merken

Khaled B. wird in Berlin bestattet

Die Leiche des vergangene Woche getöteten Asylbewerbers wird nach muslimischem Brauch im Tuch beigesetzt.

Die Leiche des vergangene Woche getöteten Asylbewerbers Khaled B. wird am Sonnabend in Berlin beigesetzt. Das sagte Andrea Hübler von der Opferberatung RAA Sachsen. Khaleds Familie sei es wichtig gewesen, dass der junge Mann nach strenger Auslegung des muslimischen Glaubens beerdigt wird – im Tuch und ohne Sarg. Das sei nach der sächsischen Friedhofsordnung im Freistaat jedoch nicht möglich. Zunächst war ein Grab auf dem Heidefriedhof im Gespräch, dort gebe es einen Bereich für Muslime. Etwas Erde im Sarg solle die Erdverbundenheit symbolisieren. Streng Gläubigen genüge das manchmal nicht, sagte Andrea Hübler.

Auf dem Landschaftsfriedhof Gatow in Berlin-Spandau können Muslime ohne Sarg beigesetzt werden, nur im Tuch. Am Samstag, 12 Uhr, findet die Beerdigung statt. Flüchtlinge, Mitarbeiter von RAA und anderen Dresdner Einrichtungen, die sich um Migranten kümmern, werden daran teilnehmen. Erwartet werden auch einige Angehörige von Khaled, mehrere Onkel und ein Cousin.

Anzeige
Drei Top-Angebote bei Möbel Höffner

Die Highlights für Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer: Wir stellen Ihnen die neuesten Trends für das Leben in den eigenen vier Wänden vor.

Khaled B. stammt aus Eritrea. Nach Informationen von RAA sei er im Sudan aufgewachsen. Dorthin sei die Familie vor etwa 16 Jahren nach dem Tod von Khaleds Vater geflohen. Gemeinsam mit einem Cousin sei Khaled dann nach Europa geflüchtet – über die Sahara, Libyen, per Boot übers Mittelmeer. Sein Cousin habe die Überfahrt nicht überlebt. Im Sommer sei er in Deutschland angekommen. Nach einem Monat in Schneeberg wurde er mit anderen Afrikanern nach Dresden zugeteilt. Zusammen mit sieben Asylbewerbern lebte Khaled seit September in einer Vier-Raum-Wohnung in der Johannes-Paul-Thilman-Straße in Leubnitz-Neuostra.

Am Montagabend wurde er nach bisherigen Ermittlungen der Polizei von einem Mitbewohner bei einem Streit erstochen. Der Verdächtige, ein 26-Jähriger aus Eritrea, sitzt seit Donnerstag in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird wegen Totschlags ermittelt. Anlass für den Streit waren „häusliche Pflichten“, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Der 26-Jähige hat die Tat gestanden. Man stehe mit den Ermittlungen jedoch noch am Anfang. (lex)