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Keinen Bock auf Männer im Rock?

Mode. Die Alternative zur Hose – für das starkeGeschlecht bleibt sie ein Traum. Riesas Geschäfte müssen jedenfalls passen.

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Von Gunter Niehus

„Was wollen Sie? Männerröcke?“ Linda Voigtländer sieht ihren Kunden zweifelnd an. Im Gesicht der schwarzhaarigen Verkäuferin arbeitet es. Ob der das ernst meint? Oder ist das ein blöder Witz? Laut spricht sie diese Gedanken nicht aus. Ist auch gar nicht nötig. Ihre Miene spricht Bände. „Nein, tut mir leid“, sagt Voigtländer schließlich. „So was führen wir nicht.“ Wahrscheinlich würden die Stücke auch wie Blei in den Regalen liegen. Seit Linda Voigtländer im Street-Ware-Laden an der Riesaer Hauptstraße arbeitet, hat noch keiner danach gefragt. Sie hat auch noch nie einen Mann im luftigen Beinkleid auf Riesas Straßen gesehen. „In Leipzig schon“, ergänzt die Verkäuferin. „Da laufen einige Grufties mit Röcken rum. Aber in Riesa? Nee!“

Selber nähen ist die Lösung

Andrea von Hoff hat auf dem Boulevard bereits welche erblickt. „Wadenlang mit Schottenmuster“, berichtet die Verkäuferin von Henle-Moden. „Aber nur ganz selten.“ In Berlin oder Dresden, da würde sich niemand etwas dabei denken. „Aber Riesa ist zu halt klein für so was.“ Deshalb hat auch sie nichts auf Lager. Nur einen Tipp: „Wie wäre es mit selber nähen?“, schlägt Andrea von Hoff vor. „Einfach ein Schnittmuster kaufen, und loslegen.“

Wenn‘s nur so einfach wäre! Bei Schneider Moden hagelt es den nächsten Korb. „Hier hat noch nie jemand danach gefragt“, sagt Susann Schulz. „Ich habe mal in Hamburg gewohnt. Da ist das nichts Ungewöhnliches. Aber hier in Riesa?“ Zu Damenröcken als Alternative will sie lieber nicht raten. Im Regal hängt so ein Kurzer aus Jeans-Stoff. Ob das nicht vielleicht ... Susann Schulz sagt nicht nein, sagt nicht ja. Doch in ihrem Gesicht Mach‘ dich nicht unglücklich, Mann!“ steht da geschrieben. In dicken Lettern und dreimal unterstrichen.

„Einen Rock für Männer hatten wir vor zwei Jahren tatsächlich mal da hängen“, verkündet Cindy Herrmann von Stylecook stolz. „Der ist auch gekauft worden. Aber von einer Frau.“ Seitdem hat das Geschäft den Versuch mit der ungeliebten Ware aufgegeben. „So was läuft hier in Riesa halt nicht“, sagt Cindy Herrmann.

Männerröcke in Riesa. Das wird wohl nichts mehr. Oder vielleicht doch? „Schauen wir halt mal bei den Damen“, sagt Ria Rätzold forsch. „Welche Farbe darf es denn sein?“ Die Praktikantin bei Indigo in der Elbgalerie durchforstet das Kleiderregal. Schwarz soll er also sein. Bingo! Ria Rätzold wird tatsächlich fündig. Knöchellang in Größe 40. Wenn überhaupt, dann wohl der.

Ein Kilt ist was für jeden Mann

Er passt. Die Verkäuferin bringt noch einen. In 38. Der kneift. „Mein Freund trägt auch manchmal Röcke“, erzählt die Verkäuferin, während sie das enge Exemplar zurück hängt. „Allerdings eher Schottenröcke, Kilts eben. Ich finde, das sieht auch gut aus. Prinzipiell kann jeder Mann so etwas tragen.“

So ein bärenstarker Highlander musste im Kilt auch Engländer verprügeln. In dem Damenrock, Größe 40, hätte er den Feind aber niemals eingeholt. Das Beinkleid lässt nur kleine, trippelnde Schritte zu. Und ist deshalb auch für Nicht-Schotten keine echte Alternative. Männerröcke in Riesa: Fehlanzeige.