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Kinder dürfen nicht zum Spielen vor die Tür

Seit dem Großbrand am 30. Juni packt die Kita Skäßchen jeden Tag ihre Sachen. Die Leiterin macht sich Sorgen.

Jeden Tag ziehen sie los mit Bollerwagen und Hand in Hand. Das Ziel der Skäßchener Kinder – der Spielplatz der Förderschule. Hier dürfen sie wenigstens im Freien spielen.
Jeden Tag ziehen sie los mit Bollerwagen und Hand in Hand. Das Ziel der Skäßchener Kinder – der Spielplatz der Förderschule. Hier dürfen sie wenigstens im Freien spielen. © Kristin Richter

Großenhain. Sie packen jeden Nachmittag ihre Sachen: Tassen, Teller, Besteck, Wechselsachen, Papiere, Windeln, und natürlich nehmen die Erzieherinnen von Kita-Leiterin Silvia Laurisch ihre Handys mit. Denn sie gehen mit ihren Kindern nicht auf einen gewöhnlichen Wandertag, sondern zum täglichen Spielplatzbesuch. Nur das der nicht mehr vor der Haustür des Skäßchener Zwergenlandes liegt, sondern einen Fußmarsch entfernt an der Förderschule Skäßchen.

 „Gott sei dank gehören beide Einrichtungen zur Diakonie und wir können in den Ferien alles nutzen“, ist Silvia Laurisch heilfroh. Hier haben sie nicht nur Spielgeräte, sondern auch Sanitäranlagen – und den Schlüssel zu allem, wie Silvia Laurisch freudig berichtet.

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Denn seit dem Großfeuer in der benachbarten Agrargenossenschaft Skäßchen dürfen die Kinder nicht mehr draußen spielen. Nicht im Sandkasten, nicht auf dem geliebten Matschplatz, ja, nicht einmal auf der Wiese, wo bunte Bagger und Traktoren verlassen herumstehen. 

Dabei war das Thema des Sommers ausgerechnet Wasser. Das fällt alles aus! Es ist mehr als eine Vorsichtsmaßnahme, die Umwelt- und Gesundheitsamt damit getroffen haben. Eine große Tüte mit hauchdünnen blauen Glassplittern der abgebrannten Solaranlage vom nachbarlichen Stalldach haben Mitarbeiter des Umweltamtes am 1. Juli eingesammelt. Das war ein Montag.

Ein Tag in Wildenhain

Sofort war Leiterin Laurisch klar, hier können die Kinder nicht bleiben. Draußen die herübergewehten Reste von Glassplittern, Eternit und Dämmwolle. Drinnen beißender Geruch. Die Kita wurde sofort geschlossen. Luftmessungen am Montag und Dienstag nach dem Unglückssonntag ergaben, dass die Kinder immerhin nach gründlichem Durchlüften in die Räume zurück dürfen. 

An dem Dienstag darauf konnten die Skäßchener Zwerge komplett die Wildenhainer Kita nutzen – denn die Wildenhainer waren an diesem Tag zu einem Ausflug. Seit 3. Juli sind die Skäßchener Kinder wieder in ihrem Haus, und seitdem sind die Ferien für die Kinder und Erzieher richtig aufregend geworden.

„Wir können doch die Kinder nicht so lange einsperren“, sagt Silvia Laurisch kopfschüttelnd. Den höheren Aufwand für den täglichen Wandertag nehmen die Erzieherinnen dafür gern in Kauf. Aber sie blicken auch mit Sorgen auf Mittwoch. Philipp Schleinitz, Prokurist der Diakonie Riesa-Großenhain, hofft wie Silvia Laurisch, dass die Versicherung zahlt – und was mindestens genauso wichtig ist – dass die Beräumung des riesigen Schutthaufens, wo einst zwei Ställe standen, zügig geht.

 Denn das Umweltamt hat der Diakonie in einer ersten Einschätzung mitgeteilt, dass man Muttererde und Spielsand im Außengelände der Kita erst austauschen könne, wenn die Brandstelle nebenan beräumt ist. Grund ist der Wind, der meist aus dieser Richtung herüberweht und bei jedem Aufflauen Brandreste herüberweht.

Doch genau diese Räumung könnte dauern, selbst wenn die Versicherung zahlt. Die Sache ist etwas knifflig, wie Manfred Engelmann, Chef der Skäßchener Agrargenossenschaft, von den Entsorgern schon gesagt bekommen hat. Denn das Stroh muss aus den Schuttbergen verbrannter Dämmwolle, Eternit und Solarmodule heraus. 

Wie das gehen soll, ist noch nicht klar. Von vier Firmen, die sich den Schaden angesehen haben, hat nur einer ein Angebot abgegeben und das gleich mit der Maßgabe, man könne einen Großteil des Brandmaterials nur einlagern. Auch die Entsorgung des Erdreichs vom benachbarten Kindergarten wird damit nicht ganz einfach. Die Versicherung will einen eigenen Gutachter schicken. Noch gibt es nicht einmal einen Termin.

Was passiert nach den Ferien?

So gesehen, dürfte der Sommer vorbei sein, bevor die Brandstelle komplett beräumt ist. Was nach den Ferien wird, wenn auch in der Förderschule Skäßchen der Alltag Einzug hält, weiß Silvia Laurisch noch nicht. „Die Kinder halten das für ein großes Abenteuer, aber wir machen uns schon Gedanken“, sagt sie und wartet nun wie alle ab, was am Mittwoch herauskommt. 

Auch die Stadt will möglichst keine lange Hängepartie. Sie kündigte auf Anfrage an, es werde „nicht bis zur Entscheidung der Versicherung mit der Bereinigung gewartet. Der Auftrag zur Säuberung soll so schnell wie möglich ausgelöst und erledigt werden“. Ob der Gutachter diesem Zeitplan folgt, wird man sehen. 

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Eine weitere Aussage machte dagegen Mut. „Sollten die Kosten durch die Versicherung nicht übernommen werden, wird die Stadtverwaltung Großenhain die Summe zur Bereinigung der Spielflächen tragen“, teilte die Stadt gestern schriftlich mit. Auch im Rathaus wartet man nun den Mittwoch ab.

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