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Keine Spur von Zickenkrieg

Ein neues Takin-Weibchen lebt seit Kurzem im Zoo. Wie erhofft versteht sich Neuling Kema mit der älteren Sissi blendend.

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Von Juliane Richter

Dresden. Voller Zuneigung kuschelt sich die kleine Kema an die fast doppelt so große Sissi. Auf den ersten Blick wirken die beiden Takin-Weibchen so vertraut wie Mutter und Tochter. Doch im betagten Alter von fast 19 Jahren hat Sissi nicht noch einmal Nachwuchs bekommen. Sie hat vielmehr eine neue Freundin gefunden.

Zookurator Matthias Hendel ist froh, dass ihm die ziegenverwandten Tiere den sprichwörtlichen Zickenkrieg ersparen. „Bei einem zweiten, älteren Weibchen hätte man damit rechnen können. Aber so nimmt Sissi die Kleine an, und sie sind ein Herz und eine Seele“, sagt Hendel. Diese Mishmi-Takins kommen normalerweise in der Himalayaregion in bis zu 4 500 Metern Höhe vor. Deshalb gehören sie zu jenen Zoobewohnern, die sich bei Kälte nicht in den Stall verkriechen, sondern für die Besucher gut sichtbar auf der Außenanlage umhertraben. Die beiden Damen sollen dort nicht alleine bleiben. Nachdem Bock Wim im vergangenen Jahr nach fast 20 Lebensjahren friedlich eingeschlafen war, soll ein neuer Bock nach Dresden kommen. Allerdings erst in einem Dreivierteljahr. Mit Kema an der Seite dürfte dann auch klar sein, dass Sissi auf ihre alten Tage nicht mehr trächtig wird. „Das wollen wir der alten Dame doch nicht zumuten“, sagt Matthias Hendel. Auf die Zucht mit Kema, die aus dem tschechischen Chomutov nach Dresden kam, hofft der Kurator schon.

In den vergangenen 20 Jahren sei der Zoo mit sechs Nachzuchten erfolgreich gewesen. Platz ist auf der baumbestandenen Anlage ausreichend. Auch wenn ein ausgewachsener Bock andere körperliche Ausmaße annimmt als die vergleichsweise zarten Damen. Bis zu 1,40 Meter hoch und 350 Kilogramm schwer kann ein Takin-Mann werden. „Das Äußere dieser Tiere macht sie für die Besucher auch besonders reizvoll. Denn kaum einer kommt darauf, dass sie mit den Ziegen verwandt sind“, sagt Hendel. Wer die Weibchen Sissi und Kama betrachtet, könnte bei den lang gezogenen Köpfen in der Tat eher auf den Gedanken kommen, dass sie den Elch zu ihren näheren Verwandten zählen. Doch statt ausladender Geweihe gibt es kurze, geschwungene Hörner zu sehen.