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Kinder begeben sich auf eine Reise in den eigenen Körper

Yoga ist seit vielen Jahren das Hobby von Christina Neubert. Jetzt macht sie es zum Beruf, um ihr Wissen möglichst vielen Leuten weitergeben zu können.

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Von Susan Ehrlich

Der siebenjährige Richard liegt bäuchlings auf einer ausgerollten flachen Matte auf dem Fußboden und atmet geräuschvoll ein. Dann pustet er durch die Nase, bis das kleine gelbe Plastikei ein paar Zentimeter den Boden entlangrollt. Durch den Raum klingt sanfte Musik, und der Duft von Apfeltee hängt in der Luft. „Gut. Franziska, jetzt bist du dran“, sagt da Christina Neubert. Seit vorigem Jahr ist die Görlitzerin ausgebildete Yogalehrerin, gibt Kurse für Erwachsene – und seit knapp einem Jahr auch für Kinder. Nun möchte die 47-Jährige ihr bisheriges Hobby zum Beruf machen.

Den Körper kennenlernen

„Jeder geht mal zum Friseur, geht zum Tanzen oder sonstwohin – aber wer geht schon ab und zu hinein in seinen eigenen Körper?“, fragt Christina Neubert. Sie selbst kennt ihren Körper genau, weiß, worauf er wie reagiert, worauf sie achten muss, um sich wohlzufühlen. Denn Christina Neuberts Leidenschaft für Yoga entflammte schon vor reichlich 15 Jahren. Sie war lange Zeit selbst immer wieder Kursteilnehmerin und praktiziert die Übungen auch ganz privat in den eigenen vier Wänden. Später begann sie damit, Kurse zu leiten, weil Ilona Strohschein, die in Görlitz solche anbot und dazu den weiten Weg von Neustadt in Kauf nahm, eine Nachfolgerin suchte. „Es war auch wichtig für mich, dass es weiterging“, sagt Neubert heute.

Kinder werden zu Tierfiguren

Vor zwei Jahren begann sie ihre Ausbildung als ärztlich geprüfte Yogalehrerin. Viele Wochenenden und Abendstunden opferte sie für dieses Ziel. Denn hauptberuflich ist die Mutter zweier erwachsener Söhne als Krankenschwester im Malteser-Krankenhaus St. Carolus tätig. Noch. Ab Mai möchte es die Görlitzerin noch einmal wissen, bietet schon jetzt drei Erwachsenen-Kurse an und je einen für jüngere Kinder bis acht und ältere bis zwölf Jahre – neben ihrer Arbeit.

Das soll sich ändern; zunächst mit etwas Werbung. Dabei setzt Christina Neubert auch auf Kindereinrichtungen und Schulen. „Ich könnte zum Beispiel im Rahmen von Ganztagsangeboten mit Kindern arbeiten“, sagt sie.

Richard, Felicitas und Franziska würde das gefallen. Sie kommen regelmäßig in die Räume der Naturheilpraxis auf der Jakobstraße zum Kinder-Yoga. Dass es ihnen Spaß macht, ist kein Geheimnis. „Jedesmal erarbeite ich mir einen Ablaufplan“, sagt Christina Neubert. Und der stehe für die Kinder immer unter einem bestimmten Motto, wie „Wald“ oder „Farben“. Zunächst gehe es darum, mit entspannenden Anfangsbewegungen warm zu werden. „Zum Beispiel bewegen wir dazu die Wirbelsäule in alle möglichen Richtungen.“

Spielerisch laufen die Übungen ab, wobei die einzelnen Figuren oft nach Tieren benannt sind. Manchmal malen die Kinder und trainieren auch, so wie Richard mit dem Pusten, Atemtechnik oder Tast- und Geruchssinn. „Gewürze oder Blütendüfte zu erkennen, ist für die Kinder ein besonderer Spaß“, sagt die Yogalehrerin. Überhaupt spiele die Natur und das, was sie zu bieten hat, eine wichtige Rolle. Überraschendes komme dabei oft heraus.

Zum Abschluss der Stunde kommen beispielsweise Noppenbälle oder die Klangschale zur Massage zum Einsatz. Häufig gibt es eine Geschichte, deren Inhalt mit Yoga-Übungen gestaltet wird. „Kinder verwandeln sich einfach gern in andere Figuren, wie Hund oder Katze. Sie versetzen sich regelrecht hinein“, hat Christina Neubert beobachtet. Bei Erwachsenen sei das nicht mehr so. Doch für alle gilt: „Es geht darum zu lernen, den eigenen Körper ganz bewusst wahrzunehmen und mit verschiedenen Entspannungs- und Atemtechniken manches Problem zu korrigieren“, bringt sie es auf den Punkt.

Zu Hause entspannt sich Christina Neubert außer mit Yoga am liebsten gemeinsam mit ihrer Familie, die allerdings nur noch selten komplett ist. „Oder es geht raus in den Garten oder mit Freunden wandern“, sagt sie. Und einen kleinen Traum hegt die 47-Jährige außerdem: „Irgendwann eigene Unterrichtsräume mieten zu können, wo all meine Materialien und Utensilien Platz haben, das wäre schön.“