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Kind verbrüht: Hat der Babysitter Schuld?

Ein Löbauer betreute zwei Mädchen im Auftrag der Mutter, als der Unfall passierte. Doch zum Arzt ging's erst einen Tag später. Nun landete der Fall vor Gericht.

Symbolbild
Symbolbild © Symbolbild: dpa

Verletzung der Fürsorge und Erziehungspflicht: Diesem Vorwurf war jetzt ein 24-jähriger Löbauer ausgesetzt, der vor dem Zittauer Amtsgericht stand. 

Der Grund: Am 30. April 2018 erhielt der Angeklagte von der Kindesmutter den Auftrag, ihre beiden Töchter in der Wohnung zu betreuen. Während er sich um das Kleinstkind kümmerte, schüttete im Nachbarzimmer das 21 Monate alte zweite Mädchen einen Becher heißen Cappuccino um und verbrühte sich dabei. Der Angeklagte rief daraufhin die Mutter an. Diese riet, die verbrühten Stellen zu kühlen. Als sie eintraf, suchte man jedoch keinen Notarzt auf. Das passierte erst auf Drängen der Großmutter am nächsten Tag.

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Außer den Kindern sei der damalige Freund der Kindesmutter in der Wohnung gewesen, berichtete der behinderte Angeklagte nun. Vermutlich habe dieser den Cappuccino in der Wohnstube aufgebrüht. Er hörte nach eigenen Angaben ein Schreien, eilte hinzu, sah die umgestürzte Tasse sowie die braunen Flecken - nur der Freund war weg. Als der 24-Jährige die Rötung am Arm und der Brust des Mädchens bemerkte, rief er die Mutter an, begann auf deren Rat hin zu kühlen und setzte das Kind in die Badewanne. Die Rötung breitete sich jedoch aus. Er versuchte laut seiner Aussage nochmals, die Mutter zu erreichen, doch ohne Erfolg. Vor dieser habe er echt Angst, denn sie sei oft sehr impulsiv und sogar aggressiv gewesen.

Als Zeuge kam auch die Oma der Mädchen zu Wort. Diese war am nächsten Tag in der Wohnung, nachdem die Tochter sie anrief. Weil diese wohl keine Zeit gehabt hätte, einen Notarzt aufzusuchen, sorgte sie nun dafür. Dieser stellte Verbrühungen zweiten Grades fest. Eine längere Nachsorge schloss sich an. Über den Angeklagten könne sie nichts Schlechtes sagen, räumte die Zeugin ein. Er habe sich öfter um die Kinder gekümmert, sei eigentlich zuverlässig und hilfsbereit. Ihrer abwesenden Tochter bescheinigte sie hingegen rüde Umgangsformen und Aggressivität.

Der Betreuer des Angeklagten verwies darauf, dass dieser schon früh eine Lernschwäche zeigte. Nun gehe er oft davon aus, Probleme als gelöst zu betrachten, wenn er sie gegenüber anderen angesprochen habe. So sei er wahrscheinlich auch nicht in der Lage gewesen, das ganze Ausmaß der Verletzungen des Mädchens richtig einzuschätzen. Er nehme die Realität nicht voll wahr. Er habe einfach angenommen, mit dem Kühlen der Wunden sei alles getan. 

Dieser Meinung schlossen sich auch die Staatsanwältin und der Vorsitzende an. Der Angeklagte habe auf jeden Fall versucht, dem Mädchen zu helfen, die möglichen schlimmen Folgen der Verbrühung nicht absehen können. Hinzu käme seine Angst vor der Kindesmutter. Deren Untätigkeit bis zum nächsten Tag sei allerdings nicht zu entschuldigen. Im gegenseitigen Einvernehmen fasste das Gericht den Beschluss, das Verfahren gegen den Babysitter einzustellen.                   

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