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Keine Stille auf dem „stillen Örtchen“

Der letzte kalendermäßige Tag des Sommers zeigte sich gestern von seiner besten Seite. Das war für viele eine gute Gelegenheit, um dem Handwerk und Gewerbemuseum Sagar anlässlich des 9. Museumstages einen Besuch abzustatten.

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Von Jost Schmidtchen

Der letzte kalendermäßige Tag des Sommers zeigte sich gestern von seiner besten Seite. Das war für viele eine gute Gelegenheit, um dem Handwerk und Gewerbemuseum Sagar anlässlich des 9. Museumstages einen Besuch abzustatten. Sighard Richter aus Krauschwitz war mit seinem „Altbier“ erstmals beim Museumstag dabei, wie auch Papiermacherin Ute Bartholomäus aus Bad Muskau und der Modellsportclub Krauschwitz e.V. Für alle war es eine gelungene Präsentation.

Gut gemacht hatten das die Mitglieder vom Förderverein „Museum für Handwerk und Gewerbe Sagar e.V.“ gemeinsam mit den ABM-Kräften. Diese waren so begeistert, dass sie am Sonntag in ihrer Freizeit den Verein tatkräftig bei der Durchführung des Museumstages unterstützten. Annett Wagner und Gabriele Wuttke aus Weißwasser sowie Waltraud Droigk aus Bad Muskau richteten Fischbrötchen an sowie Fettstullen aus selbst gebackenem Brot und des weiteren gab es einen großen Kuchenbasar mit hausgebackenem Kuchen.

Der Museumstag hat Tradition und die Veranstalter sind stets bemüht, altes Handwerk neu vorzustellen. Dazu gehört das Hausbrauen von Bier. Es ist als alte Tradition schon seit 1650 bekannt. Sighard Richter lässt die Tradition aufleben. Sein Altbier fand höchstes Lob und schmeckte besser wie jedes Standard-Pils. Die Malerin und Künstlerin Gudrun Feuerriegel aus Sagar zeigte in einer kleinen Ausstellung Bilder aus der typisch dörflichen Umgebung ihres Heimatortes. Sie betreute zugleich die Bastelecke für die Kinder. Dort war Kreativität gefragt beim Fertigen von Grasköpfen, Gestecken und Arbeiten mit Naturmaterial. Die Jüngsten waren hellauf begeistert. Gudrun Feuerriegel ist Vorstandsmitglied im Förderverein des Museums, wie auch Helga Heinze. Die hatte eine ganz tolle Idee. Der Bau einer behindertengerechten Toilette animierte sie zu der Sonderausstellung „Notdürftiges Örtchen“.

Dort wird gezeigt, wie man sich seit 1900 Gedanken über die Verrichtung der Notdurft machte. Die Ausstellungsstücke waren teilweise Leihgaben der Bürger: Ein Kinderplumpsklo als Anbau an den Donnerbalken von 1914, ein Toilettenbecken aus Gusseisen von 1900 und eines aus Krauschwitzer Steinzeug von 1920. Weiterhin zu sehen in der einmaligen Ausstellung waren Kinderstühle mit Kacktopf, diverse Nachttöpfe aus Glas, Emaille, Porzellan und Steinzeug sowie mobile Schranktoiletten.

„Notdürftige Örtchen“ gab es auch in Krankenhäusern als Toilettenstühle, produziert ab 1950 in der DDR, aber auch in Puppenstuben. Auch die Püppis „mussten“ mal. Ein Papierhalter mit zurechtgeschnittenem Zeitungspapier erinnert daran, wie man sich einst den Allerwertesten abputzte und eine „Klosett-Ordnung“ von 1910 schrieb fest, wie man sich auf einem „notdürftigen Örtchen“ zu verhalten hatte.

Hochachtung wurde der Papierschöpfung entgegengebracht. Ute Bartholomäus zeigte manufakturmäßig, was sie einst in der Papierfabrik Bad Muskau industriell gelernt hat. Außerdem gab es eine kleine Dokumentation über die Papierherstellung und es wurden Papierprüfgeräte aus dem Fundus ihrer ehemaligen Arbeitsstätte vorgestellt.

Der Modellsportclub Krauschwitz e.V., der 32 Mitglieder zählt, hatte zahlreiche interessante Modelle mitgebracht. Alle sind elektrisch oder mit Verbrennungsmotor funkferngesteuert flugfähig, sagte Torsten Lehmann der SZ. Zu den Ausstellungsstücken gehörten Modelle wie das Segelflugzeug „Falke Rva“ von 1930, die „Mininoa“ von 1936, die seit 1938 bis heute mit 8 100 Metern den Höhenweltrekord eines Segelflugzeuges hält und aus neuerer Zeit das Kunstflugzeug „Christen Eagle“, ein Doppeldecker aus den USA.

Viel Lob zollten die Besucher, insgesamt über 650, nicht nur dem Museumstag, sondern auch das Engagement der Vereinsmitglieder wurde sehr gewürdigt. Patricia und Karsten Böhme aus Krauschwitz zeigten sich sehr angetan vom ständigen Wachstum des Museums mit seinen Ausstellungen. Auch Heike und Dietmar Pohl aus Hähnichen wollten die historische Technik einmal in Betrieb sehen. Das bot sich gestern natürlich ganz besonders an. „Hier gibt es ein familienfreundliches Flair, das uns sehr gut gefällt“, sagten sie der SZ.