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Sebnitz

Kinder finden Frauenkopf im Bach

Der abgetrennte Kopf einer Statue sorgt seit vergangener Woche für Aufregung. Die Hortkinder aus Dürrröhrsdorf-Dittersbach suchen nach Antworten.

Stolz halten Hugo und Hanna ihren Fund nach oben. Woher der eiserne Frauenkopf stammt, ist unklar.
Stolz halten Hugo und Hanna ihren Fund nach oben. Woher der eiserne Frauenkopf stammt, ist unklar. © Dirk Zschiedrich

Ganz vorsichtig heben Hugo und Hanna den Eisenkopf nach oben. Er ist schwer und ziemlich schlecht zu tragen. 

Und sie wollen ihn ja auch nicht weiter zerstören. Die beiden Hortkinder aus Dürrröhrsdorf-Dittersbach haben diesen Schatz vor wenigen Tagen aus der Wesenitz gehoben und sind seitdem, wie auch ihre Klassenkameraden, ganz aufgeregt.

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Am vergangenen Donnerstag sind sie wie so oft an heißen Tagen an die Wesenitz gegangen. „Die Kinder haben dann immer ihre Badeschuhe mit und können im seichten Wasser hin und her laufen“, sagt Horterzieherin Ines Wenzel.

Hugo und Hanna schlendern also den Bach entlang. „Als wir stromaufwärts liefen, haben wir noch nichts bemerkt. Erst auf dem Rückweg habe ich bemerkt, dass das irgendetwas nicht stimmt. Wir begannen, im Schlamm zu graben“, erzählt der aufgeweckte Junge. 

Die Büste gibt Rätsel auf.
Die Büste gibt Rätsel auf. © Frank Hörnig

Gemeinsam mit Hanna gelingt es ihm schließlich, die Umrisse freizulegen. „Erst bekamen wir einen Schreck wegen so einem großen Klumpen. Wir wussten ja nicht, was es war“, sagt Hanna. Als die Kinder den anderen zuriefen: „Wir haben einen Kopf gefunden“ hätten alle erst einmal einen Riesenschreck bekommen. „Es hätte ja auch was Menschliches sein können. Sie können sich ja vorstellen, was in dem Moment los war“, sagt die Hortnerin. Heute kann sie darüber lachen.

Aber die Büste gibt Rätsel auf. Seit dem Fund wird in Dürrröhrsdorf-Dittersbach diskutiert und spekuliert. Woher stammt der Kopf und vor allem wie kommt er in den Fluss? Sicherlich hat das Skulpturenstück schon länger dort gelegen. Alles war voller Schlamm, berichten die Kinder.

Erst nachdem sie den Kopf ordentlich abgespült hatten, merkten sie, was sie da gefunden hatten. Dass es etwas Wertvolles ist, das hat der pfiffige Hugo sofort gemerkt. Deshalb hatte er seinen Opa Frank Hörnig informiert und dieser wiederum die SZ. „Vielleicht stammt der Eisenkopf von einer der verschollenen Figuren aus Schlosspark in Dittersbach“, vermutet er. Das könnte durchaus sein, denkt auch Peter Große, der Vorsitzende des Quandtvereins. 

 Die Figuren, die sich jetzt im Park befinden – wie die Jagdgöttin Diana – bestehen meist aus Kunstharz.
 Die Figuren, die sich jetzt im Park befinden – wie die Jagdgöttin Diana – bestehen meist aus Kunstharz. © Dirk Zschiedrich

Schon mehrmals wurden in dem idyllisch gelegenen Schlosspark von Dittersbach die Figuren mutwillig zerstört. Möglicherweise könnte das jetzt gefundene Kunstwerk dasselbe Schicksal erlitten haben. Unsicher ist auch, ob es sich nur um eine Büste handelt oder ob noch ein Körper dazu gehört hat. Der Schlosspark ist öffentlich, das Schloss privat. Auf Initiative des Quandtvereins zur Förderung der schönen Künste wurde im Jahr 2012 eine im Krieg verschollene Nymphe wieder aufgestellt. Auch die Jagdgöttin Diana ist auf Initiative des Vereins wieder auf ihren Sockel zurückgekehrt. 2016 ist dann der Apollino hinzugekommen. Die neuen sind allesamt aus einer wetterbeständigen Kunstharzverbindung.

Geklärt werden kann das Rätsel erst, wenn Schlossbesitzer Sven Müller-Röske aus Dresden das Fundstück sieht. Schließlich müsste er den Kopf auch zuordnen können. Entsprechende Anfragen laufen, wurden aber noch nicht beantwortet. Die Horterzieherinnen Ines Wenzel und Ina Siegfried waren unterdessen nicht untätig. Sie haben den Denkmalschutz informiert und auch schon selbst recherchiert. Der gefundene Kopf gleiche einer Skulptur aus dem Pillnitzer Schlosspark und könnte ein Abbild der römischen Göttin Juno sein. Sie galt als Göttin der Geburt, der Ehe und der Fürsorge. Ob Juno jemals im Dittersbacher Schlosspark stand, dafür gibt es derzeit noch keinen Beweis.

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