merken
PLUS

Kerbers Vorgängerinnen

Vor 14 Jahren spielte das deutsche Fed-Cup-Team in Dresden. Nun kommt es nach Leipzig – mit der Siegerin von Melbourne.

© Jürgen Lösels

Von Daniel Klein

Eine bessere Werbung gibt es nicht. Und keine kostengünstigere. Eine Viertelfinalpartie im Frauen-Mannschaftswettbewerb Fed Cup gegen die Schweiz ist ein Ereignis, das schnell mal untergehen kann zwischen all den Fußballspielen und Winterweltcups. Nun aber kommt am Wochenende neben Andrea Petkovic und Anna-Lena Grönefeld auch Angelique Kerber in die Messe nach Leipzig. Und damit die Sensationssiegerin der Australien Open.

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Der Medienauflauf wird größer sein als gewöhnlich. Was gut ist für die lange dahindarbende Sportart Tennis – und gut für den Standort Sachsen. Hochkarätige Wettbewerbe gab es hier in den vergangenen Jahren überhaupt nicht mehr, im Frauen-Tennis zuletzt 2004. Da endete die 14-jährige Geschichte des Leipziger Sparkassen-Cups, einen Grand Prix, den Steffi Graf maßgeblich unterstützte und fünfmal gewann. Neben ihr schlugen Martina Navratilova, Serena Williams und Anna Kournikova in der Messestadt auf, an Prominenz mangelte es dem Turnier nie, zuletzt aber am Geld und der Unterstützung. Grafs Rücktritt 1999 war ein erster Schlag, Leipzigs Aus bei der Olympia-Bewerbung 2004 dann das K.o. Zuletzt klagten die Veranstalter über ein Minus von 284 000 Euro.

Leipzig traf es aber nicht allein. Noch vor zwölf Jahren gab es in Deutschland sieben Grand-Prix-Turniere für Frauen, davon blieben lediglich noch Stuttgart und Nürnberg übrig. Auch daran lässt sich der Bedeutungsverlust einer Sportart ablesen.

Mit Kerbers Sieg in Melbourne soll es nun aber endgültig wieder aufwärtsgehen. „Boom ist ein großes Wort, aber Angies Sieg ist nachhaltig und geschichtsträchtig“, findet Teamchefin Barbara Rittner. Die 42-Jährige war als Spielerin mit der Fed-Cup-Mannschaft 2002 in Dresden zu Gast. Russland wurde 3:2 geschlagen. Eine Bewerbung für 2009 scheiterte, angeblich entsprachen die Sandplätze im Waldpark nicht den geforderten Normen.

Nun bekam Leipzig den Zuschlag, was vor allem daran liegt, dass dort ein Porsche-Werk steht und Rittners Mannschaft offiziell Porsche-Team Deutschland heißt. Da lässt sich einiges verbinden. Dennoch wird die Partie eine Ausnahme bleiben. „Wir im Osten haben keine potenten Großsponsoren, weil die Stammbetriebe im Westen sitzen“, begründet der Dresdner Peter Gorka, langjähriger Vizepräsident im deutschen Tennisbund, die Turnier-Schieflage zwischen den alten und neuen Bundesländern.

Die Fans in Sachsen mussten also lange warten auf hochkarätiges Tennis. Vielleicht sind deshalb alle Tickets seit Monaten weg – lange vor Kerbers Sensation.