merken
PLUS Zittau

Diese Frau schützt Ihre Kinder

Anna Vater gibt Kurse für Gewalt- und Missbrauchsprävention in Zittau. Das Thema ist nach dem Vorfall in Eibau präsenter denn je.

Anna Vater, Ju-Jutsu Trainerin bei der HSG-Turbine Zittau, gibt Kurse für Gewalt- und Missbrauchsprävention.
Anna Vater, Ju-Jutsu Trainerin bei der HSG-Turbine Zittau, gibt Kurse für Gewalt- und Missbrauchsprävention. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Von Benjamin Pohl

Am vergangenen Donnerstag ist es wieder passiert: Ein unbekannter Mann hat ein Mädchen auf der Eibauer Hauptstraße angesprochen und ihm angeboten, es nach Hause zu bringen. Das Kind war zum Glück clever genug, dieses Angebot abzulehnen - und informierte seine Eltern. Seitdem wird nach dem Unbekannten gesucht. Solche Berichte - mehr oder minder glaubhaft - gibt es immer wieder und in manchen Fällen enden sie auch mit Gewalt gegen die oft wehrlosen Kinder. 

Wehrlos - das ist genau der Punkt, den Anna Vater ändern will. Am kommenden Montag informiert die 33-jährige Ju-Jutsu-Trainerin erstmals über ihr neues Gewaltpräventions-Programm an der Volkshochschule. Vorgesehen ist der Kurs für Kinder ab fünf Jahren. Bei der Info-Veranstaltung wird es ein erstes Kennenlernen mit der Trainerin geben, erklärt sie. Dabei will sie bereits erklären, was typische Situationen sind, was gefährlich für die Kinder ist und welche Tricks Täter gern verwenden. 

Kampfsport und Selbsverteidigung, diese Themen begleiten Anna Vater schon lange: Als sie 14 Jahre war sie alt, begann sie mit dem Kung-Fu-Training. Später, als sie nach Zittau zog, versuchte sie sich am Ju-Jutsu - eine Sportart, die auf Techniken zur Selbstverteidigung basiert. Zufriedengeben wollte sie sich damit aber nicht: "Es macht mir einfach auch Spaß, sich damit zu beschäftigen und das Wissen an andere, vor allem an die Kinder, weiterzugeben", sagt Anna Vater. So kam die ehemalige Biologin auf das Programm "Nicht mit mir". Ausgefeilt hat sie es zusammen mit ihrem Kollegen Tony Zimmermann.

Die Kinder sollen dabei lernen, wie sie sich in kritischen Momenten zu verhalten haben. "Sie dürfen sich in solchen Situationen nicht manipulieren lassen und müssen auf ihr Bauchgefühl hören, wenn sie sich unwohl fühlen", sagt Anna Vater. "Du darfst auch Nein sagen", ist deshalb eine ihrer Kernbotschaften.

Anna Vater vor dem Ju-Jutsu-Training.
Anna Vater vor dem Ju-Jutsu-Training. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Bei den eigentlichen Kursen, die am 28. September und 2. November laufen, sollen Eltern und Kinder gemeinsam teilnehmen: "Wir versuchen immer, die Eltern mit in das Kurskonzept einzubringen", sagt Anna Vater. An den beiden Tagen werden Situationen durchgespielt, wie sie in der Realität passieren könnten. "Am besten ist es, wenn hier ein Elternteil die Situation mit einem anderen Kind simuliert", erklärt sie, "da bekommen die Kinder am besten dieses Fremdheitsgefühl gegenüber einem anderen Erwachsenen". So sollen die Elternteile auch sehen können, wie ihr Kind auf eine brenzlige Situation reagieren würde und auch selbst neue Erfahrungen sammeln. Dass in dem Kurs dennoch eine lockere Atmosphäre herrscht, ist ihr wichtig. "Dadurch prägt sich das Gelernte besser bei den Kindern ein", sagt sie. Ein gutes Verhältnis zwischen Trainer und Kind sei ebenfalls entscheidend. So könne sie als Trainerin auch Ansprechpartner für die Kinder sein.

Kontaktsport trotz Corona-Kontaktverbot?

Wegen Corona und der kleinen Räumlichkeit können nur etwa zehn Leute am Kurs teilnehmen. "Im Idealfall wären das fünf Mutter-Kind- oder Vater-Kind-Paare", sagt die Projektleiterin. Die Termine gehen jeweils 90 Minuten, bestehend aus zweimal 45 Minuten und einer kurzen Pause. "Das ist erst einmal die Mini-Version des Kurses, sonst besteht er aus mindestens sechs Terminen", erklärt Frau Vater. "Wir wollen aber zuerst sehen, wie die Kurse bei den Leuten ankommen und was wir noch weiter verbessern können." Nach den aktuell geltenden Corona-Regeln steht dem Kurs nichts im Wege. Im Training und auch bei der Gewaltprävention soll der Partnertausch aber möglichst gering bleiben.

Neuland sind solche Seminare für Anna Vater nicht: Auch für Teenager gibt es solche Kurse. Zudem macht sie ein Selbstverteidigungsprogramm für Frauen. Die Plätze sind begrenzt und immer schnell vergeben. Auch die Nachfrage über Facebook ist sehr gut. Ob das immer mit konkreten Vorfällen - wie dem in Eibau - zusammenhängt, kann sie nicht sagen. Vermutlich hat es etwas mit dem ganz persönlichen Sicherheitsgefühl zu tun. Denn alltäglich ist es keineswegs, dass Fremde Kinder ansprechen: So erklärte die Polizeidirektion Görlitz auf Nachfrage, dass im Jahr 2019 insgesamt 16 Fälle bekannt geworden sind, bei denen unbekannte Erwachsene Kinder angesprochen haben. In diesem Jahr waren es - mit dem Fall in Eibau - bislang sechs.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Zittau