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„Kinder brauchen Liebe und Natur“

Die Kita „Zum Rittertürmchen“ in Klix feiert 80. Geburtstag. 37 Jahre leitete Annegret Körner die Einrichtung.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Klix. Also im Mittelpunkt will sie nun wirklich nicht stehen, sagt Annegret Körner. Das hat sie lange genug, lacht sie lauthals heraus. Schließlich leitete sie die Kita, die am morgigen Freitag ihren 80. Geburtstag begeht, 37 Jahre. So ganz loslassen kann die vitale 75-Jährige immer noch nicht – vor allem, wenn es um die Erinnerung geht. Die Feier am Freitag steht unter dem Motto „Damals und heute“. Die jetzige Kita-Leiterin Katja Robel freut sich, dass Annegret Körner bereit ist, von ihrer Zeit in der Kita zu erzählen.

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Annegret Körner Anfang der 70er Jahre. Sie legte viel Wert auf Sport und Bewegung in der Natur. Das Foto stammt aus der Chronik, die jede Leiterin fortgeführt hat.
Annegret Körner Anfang der 70er Jahre. Sie legte viel Wert auf Sport und Bewegung in der Natur. Das Foto stammt aus der Chronik, die jede Leiterin fortgeführt hat. © Repro: Uwe Soeder

Aufgewachsen ist Annegret Körner im Schloss in Spreewiese. „Wir waren immer ganz viele Kinder, und auch die aus dem Dorf kamen hierher, um zu spielen“, sagt sie. Vielleicht kam auch daher die Idee, mal irgendwas mit Kindern zu machen, denn die Spiele von damals hat sie sich alle gemerkt und auch im Kindergarten gespielt. Nach dem Willen der Eltern sollte sie Lehrerin werden, wie ihre Schwester. Doch sie setzte sich durch und machte ihre Ausbildung zur Kindergärtnerin in Görlitz. 1965 wechselte sie von Malschwitz in die Einrichtung nach Klix, die 1938 als Kindergarten noch in einem Wohnhaus untergebracht war. Doch schon 1950 kam er ins jetzige Herrenhaus. „Wir hatten unten zwei kleine Räume, und wenn man ins Haus kam, roch es irgendwie immer nach Fäkalien“, erzählt Annegret Körner. Das lag daran, dass es keine ordentlichen Toiletten gab. „Nur Plumpsklo und Pissrinne“, lacht Annegret Körner verschmitzt. Und obwohl die Reinigungskräfte bis 1972 jeden Tag gescheuert haben, hielt sich dieser Geruch. Auch fließend Wasser gab es noch nicht. Das wurde mit einem Karren voller Milchkannen von der Pumpe im Dorf geholt. „Wir mussten sparsam damit umgehen, und trotzdem ist keiner krank geworden“, sagt Annegret Körner. Erst 1972 wurden sie an die Wasserversorgung angeschlossen. Aus einer Gruppe wurden dann 1979 zwei Gruppen und ein Jahr später drei. „Ich war auch im Gemeinderat und kannte mich aus im Dorf. Deshalb wusste ich, wer schwanger war und konnte sagen, dass wir mehr Platz brauchen“, sagt sie. Dass der Anbau, der 50 Kindern Platz gab, nach der Wende wegen des Denkmalschutzes wieder abgerissen wurde, bereut sie ein wenig. Aber wie sich das Haus entwickelt hat, darüber ist sie natürlich froh. Denn mittlerweile ist der gesamte Platz im ehemaligen Herrenhaus für die Kinder verfügbar. Derzeit werden 53 Kinder in Krippe, Kindergarten und seit 2006 auch Hort hier von fünf Erzieherinnen betreut.

Betreut schon die Enkelkinder

Annegret Körner blieb bis zur Altersteilzeit 2003 in Klix. „Es wollte ja sowieso kein anderer her“, lacht sie. Und freut sich, dass mittlerweile nicht nur die Kinder „ihrer“ Kinder hier angemeldet werden, sondern sogar schon die Enkelkinder. Auch ihre Tochter und eine Enkeltochter arbeiten in der „Kinderinsel“. Der Verein war ein Glück für die Klixer, sagt Annegret Körner. Sonst, so ist sie überzeugt, hätte die Einrichtung zu gemacht. Nach der Wende nutzte sie die Chance, noch eine Weiterbildung zur Heilpädagogin und Sprachheilpädagogin zu absolvieren. Dadurch wurde Klix auch Integrationseinrichtung. Und eins hat sie nie vergessen: „Kinder brauchen Liebe und Natur“.

Am Freitag wird Annegret Körner die früheren Kolleginnen begrüßen. „Hoffentlich kommen auch viele“, sagt sie. Den Hortkindern hat sie schon Rede und Antwort gestanden, wie es früher war. Die beiden Mädchen erfuhren davon, dass sie gern Rouladen mit Rotkohl und Klößen isst – „Ich bin überhaupt ein Genussmensch.“ Und sie erfuhren, dass ihre Lieblingszahl 13 ist – „Ich bin an einem 13. geboren, meine Haus-Nummer ist 13 und auch ein früheres Autokennzeichen hatte die 13.“ Am spaßigsten fanden die Kinder, dass es ein Markenzeichen von Annegret Körner war, barfuß zu laufen.

Mit so vielen Episoden kann Katja Robel noch nicht aufwarten. Sie leitet die Einrichtung seit vier Jahren, betreut auch den Hort. In Klix arbeitet sie seit 2006. Da hat sie Annegret Körner noch kennengelernt, denn sie hat sich bis zu ihrem 70. Geburtstag noch um die Krabbelgruppe gekümmert. Die 41-jährige Katja Robel kommt aus Hoyerswerda, wohnt mit Mann und den zwei Kindern jetzt in Bautzen. Sie ist froh, dass sich Annegret Körner neben ihren vielen Hobbys und den sieben Urenkeln die Zeit zum Feiern nimmt.