merken
PLUS Feuilleton

Keith Richards als Romanfigur 

Der Autor Linus Reichlin lässt den Rockstar doch nicht sterben. 

Keith Richards ist nicht der einzige Prominente im Roman von Linus Reichlin.
Keith Richards ist nicht der einzige Prominente im Roman von Linus Reichlin. © xinhua/Fotofinder

Von Rainer Rönsch

„Hey, ich hab’ das weiße Licht am Ende des Tunnels gesehen. Aber wenn dann nichts passiert und man wieder zurückkommt – das ist der wahre Schock.“ Hat dieser Ausspruch von Keith Richards, Gitarrist und gelegentlich Sänger der Rolling Stones, den Schweizer Autor Linus Reichlin zu seinem Roman angeregt?

njumii – Das Bildungszentrum des Handwerks
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Von wegen Jenseits! Diesseitige Probleme plagen Keith Richards. Im Roman ist er zwar für die Öffentlichkeit gestorben, lebt aber weiter. Linus Reichlin bedient sich für die sensationelle Geschichte des Icherzählers Fred Hundt. Der schreibt populärwissenschaftliche Bücher über Quantenphysik, ist Hobbymusiker und hundertprozentiger Fan von Keith Richards.

Bei Linus Reichlin wird daraus keine langweilige Heldenverehrung. Sein spitzzüngiger Erzähler liebt die Rockmusik, unterläuft aber den Mythos, dass Musiker und Fans gemeinsame Erfahrungen haben. Kess fragt er, ob Beat und Rock den jungen Leuten vielleicht Gefühle nahebrachten, die sie selbst nie hatten? Die Freunde des Skurrilen nimmt er gleich auf der ersten Seite für sich ein, wenn er „eine gleichaltrige Frau für ein späteres Paarbegräbnis“ sucht. 

Versteckt und verkleidet

Diese Suche freilich wird zur Nebensache, als Keith Richards gestorben ist. Der „Riffmaster“ ist tot! Hundt sieht darin die Ouvertüre zum großen Sterben. Noch ahnt er nicht, dass er seinem Idol gegenüberstehen wird. Aus Amerika ruft ihn der Arzt Ben Harper an, ein Urlaubsbekannter aus früherer Zeit. Es fällt ein Codewort, das zu sofortigem Freundschaftsdienst verpflichtet, und Hundt fliegt zu Harper. Er unterschreibt eine Verschwiegenheitserklärung. Harper war ein Leibarzt von Keith Richards. Da muss Hundt fragen, ob der Gitarrist deswegen gestorben ist. Mit Harper und der Ärztin Lynn fliegt er dann auf eine karibische Insel. 

Dort erfährt er, dass Keith Richards lebt. Aufgebahrt kam er wieder zu sich, als Harper und Lynn mit ihm allein waren. Lynn löste, ohne dass man Näheres erfährt, das „Beerdigungsproblem“. Keith Richards versteckt sich, um der Familie und der Öffentlichkeit den Schock zu ersparen. Maskiert und verkleidet wagt er sich später als „Mr. Shelby“ unter die Leute. 

Im Roman des 62-jährigen Autors Linus Reichlin treten neben Keith Richards weitere reale Prominente wie Johnny Depp und der Produzent Don Was auf. Keine Figur aber fasziniert so wie Fred Hundt. Der gibt einen unterwegs aufgeschnappten Song als eigenen aus. Keith Richards ist begeistert. Beide arbeiten nun wie wild an neuen Titeln, auch weil Richards dringend Geld braucht. Seine Millionen gehören ja den Erben. Hundt soll eine Weltkarriere starten und Richards finanziell beteiligen. Daraus wird nichts – der Produzent mag den „billigen Abklatsch“ nicht.

Keith Richards wird durch den Pistolenschuss eines Banditen verletzt. Er will keinen Arzt, sondern eine Seebestattung. Folgsam legt Fred Hundt ihn gefesselt in ein leckes Boot, das mit der Sonne versinkt. Ein Jahr später kommt per Mail ein Foto, das Mr. Shelby irgendwo im Dschungel zeigt. Darunter steht handschriftlich: „Hat wieder nicht geklappt.“ Bei Linus Reichlin hat es wieder geklappt. Sein Roman ist tiefsinnig und amüsant zugleich.

Linus Reichlin: Keiths Probleme im Jenseits. Galiani, 256 Seiten, 20 Euro

Mehr zum Thema Feuilleton