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Kinder in der Krise

Wenn Kinder in der eigenen Familie in Gefahr sind, ist der Ruf nach Hilfe kein Versagen. Es kann eine Chance für die Eltern sein.

Kindern zu helfen, ist auch für die Familien eine Chance.
Kindern zu helfen, ist auch für die Familien eine Chance. © imago stock&people

Die deutschen Jugendämter sind in Alarmbereitschaft, denn die Corona-Krise könnte zu mehr Gewalttaten gegen Kinder führen. Viele Familien durchleben derzeit eine Phase, die sich mit jedem Tag etwas von der Freude über die geschenkte gemeinsame Zeit entfernt. Das könnte sich bei Anfragen im Frauenhaus sowie bei den Inobhutnahmen von Kindern zeigen. Noch bestätigt die Statistik diese Befürchtung nicht. Dennoch: Frauenhaus und das Landratsamt in Pirna gehen davon aus, dass die Fallzahlen durch die Corona-Krise ansteigen werden.

Inobhutnahmen erfolgen dann, wenn das Wohl von Kindern gefährdet ist. Von Jahresbeginn bis Mitte März wurde das 126 Mal im Landratsamt gemeldet. Seitdem sind weitere 35 Fälle registriert worden. Insgesamt 28 Mal mussten in diesem Jahr Kinder aus den Familien im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge genommen werden - zwei Mal seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. 

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Das Verfahren ist auch in der Krise kein anderes, dennoch sollte gerade jetzt sensibel zugehört und hingeschaut werden, sagt das Landratsamt. Kindern und Eltern fehlt der geregelte Alltag, Eltern sind dazu oft zunehmend mit Existenz- und anderen Ängsten konfrontiert. Das notgedrungene Zusammenrücken lässt mit der Zeit auch Konflikte schneller aufbrechen und eskalieren. Darunter leiden oft insbesondere Frauen und Kinder. Familien, in denen psychische Erkrankungen oder Suchtprobleme eine Rolle spielen, sind erfahrungsgemäß für Kinder ein besonderes Risiko. 

Entscheidung ist die Perspektive

Auch wenn nur der Verdacht aufkommt, dass Kinder leiden könnten oder Angst vor ihren Eltern haben, können sich Nachbarn oder Freunde an den Allgemeinen Sozialen Dienst und andere  Ansprechpartner wenden. Das ist kein Verpetzen oder Denunzieren, sondern Hilfe. Die kann ganz verschieden aussehen. Erst wenn nichts mehr hilft und der Schutz des Kindes nicht mehr gewährleistet werden kann, wird es aus der Familie herausgenommen und anderweitig untergebracht und betreut. 

Wie lange so eine Inobhutnahme dauert, ist dabei ganz unterschiedlich. Sie hängt dem Landratsamt zufolge unter anderem davon ab, wie die Zukunft des Kindes bzw. Jugendlichen aussehen kann. Ziel ist immer, diese Zeit so kurz wie möglich zu halten. 

Was danach folgt, hängt eben von dieser Zukunftsperspektive des Kindes ab. Im Idealfall kann es zurück in die Familie oder es wird eine Pflegefamilie gefunden. Oftmals fehlen jedoch zuhause die Voraussetzungen für die Rückkehr, so dass der nächste Schritt der Aufenthalt in einer Einrichtung ist. Im Landkreis bieten dafür mehrere freie Träger Plätze in ihren Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen an. Der Aufenthalt in ihnen soll so kurz wie möglich sein. 

Hilfe für Zuhause

Ein Zwischenweg ist der Einsatz einer sozialpädagogischen Familienhilfe, die der Familie daheim hilft, Gefahren für das Kind abzuwenden. In den festgelegten Hilfegesprächen wird in regelmäßigen Abständen eingeschätzt, was erreicht wurde und wie es weitergeht. 

Egal wo, es geht vor allem darum, dass Kinder und Jugendliche in einem geschützten Raum das Erlebte verarbeiten können und sozialpädagogisch begleitet werden. Dieser Weg kann für die Betroffenen - Kinder wie Eltern - eine große Chance sein. 

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