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Keine Schlange an der Gerüchteküche

Themen gab’s zur Freude von Weißwassers OB dennoch genug. Seine Zelte hatte er diesmal am Boulevard aufgeschlagen.

Bei strahlendem Sonnenschein hörte sich am Dienstag ein entspannter Oberbürgermeister Anliegen und Anregungen der Einwohner an. Auf Bürgerwunsch hatte Torsten Pötzsch seine Gerüchteküche diesmal auf den Nachmittag und den Boulevard vor die Stadtwerkstube
Bei strahlendem Sonnenschein hörte sich am Dienstag ein entspannter Oberbürgermeister Anliegen und Anregungen der Einwohner an. Auf Bürgerwunsch hatte Torsten Pötzsch seine Gerüchteküche diesmal auf den Nachmittag und den Boulevard vor die Stadtwerkstube © Constanze Knappe

Ob Thomas Philipps Weißwasser verlässt? Da sei was dran ... Das bestätigte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) am Dienstagabend auf Nachfrage von Bürgern. Die Stadt habe versucht, mit der Unternehmensleitung des Sonderpostenmarktes ins Gespräch zu kommen, was bisher nicht gelungen sei. Gemunkelt wird in Weißwasser auch über den Weggang einer anderen Firma. Insofern machte „OB’s Gerüchteküche“ ihrem Namen alle Ehre. Äußern wollte sich Torsten Pötzsch zu dem zweiten Fall aber nicht.

Auf Wunsch von Einwohnern der Stadt hatte er seine Zelte, sprich den Pavillon, diesmal nicht auf dem Marktplatz vor dem Rathaus, sondern am Boulevard Rosa-Luxemburg-Straße direkt vor der Stadtwerkstube aufgeschlagen. Bei strahlendem Sonnenschein stand er dort am Dienstagabend jedermann Rede und Antwort. Während zu dem Bürgertreff vor vier Wochen mehr als 40 Frauen und Männer kamen, war die Zahl der Interessenten diesmal recht überschaubar. Um genau zu sein, an zwei Händen abzuzählen. Enttäuscht war Torsten Pötzsch trotzdem nicht. Die Liste der angesprochenen Themen sei dennoch lang, wie er gegenüber Tageblatt sagte.

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Im Rathaus bald Normalbetrieb

Trotz vieler Lockerungen beschäftigt Corona auch die Menschen in Weißwasser noch immer. Der OB ist froh, dass „die Lage in Weißwasser entspannter ist als anderswo“. Als einen der Gründe benannte er, „dass sich in unserer Stadt viele Menschen an die Maskenpflicht halten“. In Kitas und Schulen laufe es gut, das aber sei „nur mit einem Spagat hinzukriegen“. Der Corona-Stab der Stadt trifft sich jeden Dienstag; der erweiterte Stab mit Polizei und Stadtwerken aber nur noch, wenn es die Situation erfordern würde.

Im Rathaus will man ab Juli wieder zum Normalbetrieb übergehen. Dann kann man die Mitarbeiter während der regulären Sprechzeiten auch ohne Termin erreichen. Die Terminvergabe für alle Anliegen habe sich aber durchaus bewährt, so der OB. Wieder abgekommen sei man von dem Angebot, jeden ersten Samstag im Monat im Rathaus für die Bürger da zu sein. Dafür gab es anscheinend keinen Bedarf. Ganz gestrichen ist die Möglichkeit aber nicht, etwa für Bürger, die in der Woche zum Beispiel aus beruflichen Gründen verhindert sind. „Wenn jemand etwas auf dem Herzen hat, kann auch für Samstag ein Termin organisiert werden“, sagte er.

Kritik kam zur Vorfahrtsregelung an der Schiller-/Lutherstraße. Die sei für Fremde offenbar schwer zu überschauen. Torsten Pötzsch nahm den Hinweis mit. Versprechen konnte er das Aufstellen von Schildern aber nicht. „Im Zweifelsfall gilt immer noch «Rechts vor Links»“, sagte er. Dass in Weißwasser womöglich Gullydeckel zu hoch stehen, lässt der OB ebenfalls überprüfen. Und was den Gehwegbau an der Straße der Kraftwerker angehe, das nimmt er mit in die Arbeitsgruppe Stadtumbau. Da werde man sich auch damit zu befassen haben, dass in der Straße Gehwegsteine gestohlen werden.

Keine Bären im Tierpark mehr

Eine Bürgerin bewegt, dass es der Bärin Mascha im Tierpark wohl nicht gut geht, seit ihre Schwester Dascha im Oktober verstorben ist und sie sich offenbar alleine fühlt. Die Bärendrillinge waren 1986 als Geschenk aus dem Zoo Hoyerswerda hierher umgezogen. Im Jahre 2000 wurde das Gehege im Tierpark Weißwasser umgebaut. Kurz zuvor zog der Bär Knickohr nach Delitzsch um, wo er vor drei Jahren verstarb. Seine Schwester Dascha erreichte mit 34 Jahren ein für Bären sehr hohes Alter. Einzig Mascha ist nun noch übrig. Aber Braunbären sind ja an sich Einzelgänger. Die Sorge der Bürgerin kann der OB nachvollziehen, der Bärenfreundin aber keine zufriedenstellende Lösung anbieten. „Der letzte Bär hat Bestandsschutz. Wenn das Tier stirbt, wird es in Weißwasser keine Bären mehr geben“, sagte Torsten Pötzsch.

Der Weihnachtsmarkt in Weißwasser soll stattfinden, so lautete eine Forderung bei dem Bürgertreff am Dienstag. Und dass die Menschen die ganze Diskussion darum nicht verstehen würden. Nichts Neues wusste Torsten Pötzsch auf die Anfrage nach dem Wie weiter mit dem Volkshaus zu sagen. Vom Fragesteller sei sogar bejaht worden, dass es – mal abgesehen von der Corona-Zeit – viele Angebote in Weißwasser gibt, aber nicht so viele Menschen zu den Veranstaltungen gehen, wie es eigentlich gewünscht und auch nötig wäre.

Dass am Weg vom Waldhaus zum Kiez eine Bank fehlt, darauf machte eine Bürgerin gegen Ende aufmerksam. Kurzerhand bot Torsten Pötzsch ihr an, gleich mit ihr hinzufahren und sich die Sache vor Ort anzuschauen. Damit hatte die Frau nicht gerechnet. „Damit sammeln Sie Pluspunkte bei mir“, so ihre verblüffte Reaktion. Wie der OB erfuhr, loben Auswärtige das viele Grün in der Stadt. Das dürfte dem für Unzulänglichkeiten oft gescholtenen Rathauschef runtergegangen sein wie Öl.

Die Gerüchteküche von Weißwassers OB gibt es seit Juni vorigen Jahres. Verglichen mit den großen Themen wie Strukturwandel, Innenstadtbelebung oder Zukunft von Glasfachschule und Bahnhof bei den vorigen Veranstaltungen kamen diesmal eher kleinere Alltagsprobleme zur Sprache. Dass deutlich weniger Einwohner die Gelegenheit nutzten, beim OB ganz unkompliziert ihre Anliegen und Hinweise, auch Lob und Kritik loszuwerden, sieht dieser trotzdem gelassen. „Das heißt ja nicht, dass das Angebot überflüssig ist“, so Torsten Pötzsch. Er jedenfalls habe eine ganze Reihe an Anregungen mitgenommen. Die Gerüchteküche soll es von jetzt ab jeweils abwechselnd am Vormittag auf dem Marktplatz und am Nachmittag vor der Stadtwerkstube geben. Bis Jahresende sei schon durchgeplant. Am 24. Juli wird de Pavillon vor dem Rathaus aufgebaut.

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