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"Lass mich in Ruhe!"

Es passiert immer wieder: Fremde sprechen Kinder an. Das macht allen Angst. Wie diese Angst und die Fremden zu besiegen sind.

© Aktion Zivilcourage

Das siebenjährige Mädchen in Heidenau am Mittwoch hat alles richtig gemacht. Es hat sich von dem fremden Mann, der sie auf dem Schulweg angesprochen und am Arm gefasst hatte, losgerissen und ist weggerannt. Trotzdem sitzt der Schrecken tief. Bei dem Kind, den Eltern, Lehrern und vielen anderen. Was können sie tun, um Kinder auf solche Situationen vorzubereiten? Die Aktion Zivilcourage hat ein Projekt "Couragierte Kinder", das sich genau solchen Fällen widmet und sich an Pädagogen ebenso wie an Kinder richtet. Seit 2017 werden Kinder stark gemacht. Allein im vergangenen Jahr nahmen 540 Kinder an dem Projekt teil, das nun auf ganz Sachsen ausgeweitet werden soll. Wie es funktioniert und konkret hilft, erklärt Leiterin Ilona Weidner.

Was raten Sie im aktuellen Fall von Heidenau den Eltern, Kindern und Lehrern?

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Was in Heidenau geschehen ist, war in Form und Ausmaß ein unvorhersehbares und plötzliches Ereignis. In solchen Situationen handelt jeder Mensch anders. Dabei wird auf Bewältigungsmuster zurückgegriffen, die sich schon bewährt haben. Jeder Mensch entwickelt dabei aufgrund seines Alters und seiner Lebenserfahrung unterschiedliche Lösungsstrategien. Da gibt es also kein passendes Rezept. Wichtig ist, unsere Kinder auf solche, möglichen Situationen vorzubereiten und sie zu ermutigen, sich in solchen Situationen zu wehren. Sie sollen wissen, dass es in Ordnung ist, Erwachsenen gegenüber zum Beispiel laut und deutlich zu schreien: „Lass mich in Ruhe!“, zu versuchen wegzulaufen und nach Hilfe zu rufen. In Heidenau ist das gut ausgegangen und es geht nun vor allem um den Schutz und die Sicherheit der Kinder und Pädagogen.

Was fällt Kindern in solchen Situationen am schwersten, wovor haben sie die größte Angst?

Angst entsteht, wenn ich vor einer Situation oder Herausforderung stehe, die mir fremd ist und ich nicht in der Lage bin, mein Wissen und meine Erfahrungen einzusetzen, um die Situation zu bewältigen. Angst kann lähmend wirken, aber auch dafür sorgen, dass in dem Moment intuitiv genau das Richtige getan wird. Und: Es ist normal, Angst zu haben. Hat ein Kind also Angst, sollte es damit zuerst ernst genommen werden. Sätze wie: “Du brauchst doch keine Angst zu haben!“ werten ab und lassen keine Lösung zu. Angst ist ein überlebenswichtiges Gefühl, was man nicht einfach ausschalten kann. Hier kann man unterstützen, indem man mit dem Kind über dessen Angst spricht. Man kann zusammen überlegen, was getan werden kann, damit das Kind aus der Angstsituation heraustreten kann und damit für eine neue, positive Erfahrung sorgen.

Was bedeutet couragiert für Sie und in Ihrem Projekt?

Couragiert sein bedeutet für mich, aufmerksam für die Menschen aus meinem Umfeld zu sein und Empathie für mein Gegenüber zu entwickeln. Das heißt, ich finde ein Gleichgewicht zwischen der Erfüllung meiner Bedürfnisse und dem Miteinander in der Gemeinschaft. Couragiert sein heißt, sich dafür zu engagieren, meinen Mitmenschen motivierende und positive Erfahrungen zu ermöglichen. Es bedeutet, dass ich in der Lage und mutig genug dazu bin, jemanden meine Hilfe und Unterstützung anzubieten, wenn dieser es besonders braucht. Couragiert sein ist, auch dem anderen angemessen meine Gefühle zuzumuten und ihn mit meinen Bedürfnissen zu konfrontieren. Es bedeutet aber auch, selbstbewusst und offen für neue oder unbekannte Wege zu bleiben und dabei mit Fehlern leben zu können.

Wie sieht das Projekt praktisch aus?

Die Angebote des Projektes richten sich an Pädagogen sowie Kinder in Kitas, Horten und Grundschulen. Je nach Bedarf, Interesse und Situation werden Themen wie  Umgang mit Mobbing, Diskriminierung, Konflikten oder Stress behandelt. Dabei werden viele praktische Übungen gemacht, zum Beispiel, um die Kooperation oder Selbstwahrnehmung zu fördern, die Sozialkompetenzen zu stärken und Konflikte und Stress zu bewältigen. In den Kindertrainings geschieht das spielerisch und dem Alter der Kinder entsprechend. Pädagogen erhalten praxisnahe Unterstützung und bekommen erprobte Werkzeuge an die Hand. Mit den Einrichtungen wird langfristig und präventiv zusammengearbeitet. 

Mit wem arbeiten Sie zusammen?

Seit 2017 arbeiten wir mit Kindertagesstätten, Schulen und Horten im gesamten Landkreis Sächsische Schweiz Osterzgebirge zusammen. Da die Anfrage hoch ist, werden wir in naher Zukunft unsere Angebote auf ganz Sachsen ausweiten. Einrichtungen im ländlichen Raum liegen uns dabei besonders am Herzen. Allein im vergangenen Jahr haben wir mit unseren Sozialkompetenztrainings 16 Einrichtungen und über 540 Kinder erreicht.

Wer kann an dem Projekt "Couragierte Kinder" teilnehmen?

Vorrangig richtet es sich an Pädagogen und Kinder und entsprechende Einrichtungen, wie eben Kitas und Schule. Wer Interesse an dem Training hat, wendet sich am besten an www.aktion-zivilcourage.de. Es wird dann ein erster Gesprächstermin vereinbart, bei dem alles Weitere besprochen wird. 

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