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Kevin kommt bald nicht mehr allein nach Haus’

Das Sterben von Kindereinrichtungen macht auch um Oßling keinen Bogen. Waren es kürzlich zu wenig Fünftklässler für die Bildung einer Klasse in der Mittelschule Oßling, die eine Schließung befürchten lassen, fehlt jetzt das Geld zur Sanierung des Kindergartens im Ortsteil Weißig.

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Von Reinhard Kärbsch

Das Sterben von Kindereinrichtungen macht auch um Oßling keinen Bogen. Waren es kürzlich zu wenig Fünftklässler für die Bildung einer Klasse in der Mittelschule Oßling, die eine Schließung befürchten lassen, fehlt jetzt das Geld zur Sanierung des Kindergartens im Ortsteil Weißig. Zum Ende des Jahres sollen die Türen geschlossen werden, endgültig. Weißiger Eltern könnten dann die größere und deshalb auch kostengünstigere Oßlinger Einrichtung nutzen – oder sich anderweitig kümmern. Der heimische Kindergarten, 1952 durch Lottomittel und auch Elternleistung entstanden, ist mit etwa 20 Kindern durchaus ausgelastet. Und er sollte noch vor kurzem, so ein Gemeinderatsbeschluss, in zwei Raten saniert werden. Das alles wissen natürlich die Eltern der Jüngsten des Dorfes, die sich am Mittwochabend noch einmal in der Kita versammelten, die einst ihre Eltern mitbauten. Trauersitzung war gewissermaßen angesagt. Die Versammelten können sogar nachvollziehen, dass in der Gemeindekasse kein Geld mehr für das Haus liegt. Da lesen sie täglich in der Zeitung ganz andere Nachrichten über Geldmangel deutscher Kommunen.

Geld wieder einmal vor pädagogischer Weisheit

Außerdem hat sie Ortschaftratsvorsitzender Siegfried Noack über die kürzliche dreistündige kontroverse nichtöffentliche Debatte im Verwaltungsausschuss informiert, in der es allein um das Kita-Problem Weißig ging. Die Gemeinderäte seien sich durchaus bewusst, was da für eine schöne Einrichtung in Weißig stehe, so Noack.

Ärgerlich und traurig sind Eltern nicht allein über die Schließung, sondern weil offenbar vor allem der gesetzliche Entscheidungsrahmen, an denen auch kein Gemeinderat vorbeikommt, das Geld über pädagogische Weisheit und Erfahrung setzt. „Fortgesetzt wird auf Kosten der Jüngsten der Gesellschaft gespart“, meinte eine Mutti. Auch das macht traurig: Wieder erklärten sich Eltern bereit, beim Sanieren der Kita zu helfen, aber auf die Initiative wird offenbar kein Wert gelegt. Es handelt sich schätzungsweise und 7 bis 8 000 Euro, einem Viertel der ursprünglich geplanten Bausumme. Sie fragten schon Anfang Juli die Räte, ob darauf kein Wert gelegt wird? Jetzt müssen die Eltern andere Initiativen entwickeln. Silke Jess dachte schon mal laut über Konsequenzen nach, weil ihre Zwillinge Steven und Kevin nun nicht mehr allein nach Hause kommen können: selbst fahren, eine Kinderfrau anstellen, die Kinder anderen anvertrauen... Und: „Es kommen weitere Belastungen auf die Familien zu.“