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Keine Zukunft für marode Dresdner Brücke

Von Löbtau nach Strehlen sollen ab 2019 Straßenbahnen fahren. Nicht nur deswegen muss die alte Nossener Brücke weg.

© André Wirsig

Von Tobias Winzer

Es ist eines der größten Verkehrsprojekte nach der Wiedervereinigung. Insgesamt 185 Millionen Euro wollen die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) und die Stadt in den Bau einer neuen Straßenbahnstrecke zwischen Löbtau und Strehlen investieren. Wie sich nun abzeichnet, sind damit auch die Tage der rund 50 Jahre alten Nossener Brücke gezählt. Sie soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Auf diesem wäre dann auch Platz für zwei Straßenbahngleise.

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Damit sich Autos und Straßenbahnen nicht in die Quere kommen, gibt es auf der Nürnberger Straße ein eigenes Gleisbett.
Damit sich Autos und Straßenbahnen nicht in die Quere kommen, gibt es auf der Nürnberger Straße ein eigenes Gleisbett. © Virtual-Architects

Die Verkehrsbetriebe treiben das Großprojekt bereits seit einigen Jahren voran, weil sie die überlastete Buslinie 61 durch komfortablere und geräumigere Straßenbahnen ersetzen wollen. Aus DVB-Sicht ist Eile geboten, weil nur noch bis 2019 mit Fördermitteln aus einem Bundesprogramm zu rechnen ist. Dadurch sinken die Gesamtkosten für Stadt und Verkehrsbetriebe auf rund 70 Millionen Euro.

Der Stadt kommen die Pläne und die Zuschüsse nun gelegen, weil die Nossener Brücke, die eigentlich aus vier Einzelbrücken besteht, sowieso dringend erneuert werden müsste. Probleme an dem Bauwerk gibt es vor allem wegen der Stahlträger in den Betonplatten. Diese liegen unter der Fahrbahn. Sie entsprechen nicht mehr heutigen Bemessungsvorschriften und den Dimensionen, die für hohe Belastungen ausgelegt sind.

Das Bauwerk ist deshalb bereits für Laster mit mehr als 48 Tonnen Gewicht gesperrt worden. Für den laufenden Straßenverkehr hat das jedoch keine Auswirkungen, weil sowieso nur Lkw bis zu einem Gewicht von 44 Tonnen ohne Sondergenehmigung fahren dürfen. Die Stadt geht aber davon aus, dass künftig, wie auf der Albertbrücke, aus Sicherheitsgründen einzelne Fahrspuren gesperrt werden müssten.

Nach den jetzigen Plänen kostet der Brücken-Neubau die Stadt abzüglich der Fördermittel und des DVB-Anteils rund 17 Millionen Euro. Würde die Verwaltung das Bauwerk ohne das DVB-Projekt sanieren, wären nach Schätzungen wohl fünf Millionen Euro mehr nötig. So jedenfalls lautete die Rechnung im Ortsbeirat Cotta zum Wochenanfang, als das Vorhaben zum ersten Mal öffentlich vorgestellt wurde. „Die Stadt wird die Brücke nie wieder für so wenig Geld sanieren können“, sagte DVB-Verkehrsmanager Jan Bleis.

Starten sollen die Arbeiten 2017. Zwei Jahre später sollen sie beendet sein. Wie es hieß, können Autofahrer auch während der Bauzeit die Nossener Brücke nutzen.

Aus insgesamt vier Teilabschnitten besteht die Straßenbahnstrecke zwischen Löbtau und Strehlen. Die sechs Millionen Euro teuren Bauarbeiten am ersten Abschnitt, der Zentralhaltestelle Kesselsdorfer Straße, sollen bereits im kommenden Jahr beginnen. Ebenfalls weit fortgeschritten sind die Planungen für das 19,3 Millionen Euro teure Endstück, der Oskarstraße inklusive neuem Haltepunkt Strehlen. Dort soll es im kommenden Jahr losgehen. Für die beiden insgesamt rund 160 Millionen Euro teuren Bauabschnitte dazwischen von der Nossener Brücke bis zum Wasaplatz laufen derzeit Vorplanungen.

Dabei haben DVB und Stadt rund 20 Varianten untersucht. Der jetzige Favorit sieht so aus: Die Straßenbahnen biegen von der Kesselsdorfer Straße auf einer neuen Rampe rechts auf die Brücke ein. Dort bekommen die Straßenbahnen zwei eigene Spuren in der Mitte. Die soll es auch im weiteren Streckenverlauf in der Nürnberger Straße geben. Dadurch wird die Straße insgesamt breiter – zulasten der Grünstreifen vor den Häusern, die um etwa die Hälfte schrumpfen. Um die Anwohner vor dem Lärm zu schützen, will die Stadt in allen Wohnungen auf eigene Kosten mehrfach verglaste Fenster einbauen. Am Nürnberger Ei schließt die Neubaustrecke an die jetzt vorhandene Trasse an.

Für das fehlende Teilstück bis zum Wasaplatz haben die Verkehrsbetriebe mehrere Varianten. Auf dem Zelleschen Weg sollen die Straßenbahnen entweder in der Mitte des heutigen Grünstreifens fahren oder rechts und links der heute bestehenden Baumreihe. In der Caspar-David-Friedrich-Straße sind zwei Gleise in der Straßenmitte geplant, die von Autos überfahren werden können.

Zumindest für das Teilstück mit Nossener Brücke und Nürnberger Straße gibt es breite Zustimmung. Die Ortsbeiräte in Plauen und in Cotta haben die Pläne bereits mit großer Mehrheit abgenickt. Am 15. Mai entscheidet der Stadtrat.