Schippe drauf. „Geh zu ihr“, „Wenn ein Mensch lebt“, „Alt wie ein Baum“ oder im Zugabenteil „Die Eisbären“ und „Das Buch“ – Hits aus fünf Jahrzehnten werden begeistert mitgesungen. „Wir kommen gern wieder“, ruft Dieter Birr den Massen zu. „Bis dahin haltet durch!“ Ein erst zu nehmendes Versprechen von fünf Musikern, die nicht nur die Bühne brauchen, wie die Luft zum Atmen, sondern die für ihr Publikum da sind, wohl bis der Tod sie scheidet.