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Keiner hat ihn bestellt, doch alle sollen zahlen

Kreischa protestiert gegen den Planentwurf zum Ausbau der S 36. Besonders ein geforderter zweiter Fußweg erhitzt die Gemüter. Keiner der Anlieger will ihn, auch die Gemeindeverwaltung, die ihn bezahlen müsste, nicht.

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Von Tilo Harder

Karl-Heinz Bennigsen hat mit einem Kreidestrich vor seinem Haus angezeichnet, wieviel von seinem Grundstück verloren gehen soll. Wenn er dann die Garagentür öffnet, reicht sie bis in den zukünftig öffentlichen Raum. Ursache für das Dilemma ist die Planung zum Ausbau der S 36 zwischen altem Gemeindeplatz in Kreischa und dem Ortsausgang Richtung Possendorf. Die benötigt Platz für einen zweiten Fußweg. Gegenwärtig läuft das Planfeststellungsverfahren.

Fast alle Anlieger haben Einwände gegen den Plan

Am Mittwoch verstrich die Frist, in der Betroffene Einwände geltend machen konnten. Fast alle Anlieger haben schriftlich ihre Bedenken geäußert. Dabei gibt es links und rechts der Hauptstraße zwei Lager. Aber nicht für und wider, sondern zwei unterschiedliche Probleme bewegen die jeweiligen Straßenseiten. Die Leute in den ungeraden Hausnummern, die links in Richtung Ortsausgang wohnen, haben keinen Fußweg auf ihrer Seite. „Das hat keinen gestört“, sagt Margot Czajka. Seit Jahrzehnten geht sie vor ihrem Grundstück auf die andere Straßenseite auf den Bürgersteig. „Die meisten Wege erledigen die Leute sowieso mit dem Auto“, ergänzt sie. Dennoch plant das Straßenbauamt jetzt Fußwege auf beiden Seiten. Es befürchtet eine eingeschränkte Verkehrssicherheit, wenn Fußgänger den Randstreifen nutzten. Zu einer Bürgerversammlung im Oktober erschien vom Straßenbauamt niemand. Antwort auf SZ-Anfragen vom Montag gab’s auch noch nicht.

Verwaltung und Bürger sind einer Meinung

Die Gemeindeverwaltung mit Bürgermeister Frank Schöning (parteilos) an der Spitze ist mit der Planung ebenfalls nicht einverstanden. Bürgersteige und deren Beleuchtung müssen aus der Gemeindekasse bezahlt werden. Da fallen nicht nur Baukosten an. Anliegern sind die benötigten Grundstücksteile abzukaufen und für die Beleuchtung des zusätzlichen Fußweges fallen auch noch laufende Kosten an. „Bis zur Feuerwehr halte ich beidseitig Wege für gerechtfertigt“, sagt Schöning. Dann würde ein Sicherheitsstreifen völlig ausreichen. Die finanzielle Last, die die Gemeinde tragen müsste, beläuft sich auf rund 850 000 Euro, rechnet Bauamtsleiter Tino Preikschat vor. „Natürlich wollen wir auch die Sanierung, aber wir müssen Kosten reduzieren.“ So hat sich die Gemeinde in einer Stellungnahme gegen den zweiten Fußweg positioniert.

Rechts, die mit geraden Hausnummern auf brauchen natürlich erst recht keinen weiteren Fußweg, sie haben ja einen. Sie bewegen andere Sorgen. Ein Bach, das Quohrener Wasser, fließt in einem Kanal unterm Bürgersteig. Der soll gleich mit saniert werden. Dabei würden sich die Bagger bis fünf Meter in ihre Vorgärten wühlen. Arnd Nitzsche macht einen Gegenvorschlag. Nur die Wand zur Straße und die Abdeckung müsse erneuert werden. Die Mauer auf der Seite der Grundstücke sei durch Vorsatz einer Schale aus Spritzbeton oder kunststoffhaltigem Spritzmörtel zu sanieren. „Das ist kostengünstiger, würde die Bauzeit verkürzen und die Pflanzen in den Grundstücken verschonen“, sagt er. Früher selbst in der Betonsanierung tätig, hat er das Verfahren hundertfach angewendet.

Am Ende zahlen die Einwohner die Zeche

2005 soll der Bau starten. Kommt es so, wie bislang geplant, kann es sein, dass die Gemeinde Geld per Ausbaubeitragssatzung eintreiben muss. Dafür wird dann der Betrag, den die Bürger für abgetretene Grundstücksteile erhalten haben, sicher nicht reichen.