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Warum ein Pendler ohne Auto dasteht

Detlef Fiedler aus Oderwitz arbeitet in Österreich. Deshalb sollte sein Sohn das neue Auto zu Hause anmelden. Doch das ist schwieriger als gedacht.

Blick in die Kfz-Zulassungsstelle des Landkreises in Görlitz.
Blick in die Kfz-Zulassungsstelle des Landkreises in Görlitz. © Foto: Nikolai Schmidt / nikolaischmidt.de

Detlef Fiedler hat es sich so einfach vorgestellt: Er schickt seinem Sohn eine Kopie seines Personalausweises und eine formlose Vollmacht und damit kann der sein neues Auto anmelden. Die Zulassungsstelle des Landkreises Görlitz wollte sich aber nicht mit einer Ausweis-Kopie zufrieden geben, sondern verlangte das Original-Dokument. Auch eine formlose Vollmacht reiche nicht aus. Vielmehr müsse ein amtlicher Vordruck ausgefüllt und unterschrieben vorgelegt werden, erklärten die Behördenmitarbeiter seinem Sohn.

Leichter gesagt als getan: Detlef Fiedler arbeitet in Österreich und kommt nur alle zwei Wochen für ein paar Stunden nach Hause. In der Regel zu einer Zeit, wo die Zulassungsstelle geschlossen ist. Der Oderwitzer kann deshalb seinen Chevrolet nicht selber anmelden und hatte damit eben seinen Sohn beauftragt. Der hatte umgehend online einen Termin vereinbart. Gleichzeitig informierten sie sich auf der Webseite des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC), was bei der Anmeldung eines Kfz durch eine beauftragte Person vorgelegt werden muss. Laut ADAC ist nur eine Kopie des Personalausweises und eine Vollmacht erforderlich.

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Und so suchte Detlef Fiedlers Sohn mit genau diesen Dokumenten die Zulassungsstelle auf. Noch am selben Tag hätte er seinem Vater die Nummernschilder nach Österreich geschickt - so war es zwischen den Beiden zumindest ausgemacht. "Am Samstag oder vielleicht sogar schon am Freitag wären sie bei mir gewesen", sagt der Oderwitzer, der bei der Firma Bernegger in Molln (Oberösterreich) arbeitet.

Merkblatt auf Kreis-Webseite

Welche Dokumente erforderlich sind, hätte Detlef Fiedler auch beim Blick auf die Webseite des Landkreises Görlitz gesehen. Unter der Rubrik "Kfz-Zulassung" findet sich ein Merkblatt mit den vorzulegenden Dokumenten. Hier ist auch das Formular für die Vollmacht hinterlegt. In dem Merkblatt wird darüber informiert, dass der Personalausweis oder ein Reisepass mit aktueller Meldebestätigung vorgelegt werden muss.

Im Landratsamt kann man die Aufregung um die missglückte Kfz-Anmeldung nicht nachvollziehen. Kreissprecherin Franziska Glaubitz verweist auf ein Dokument des ADAC, in dem explizit auf den originalen Ausweis verwiesen wird. An diesem Merkblatt hängt  auch eine vollständige Vollmacht, die Detlef Fiedler hätte ausfüllen können. Tatsächlich finden sich unterschiedliche Informationen des Automobilclubs. Während auf dem ADAC-Merkblatt, auf dass auch der Landkreis bei seiner Recherche gestoßen ist, von einem Originalausweis die Rede ist, wird unter der Rubrik "Rund ums Fahrzeug - Kfz-Zulassung" nur von einer Kopie des Ausweises gesprochen, die bei einer Ummeldung notwendig sei. 

Es reiche, so weist Franziska Glaubitz hin, auch eine formlose Vollmacht, die allerdings eine Einverständniserklärung beinhalten müsse, dass dem Bevollmächtigten mitgeteilt wird, ob Rückstände der Kfz-Steuer oder von Gebühren und Auslagen bei der Zulassungsbehörde bestehen. Darüber hinaus ist zu kennzeichnen, dass der Antragsteller die Hinweise zum Datenschutz zur Kenntnis genommen hat. Aus diesem Grund empfiehlt die Kreissprecherin auch, das zur Verfügung gestellte Formular "Vollmacht" des Landkreises zu nutzen.

Da die Kfz-Zulassung aktuell keinen direkten Zugang zum sächsischen Melderegister habe, müsse somit die aktuelle Wohnanschrift mit dem originalen Ausweis oder mit einem Reisepass und aktueller Meldebescheinigung nachgewiesen werden, begründet Franziska Glaubitz die Vorlage eines Originalausweises. "Bei einer einfachen Kopie des Ausweises, kann man das Erstellungsdatum leider nicht erkennen", erklärt die Kreissprecherin und fügt hinzu: "Bei einer beglaubigten Kopie wäre es wiederum möglich."

Mehrere Tage ohne Ausweis unterwegs

Seinen Personalausweis könne er ja nicht einfach zum Sohn schicken, meint Detlef Fiedler. Er wäre dann mehrere Tage ohne Ausweis unterwegs. "Was soll ich denn der österreichischen Polizei sagen, wenn sie mich dann anhält", sagt der Oderwitzer.

Er hat nun aber noch ein viel größeres Problem: Sein Chevrolet ist nicht mehr zugelassen. Das Kurzzeitkennzeichen, das er beim Kauf vom Autohändler bekommen hat, ist inzwischen abgelaufen. Und Detlef Fiedler wollte eigentlich die nächsten Tage mal nach Linz und auch nach Tschechien, die österreichisch-tschechische Grenze ist etwa 120 Kilometer entfernt, fahren. Auch nach Hause kommen kann er vorerst nicht - so lange sein Wagen nicht angemeldet ist.

In Österreich zulassen könne er das Fahrzeug auch nicht, sagt Detlef Fiedler. Denn hier ist er nur mit Nebenwohnsitz angemeldet. Also bleibt aus seiner Sicht nur die Möglichkeit, doch für einige Tage auf den eigenen Ausweis zu verzichten, in der Hoffnung, in dieser Zeit nicht kontrolliert zu werden. Sein Sohn will auch erst dann einen neuen Termin in der Zulassungsstelle vereinbaren, wenn alle notwendigen Dokumente vorliegen.

Landratsamt wieder für Besucherverkehr geöffnet

Detlef Fiedlers Sohn könnte auch ohne vorherige Online-Anmeldung zur Kfz-Zulassungsstelle gehen. Denn diese wie auch das Servicebüro im Landkreis sind seit 18. Juni unter Berücksichtigung verschiedener Hygienevorgaben wieder für den Besucherverkehr geöffnet. Ohne Termin müsste er dann allerdings mit einer längeren Wartezeit rechnen. Die Wartezeiten betragen an allen Standorten zwischen einer halben und eineinhalb Stunden, wie Kreissprecherin Julia Bjar mitteilt.

Eine andere Möglichkeit bliebe Detlef Fiedler aber auch noch: Der Chevrolet wird einfach auf seinen Sohn angemeldet. Der kann dann seinen Personalausweis problemlos vorlegen und braucht keine Vollmacht. So abwegig findet der Oderwitzer diese Idee gar nicht.

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