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Zittau

Kieferbruch und Gehirnerschütterung

Vier Jugendliche haben sich vor Gericht wegen Schlägereien beim Zittauer Specatculum, bei der O-See Challange, bei Kaufland, beim Filmpalast und mehr verantworten müssen.

Das Amtsgericht in Zittau
Das Amtsgericht in Zittau ©  Matthias Weber (Archiv)

Es ist eine ganze Latte von Straftaten gewesen, wegen denen sich vier junge Männer aus Zittau am Donnerstag vor dem Amtsgericht verantworten mussten. Alle waren zum Zeitpunkt der Straftaten noch minderjährig. Drei Anklageschriften mit noch mehr Delikten verlas Staatsanwalt Rochus Gun.

Demnach erspähten die vier im Dezember 2018 auf dem Kaufland-Parkplatz an der Christian-Keimann-Straße einen jugendlichen Araber, mit dem sie schon mehrfach Konflikte hatten. Es kam zu verbalen Auseinandersetzungen, dann zu Schlägen und zum Einsatz von zwei Elektro-Schockern gegen das Opfer. Am nächsten Tag trafen die beiden Gruppen in den Parkanlagen am Ring erneut aufeinander. Die Angeklagten jagten den jungen Ausländern, aber dieser konnten fliehen.

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Zwei der Beschuldigten waren geständig, die beiden anderen räumten zwar ein, dabei gewesen zu sein, aber sich nicht beteiligt zu haben. Das deckte sich mit der Aussage des Geschädigten. Gegen sie wurde das Verfahren deshalb eingestellt. Außerdem war bei der Beweisaufnahme klar geworden, dass der Geschädigte selbst mit einem Schlagring bewaffnet war, diesen zwar nicht einsetzte, aber selbst den ersten Schlag führte. So verfolgte das Gericht diese Straftaten auch bei den anderen beiden Angeklagten nicht weiter.

Im Kino-Durchgang von hinten angegriffen

Während des Spectaculums am 29.Mai 2019 verletzten die verbliebenen beiden Angeklagten einen jungen Zittauer, schlugen mit Fäusten auf ihn ein, auch, als er schon am Boden lag. Er erlitt eine Gehirnerschütterung und ein Brillenhämatom. Er sei im Durchgang des Filmpalastes von hinten angegriffen worden, sagte der Geschädigte. Man habe ihm fälschlicherweise vorgeworfen, eine Bekannte des Schlägers vergewaltigt zu haben. 

Im Juni gleichen Jahres gab es einen Zusammenstoß zwischen dem Hauptangeklagten und einem ehemaligen Kumpel an der Skaterbahn in Zittau-Ost. Der Angeklagte schlug dabei so kräftig mit der Faust zu, dass der Kiefer des Opfers brach. Er musste operiert werden und trägt seither eine Kieferplatte. Zu den Gründen sagte der Schläger, er habe erfahren, dass der Ex-Freund sich an seiner Freundin vergriffen habe. Deshalb habe er sich rächen wollen.

Erst später erfuhr er, dass die Affäre freiwillig gewesen war. Diese Anklageschrift enthielt auch zwei Fälle des Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Darüber hinaus ging es noch um einen Zwischenfall im August 2019 während der O-See Challenge. Kurz nach Mitternacht war des Angeklagte mit einem einem anderen jungen Mann in Streit geraten. Ein Dritter mischte sich ein und versuchte, zu schlichten. Mehrfache Aufforderungen, das zu lassen, ignorierte er. So bekam er einen Faustschlag ins Gesicht und blieb bewusstlos liegen.

Eine tätliche Auseinandersetzung am Olbersdorfer See stand auch im Mittelpunkt der dritten Anklageschrift. Der Angeklagte hatte im Juni 2019 einen weiteren Mann zu Boden geworfen und auf dessen Kopf eingeschlagen, bis er von Passanten gebändigt wurde. Auch diese Tat räumte der Mann ein.

Hauptangeklagter musste nicht in Arrest

Staatsanwalt Gun forderte für den Angeklagten, der nur an den Auseinandersetzungen mit dem Araber beteiligt war, auf Anregung der Jugendgerichtshilfe, dass er einen Täter/Opfer- Ausgleich machen und dem Opfer 150 Euro Schmerzensgeld zahlen soll. Für den zweiten, den Haupttäter, forderte er einen Jugendarrest von zwei Wochen und die von der Jugendgerichtshilfe angeregte Teilnahme am einwöchigen Kurs „Pilgerweg“. Der Verteidiger hatte keine wesentlichen Einwände dagegen.

Auch das Gericht folgte weitestgehend den Anträgen, obwohl die beiden jungen Männer zwar noch nie vor Gericht gestanden, aber schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen waren. Allerdings muss der Hauptangeklagte nicht in Arrest. Richter Holger Maaß verurteilte ihn stattdessen ebenfalls zu einen Täter/Opfer-Ausgleich und zur Zahlung von je 100 Euro an die Geschädigten. Außerdem sprach ihm das Gericht eine Verwarnung aus. 

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