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Großenhain

Keine zweite Wahl

Tagesmütter können Kleinkinder individuell betreuen. Doch Eltern wissen oft nichts von ihrem Wunsch- und Wahlrecht.

Manuela Gose vom Familienservice, Carmen Kallinich, Katrin Eichler und Winnie Rudolph (v.l.) mit Betreuungskindern der Tagespflege.
Manuela Gose vom Familienservice, Carmen Kallinich, Katrin Eichler und Winnie Rudolph (v.l.) mit Betreuungskindern der Tagespflege. ©  Kristin Richter

Großenhain. Wenn für ein Kleinkind eine Fremdbetreuung gesucht wird, denken Eltern erst einmal an die Kita. „Dass es gleichwertig auch Tagesmütter gibt, ist vielen noch immer unbekannt“, sagt Winnie Rudolph vom Kinder- und Familienservice in der Marktgasse. Elf Tagesmütter arbeiten aber allein im Stadtgebiet, etwa 80 im Landkreis.

Damit Eltern darüber informiert werden, dass sie ein Wahl- und Wunschrecht bei der Kinderbetreuung haben, gibt es die derzeitige Aktionswoche in Sachsen. „Das kleine 5 mal 5“ will sagen: Tagesmütter betreuen in häuslicher Umgebung bis zu fünf Kinder an den fünf Werktagen. In Großenhain gibt es aktuell 42 Plätze. 

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Fällt eine Betreuerin wegen Urlaub oder Krankheit aus, springt Winnie Rudolph als Ersatzpflegerin ein. „Die Eltern müssen auch nicht mehr als in der Kita zahlen, denn wir werden ebenfalls von der Stadt finanziert“, sagt Katrin Eichler, eine der freiberuflichen Betreuerinnen. Sie hat ihre Einrichtung in der Herrmannstraße 27c, ihre Kollegin Carmen Kallinich in der Herrmannstraße 31.

Keine wechselnden Bezugspersonen

Die Tagesmütter betonen, dass sie eine Alternative mit individuellerer Betreuung und engerer Beziehung zum einzelnen Kind sind – auf keinen Fall zweite Wahl. Auch bei ihnen gäbe es pädagogische Konzepte. So legt Carmen Kallinich viel Wert auf Bewegung an frischer Luft. Katrin Eichler lehnt sich an die Kleinkindpädagogik nach Emmi Pikler an. „Dabei geht es um autonome Bewegungsentwicklung“, erklärt die Tagesmutter. Sie macht diese Arbeit schon seit 2006, Carmen Kallinich ist seit 2008 in der Tagespflege. Beide kommen aus anderen Berufen und haben sich entsprechend ausbilden lassen.

Wer schon ein Geschwisterkind in der Tagespflege hatte, lässt oft auch das zweite Kind so betreuen, weiß Katrin Eichler. Zunehmend mehr Eltern würden gezielt zu ihr kommen und fragen. Nur Carmen Kallinich hat aktuell einen Platz frei.

Damit die Kinder sich auch in der Zeit, in der Winnie Rudolph eine Ersatzbetreuung anbietet, zurechtfinden, treffen sich die Tagesmütter aller zwei Wochen im Kinder- und Familienservice. Hier tauschen sie sich auch pädagogisch aus. Mittlerweile bekommen die freiberuflichen Tagesmütter auch eine Absicherung im Krankheitsfall. Und haben einen Urlaubsanspruch von 24 Tagen. Winnie Rudolph ist deshalb bekannt dafür, dass sie eine Kinderbetreuung, wenn`s sein muss „Tag und Nacht“ organisiert. 

Darüber hinaus bilden sich die Tagesmütter in Sachsen regelmäßig weiter, sie betreuen familien- und alltagsnah. „Bei uns gibt es keinen Schichtwechsel und keine wechselnden Bezugspersonen“, so die Tagesmütter. Dass Grit Weinthaler vom Jugendamt auch beim Aktionstag dabei war, zeigt den Stellenwert dieser Betreuung.