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Keine Schonung für niemanden

Die Dresdner Volleyball-Frauen müssen kämpfen, um Aachen mit 3:1 zu bezwingen. Nun fehlt noch ein Sieg auf dem Weg ins Meisterschaftsfinale.

© c by Matthias Rietschel

Von Michaela Widder

Kein Ball, mag er noch so weit durch die Halle fliegen, ist für sie unerreichbar. Erst, als ein Hindernis Lisa Izquierdo abrupt stoppt. Es ist der vierte Satz, der Dresdner SC führt 20:15, die Angreiferin sprintet los, als gehe es um den Matchball. Und dann donnert sie auch schon in die Bande.

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Der Punkt ist zwar verloren, die Szene aber ein Sinnbild dafür, wie sehr sich die Mannschaft in das Spiel gegen Aachen reingekämpft hat und nun mit dem 3:1 (25:22, 20:25, 25:21, 25:20) nur noch einen Sieg vom vierten Finale in Folge entfernt ist. Zum Glück haben wir noch rechtzeitig gemerkt, dass wir uns zusammenreißen müssen“, sagte Izquierdo. Der Aufprall gegen die Werbebande blieb glücklicherweise ohne Folgen. Jedoch schmerzte der punktbesten Spielerin noch ihr rechter Schlagarm, weil sie dort kurz zuvor hart von einem Ball getroffen worden war. Trainer Alexander Waibl gab gestern Entwarnung: „Alles okay, sie hat nur noch leichte Schmerzen.“

Wer glaubte, Aachen wie in der Hauptrunde zweimal locker mit 3:0 besiegen zu können, der hatte die jüngste Vergangenheit des Vereins mit den in schwarz-gelben Harlekinkostümen gekleideten Fans nicht verfolgt. Wie der Fast-Absteiger der vorigen Saison die Großen ärgerte. Wie er Schwerin, immerhin der deutsche Meister der vergangenen drei Jahre, aus dem Viertelfinale geworfen hatte. Und wie dieser größte Erfolg der Vereinsgeschichte das Team starkmachte.

Beim DSC, der dennoch als Favorit in dieses Halbfinale geht, verunsichert das offensichtlich manche junge Spielerin anfangs. Da kommt die Annahme ein bisschen zögerlich, da ist man mal dort einen Tick zu spät dran. Ohne Kristina Mikhailenkos wuchtige Aufschläge, die zwischen 80 und 90 Kilometer pro Stunde schnell sind, hätten die Dresdner wohl auch den ersten Satz verlieren können. Denn so richtig im Spiel vor 2 876 Zuschauern scheinen eher die Gäste, die den Schwung vom Sieg am vergangenen Mittwoch mitnehmen.

Dann es ist wie vor einer Woche in Suhl: Erst als Corina Ssuschke-Voigt im zweiten Durchgang beim fast aussichtslosen Stand von 11:19 eingewechselt wird, rüttelt sie die Mannschaft wach – zu spät für diesen Satz. „Ich habe zwar selbst nicht berauschend gespielt, aber durch meine Emotionen sind die anderen besser geworden“, sagt die erfahrene Nationalspielerin. Trainer Alexander Waibl fällt auf: „Wir wissen zurzeit nicht, wie wir die Spiele anfangen, aber wie wir sie beenden müssen.“

Offenbar braucht das Team einen Satzverlust, um im Rhythmus zu sein. Vor den Augen von Bundesinnenminister Thomas de Maizière steigern sich die Spielerinnen, jede ist mit ihrer Stärke gefragt. Gegen die Wucht der Angriffe von Izquierdo und Mikhailenko ist die gegnerische Feldabwehr oft ratlos. „Wir haben einen Tick variabler gespielt, das war ein Vorteil“, erklärt Waibl.

Mit Blick auf das Rückspiel am Karsamstag ist der Satzverlust möglicherweise sogar ein Vorteil. Man ist gewarnt. Die Gefahr, in Aachen nach nunmehr 13 Siegen in 13 Bundesliga-Duellen kalt erwischt zu werden, sieht Waibl aber sowieso nicht: „Wir wissen, was uns erwartet, ein Volleyballfest, die werden abgehen. Es wird eine Schlacht um Aufschlag und Annahme.“

In den Play-offs ist der Dresdner SC bisher ohne Niederlage. Eine Serie, die es für den Dauer-Vizemeister auszubauen gilt, im Optimalfall die nächsten vier Partien. Dann wäre auch das „Dauer-Vize“ weg.