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Keller aus der Zeit um 1200 am Neumarkt entdeckt

Seit Herbst graben Archäologen zwischen Kulturpalast und Jüdenhof. Sie präsentieren jetzt erste Ergebnisse.

© André Wirsig

Von Bettina Klemm

Verkohlte Holzteile im Boden am Dresdener Neumarkt stellen eine kleine Sensation dar. „Der mannstiefe etwa vier mal fünf Meter große mit Holz verschalte Erdkeller stammt aus der Zeit um 1200. „Die Bauzeit werden wir wohl nicht genau erfahren, aber wir sind guter Hoffnung, durch eine dendrochronologische Untersuchung der gut erhaltenen Reste der Schwellhölzer wenigstens das Jahr der Zerstörung ermitteln zu können“, erklärt Thomas Westphalen vom Landesamt für Archäologie. Holzkeller aus der frühen Phase Dresdens hatten die Archäologen bereits vor rund 20 Jahren am südlichen Altmarkt entdeckt, nicht aber in der Größe dieses Kellers.

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Grabungsleiterin Susanne Schöne und ihr Team konnten eine große Anzahl von Funden bergen beziehungsweise dokumentieren, die aus der Zeit des Hohen Mittelalters bis zum 20. Jahrhundert reichen. Dazu zählen Latrinen und Brunnen, deren Geheimnisse noch nicht vollständig entschlüsselt sind. Bisher haben die Archäologen an dieser Neumarktstelle 120 Mauerbefunde freigelegt. Bemerkenswert ist der frühere Ratskeller, der sich parallel zum Verkehrsmuseum erstreckt. Westphalen hat jedoch wenig Hoffnung, dass dieser Keller für die Nachwelt erhalten bleiben kann. Anders sieht es mit zwei Kellern unter dem Regimentshaus und dem Dinglingerhaus aus. Das sind Leitbauten, die möglichst originalgetreu wiedererrichtet werden sollen. Hier gebe es Gespräche mit den Bauherren. Offene Ohren finden sie bei Nobelpreisträger Günter Blobel, der das Eckgrundstück erworben hat, das ist allerdings kein Leitbau. „Aber Herr Blobel will so viel wie möglich erhalten. Er kommt deshalb auch im Mai aus den USA nach Dresden“, kündigt sein Projektentwickler Michael Kaiser an.

Deutliche Verzögerungen gibt es offensichtlich bei der Firma USD, die den größten Teil der Fläche bebauen will. Deren Sprecher Ulf Mehner sagt: „Wir planen Häuser mit historischen Gebäudeteilen und zwei Leitbauten. Da der Bauantragsprozess noch läuft, möchten wir uns derzeit nicht zu den Plänen äußern.“ Die USD werde aber in einigen Wochen die Öffentlichkeit über ihre Pläne informieren.

Nach SZ-Informationen gibt es im Hintergrund Streit um den Bau einer Tiefgarage auf der Gewandhausfläche vor dem jetzigen Baufeld. Zudem soll der dritte Eigentümer einer Teilfläche, das Unternehmen Kondor Wessels, im Rechtsstreit mit der Stadt liegen. Im Vertrauen auf Zusagen hatte es bereits viel Geld für Planungen ausgegeben. Doch nach einer Ausschreibung hatte die Stadt anders entschieden.