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Kelly Family sorgt für große Gefühle in Riesa

Rund 7.000 Zuhörer besuchen am Sonnabend das Konzert der Band in der Sachsenarena Riesa. Viele von ihnen sind treue Fans - und einige überraschend jung.

Von Catharina Karlshaus
 4 Min.
Die Kelly Family schafft es noch immer, die deutschen Hallen zu füllen.
Die Kelly Family schafft es noch immer, die deutschen Hallen zu füllen. © Symbolbild/Carsten Klick

Riesa. Wenn die Familie ruft, dann gibt es kein Halten. Nicht in Großenhain, Dresden, Jüterbog, Frauenhain oder Hamburg. Dann machen sich Fans wie Roswitha und Gerd auf den Weg und nehmen die Anreise nach Riesa auch aus Wittenberg in Kauf. Keine Frage! 

Um Angelo, Jimmy, Joey, John, Paul, Kathy und Patricia zu sehen, fahren die beiden Mittfünfziger durchaus schon mal durch die Republik. Gern mehrmals im Monat, schließlich wird jede Gelegenheit genutzt, ihren musikalischen Lieblingen nahe zu sein. In Erfurt auf dem Domplatz haben sie die frisch gekürte Band des Jahres im Frühling 2019 ebenso erlebt, wie nur einen Tag später in der Berliner Waldbühne.

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 Und sie waren selbstverständlich auch dabei, als die Kellys vor gut zwei Wochen bei Schlagervater Florian Silbereisen ihr diesjähriges Jubiläum einsangen. „Es ist für uns jedes Mal wieder ein großartiges Erlebnis, denn es ist die Musik, die uns seit unserer Jugend begleitet“, bekennt Gerd grinsend und verschwindet dann mit seiner Frau im Riesaer Gewimmel.

Blick auf die noch leere Bühne in der Sachsenarena. 
Blick auf die noch leere Bühne in der Sachsenarena.  © Catharina Karlshaus

Keine lange Anlaufzeit

Noch zehn Minuten, bis das Konzert beginnt. Die Sachsenarena ist bis auf wenige Plätze gut gefüllt. Die noch plappernden Menschen - vom sechsjährigen Kind bis zum Senior am Rollator ist alles vertreten - fiebern dem entscheidenden Moment entgegen.

Und der ist wie immer bei den Kellys eine lichtdurchflutete Punktlandung. Die Band, welche vor genau 25 Jahren ihren großen Durchbruch mit "Over the Hump" feierte, braucht keine Anlaufzeit. Wie es sich für ein harmonisches Beisammensein gehört, ist die Großfamilie samt Fans sofort ein Herz und eine Seele.

Kein Wunder auch! Ihretwegen sind sie schließlich hier. Christina und ihre zehn Jahre alte Tochter Antonia etwa. Der LED-Blumenkranz auf ihren Haaren wippt im Takt. Die Kamenzer Schülerin, die irgendwann mal die alten Kelly-CDs ihrer Mama gefunden hat, ist nicht die einzige mit diesem leuchtenden Bekenntnis zur "Originalträgerin" Patricia Kelly. Im Saal leuchtet es dank des florierenden Fanartikel-Verkaufs in der Vorhalle romantisch in rosa und weiß - Hippie-Feeling 2020.

Jasmin Preussker ist extra aus Beelitz (Brandenburg) angereist. Die 36-Jährige zählt zu den treuesten Fans im Riesaer Publikum.
Jasmin Preussker ist extra aus Beelitz (Brandenburg) angereist. Die 36-Jährige zählt zu den treuesten Fans im Riesaer Publikum. © Catharina Karlshaus

Ein Gefühl von scheinbarer Leichtigkeit, das ebenso zu verbinden scheint, wie jede Liedzeile. Die Kellys hauen einen bekannten Song nach dem anderen raus und die Masse jubelt. Man kennt sich, man schätzt sich, man will schon gar nicht aufeinander verzichten. „Es ist eine große Ehre für uns, das wir nach dem Tourneestart vor zwei Jahren heute Abend wieder in Riesa sein dürfen“, grüßt Patricia das Publikum und erntet frenetischen Beifall.

Ja, die Anekdoten der letzten Jahrzehnte erzählen sie und ihre Geschwister in den nächsten zweieinhalb Stunden auf ihre ganz eigene Weise. Mit ihren Hits singen sie sich in allen Tonarten durch Gestern und Heute - stets verbunden mit den Textsicheren zu ihren Füßen.

Chantal ist eine von ihnen. Ihrer Mama zuliebe ist die Riesaerin im Januar 2018 zum Auftakt der Deutschlandtournee in die Arena mitgekommen. Papa sei krank gewesen, einer hätte eben die Karte nehmen müssen. „Seitdem hab ich die Titel der Kellys immer auf den Kopfhörern! Sie sind einfach kultig und total positiv“, schreit die 18-Jährige gegen „Fire“ an und strahlt übers ganze Gesicht.

"Am Arsch der Welt hier, aber Ihr seid die Besten!"

Vielleicht ist es genau das. Dieses „total Positive“ durchwabert mit allen Farbreflexen, und jedem Akkord die brodelnde Arena. Die Straßenmusiker von nebenan, diese sympathischen Weltbürger, die so gar nicht wie ausgebuffte Profis der Branche wirken, machen für zwei Stunden das Leben irgendwie leichter. Ist es nicht das bunte? Das mit den Farben? Und jenes, was manchmal nachdenklich werden lässt, mit den kleinen und großen Kümmernissen? Das mit den Tränen, dem Lachen, zerberstendem Alltag und den wundervollen Wundern? 

Angelo, Jimmy, Joey, John, Paul, Kathy und Patricia erinnern singend, tanzend und musizierend in jeder Phase ihres Seins daran - und Riesa dankt es ihnen. „Ihr seid der Knaller! Am Arsch der Welt hier, aber Ihr seid die Besten“, ruft Patricia und niemand nimmt es der 50-jährigen Songschreiberin übel.

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Kurz vor 22 Uhr ist die Familie auf der Bühne dann restlos eins geworden mit der im Saal. Doch wie das bei solchen Treffen nun mal ist: wenn es am schönsten ist, sollte man gehen. Jimmy verabschiedet sich im Namen seiner Geschwister. Als er damals in Riesa in der Fußgängerzone spielte, habe er den fragenden Leuten nie darauf antworten können, wann sie alle zusammen wiederkämen. „Manchmal braucht es eben ein Wunder“, sagt Jimmy leise. Und hat an diesem Sonnabendabend vielleicht ein kleines Geheimnis gelüftet. Das Erfolgsrezept jener Familie, die man niemals eintauschen mag.

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