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Kiebitz, Rebhuhn und Feldlerche brauchen Hilfe

Seit 2009 gibt es in Sachsen ein Projekt zum Bodenbrüterschutz. Das läuft am Jahresende aus. Wie es danach weiter geht, ist offen.

Von Sven Görner

Sonne, strahlend blauer Himmel und über dem frischen Grün auf den Feldern schallt der Lerchengesang. Idylle pur. Oder? Der Anlass, der Sachsens Umweltminister Frank Kupfer nach Bärwalde kommen lässt, zeigt, dass das schöne Bild trügerisch ist.

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Der Gesang der Feldlerche ist hier in der Region noch über vielen Feldern zu hören. Doch auch ihr Bestand ist bedroht.
Der Gesang der Feldlerche ist hier in der Region noch über vielen Feldern zu hören. Doch auch ihr Bestand ist bedroht.
Ein Kiebitz-Altvogel mit drei Jungtieren. Bereits im Jahr 1996 war der Kiebitz Vogel des Jahres. Seit dem ist sein Bestand weiter zurückgegangen. In Sachsen gehört das Moritzburger Kleinkuppengebiet zu den Verbreitungsschwerpunkten dieser Bodenbrüter. Fot
Ein Kiebitz-Altvogel mit drei Jungtieren. Bereits im Jahr 1996 war der Kiebitz Vogel des Jahres. Seit dem ist sein Bestand weiter zurückgegangen. In Sachsen gehört das Moritzburger Kleinkuppengebiet zu den Verbreitungsschwerpunkten dieser Bodenbrüter. Fot

Denn obwohl die Feldlerche in der Region oft zu hören ist, hat sich ihr Bestand in Sachsen stark verringert. Nach der aktuellen Brutvogelkartierung – diese stammt allerdings schon von 2004/07 – gibt es noch 80 000 bis 160 000 Brutpaare. Mitte der 1990er Jahre wurden noch 100 000 bis 160 000 gezählt.

Besorgniserregende Entwicklung

Noch besorgniserregender ist die Entwicklung bei zwei anderen Bodenbrüterarten: dem Kiebitze und dem Rebhuhn (siehe Info-Kasten). Vor allem letzteres ist fast ganz aus der Landschaft verschwunden. Um diesen Trend zu stoppen, beschloss der Sächsische Landtag Ende 2008 ein sogenanntes Bodenbrüterprojekt. Es hat das Ziel, den Zustand lokaler Vorkommen zu verbessert, vor allem aber sollen Schutzmaßnahmen entwickelt und erprobt werden.

Der Minister zog bei seinem Besuch eine Bilanz diese Pilotprojektes, das zum Jahresende auslaufen wird. Dass er dafür nach Radeburg kam, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen gibt es in der Moritzburger Kleinkuppen- und Teichlandschaft wichtige Rückzugsgebiete dieser drei bedrohten Arten. Zum anderen konnten hier gleich mehrere Landwirtschaftsbetriebe als Partner für das Projekt gewonnen werden.

Einer davon ist der Bärwalder Christian Damme. Bereits das fünfte Jahr hat er auf seinem Acker in einer vernässten Mulde auf 2,4 Hektar Größe sogenannte Kiebitzinseln angelegt. Dort verzichtet der Landwirt auf eine Aussaat, um den Vögeln die offene Landschaft zu bieten, die sie zum Brüten und zur Aufzucht ihrer Jungen brauchen. Durch das Trockenlegen von Wiesen, immer kleiner werdenden Flächen mit Sommergetreide und der Zunahme des Anbaus von Mais und Raps ist der Lebensraum der Bodenbrüter in den vergangenen Jahren immer weiter eingeengt worden.

Für den mit dem Projekt verbundenen Ertragsausfall und Mehraufwand erhalten Damme und die anderen 55 Betriebe eine Entschädigung. Insgesamt waren das von 2009 bis 2012 nach den Worten von Minister Kupfer 230 000 Euro. Auf 1 296 Hektar konnten so in ganz Sachsen Maßnahmen zum Bodenbrüterschutz durchgeführt werden. Flächendeckende Vergleichszahlen, die etwas über den Erfolg des Projektes aussagen könnten, gibt es nicht. Was nicht zuletzt auch daran liegt, dass die letzte Brutvoglekartierung 2004/07 erfolgte.

Raum Moritzburg: Zahlen konstant

Die Zahlen für den Raum Moritzburg weisen zwischen 2009 und 2012 indes eine gewissen Konstanz aus. Im Durchschnitt wurden hier um die 20 Kiebitz-Brutpaare gezählt. In Bärwalde ist dagegen trotz der geförderten Maßnahmen ein Rückgang von neun Paaren im Jahr 2009 auf drei bis vier im Vorjahr zu verzeichnen. Aktuell sind es fünf.

Jan-Uwe Schmidt von der Sächsischen Vogelschutzwarte Neschwitz e.V. , der das Projekt im Direktionsbezirk Dresden betreut, weist zudem darauf hin, dass lediglich fünf bis zehn Prozent des Kiebitz-Bestandes auf den angelegten Inseln brütet.

Etwas leichter ist da schon die Hilfe für die Feldlerche. Schmidt: „Für sie reichen schon zwei jeweils 20 Quadratmeter große Fenster auf einem Hektar Acker, um ihren Bestand an diesem Ort zu verdreifachen.“ Wesentlich schwerer sei es dagegen, Lebensräume für das Rebhuhn zu schaffen, da es nicht nur in der Brutzeit sondern das ganze Jahr über ein Mosaik aus verschieden strukturierten Flächen benötigt.

Flächen langfristig sichern

Das jetzige Programm des Freistaates läuft zum Jahresende aus. Was Sachsen in den nächsten Jahren für den Schutz und Erhalt von Kiebitz, Rebhuhn und Co. machen kann, hängt vor allem davon ab, welchen Förderahmen die EU für die nächsten Jahre vorgibt.

Ziel sei es, Flächen künftig langfristig zu sichern, so der Minister. „Die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und sie werden uns helfen, künftige Naturschutzmaßnahmen gezielt auszugestalten“, sagte Kupfer weiter.