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Kind fällt aus Kita-Fenster

In einer Freitaler Kita ist gestern ein Mädchen aus einem Fenster in einem oberen Stockwerk gestürzt. Zu den Umständen ermittelt die Polizei.

© SZ/Martin

Von Sebastian Martin und Matthias Weigel

Der Schock bei Kindern, Eltern und Erziehern sitzt tief. In der Kita Schatzinsel auf der Schachtstraße ist gestern passiert, was eigentlich nicht passieren darf: Gegen 15 Uhr ist ein Kind aus einem Fenster in einem oberen Stockwerk gefallen. Wie Augenzeugen berichten, habe das Kind am Kopf und im Gesicht stark geblutet. Das Personal habe sofort mit Erste-Hilfe-Maßnahmen begonnen. Der Rettungsdienst und der Rettungshubschrauber wurden umgehend angefordert und das Kind mit dem Helikopter in eine Dresdner Klinik gebracht, so die Aussagen.

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Die Polizei bestätigt den Unfall auf Anfrage. Laut Sprecherin Jana Ulbricht habe es sich um ein dreieinhalb Jahre altes Mädchen gehandelt. Über die schwere der Verletzungen hatte die Polizei gestern keine weiteren Informationen vorliegen. Auch in den Krankenhäusern gibt es keine Aussagen – Datenschutz. Nach unbestätigten SZ-Informationen war das Mädchen aber bei Bewusstsein und ansprechbar gewesen.

Anderthalb Stunden nach dem tragischen Unfall herrscht in der Kita Schatzinsel Totenstille. Die meisten der betreuten Kinder im Alter von ein bis sieben Jahren wurden bereits abgeholt. Die Polizei ist vor Ort. Im Kellergeschoss sitzt die Kita-Leiterin. Sie ist sichtlich fertig und ringt mit der Fassung. Der Sächsischen Zeitung kann sie gestern keine Auskunft geben. Dafür tritt der Geschäftsführer der DRK Freital Kinder- und Jugendhilfe gGmbH, die die Kita Schatzinsel im Stadtteil Döhlen betreibt, vor die Presse. „Das Einzige, was ich zum jetzigen Zeitpunkt sagen kann, ist, dass der Fenstersturz passiert ist.“

Zu den Aussagen von Augenzeugen, dass das Mädchen aus dem zweiten Obergeschoss stürzte, äußerte sich Schindler nicht – wie auch prinzipiell nicht zu Fragen nach dem Unfallhergang. Wie alle im Keller versammelten Mitarbeiter wirkt auch der groß gewachsene Mann mit der kräftigen Statur sichtlich bestürzt. „Wir stehen unter Schock“, sagt der Geschäftsführer und bittet um Verständnis. Jetzt müsse er sich erst einmal um die psychologische Nachsorge der Mitarbeiter kümmern und über den Gesundheitszustand des Mädchens informieren.

Kriminalpolizei ermittelt

Zu den Polizeibeamten des hiesigen Reviers wird am späteren Nachmittag auch die Kriminalpolizei stoßen und die Ermittlungen zu den Umständen des Unfalls übernehmen. Vorschnelle Urteile lasse das nicht zu, sagt Polizeisprecherin Ulbricht. Dass die Kripo kommt, sei in solchen Fällen Routine. „Wir müssen da schon genau untersuchen.“ Mit Ergebnissen und weiteren Informationen für die Öffentlichkeit sei aber frühestens heute zu rechnen, betont die Polizei. Wenn überhaupt. Mit Sicherheit wird sich auch die Staatsanwaltschaft für den Fall interessieren.

Unterdessen haben sich kurz nach dem Unfall besorgte Eltern an die SZ gewandt. Sie stellen die unvermeidlichen Fragen: „Wie ist das möglich. Wie kann so etwas passieren?“ Abschließende Antworten werden sie darauf vorerst aber keine finden. DRK-Mann Ralf Schindler hatte sich verständlicherweise gegen voreilige Schlüsse, Spekulationen und Vorverurteilungen, was beispielsweise die Erfüllung der Aufsichtspflicht seitens der Erzieher betrifft, verwehrt – man müsse die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten. „Wir werden die Ermittlungen der Polizei nach Kräften unterstützen“, erklärte Schindler.

Dass an dem Gebäude etwas nicht stimme oder defekt gewesen sei, wollte Freitals Sozialbürgermeister Mirko Kretschmer-Schöppan (parteilos), der sich von der Unfallnachricht ebenfalls geschockt zeigte, gestern nahezu ausschließen. Das Haus, ein typischer DDR-Plattenbau aus den 1960er-Jahren, gehört der Stadt und war zwischen 2011 und 2013 grundlegend und nach neuesten Richtlinien saniert und angebaut worden. „ Und das wurde ja auch alles sehr streng und bis ins kleinste Detail von Landesjugendamt oder Unfallkasse abgenommen“, versichert er. Kompromisse oder Zugeständnisse habe es bei den zahllosen Abnahmen keine gegeben. „Das ist alles sauber gelaufen“, betont Kretschmer-Schöppan.

Für die Einrichtung mit 98 Kindergarten und 32 Krippenplätzen steht heute ein schwerer Tag bevor. Nach dem schweren Schock und mit den viele offenen Fragen muss man erst wieder zum fröhlichen Kita-Alltag zurückfinden.