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Wogegen die Kinder im Kreis geimpft sind

Immer wieder äußern Impfgegner Zweifel am Nutzen der immunisierenden Spritzen. Doch wie steht es eigentlich bisher um die Impfquoten im Kreis Meißen?

In Deutschland ist die Impfdiskussion ein Dauerbrenner. Nur wenige Gesundheitsthemen bekommen derartige Aufmerksamkeit. Auch in Corona-Zeiten wird wieder über Impfungen diskutiert.
In Deutschland ist die Impfdiskussion ein Dauerbrenner. Nur wenige Gesundheitsthemen bekommen derartige Aufmerksamkeit. Auch in Corona-Zeiten wird wieder über Impfungen diskutiert. ©  dpa/Symbolbild

Landkreis. Die Ankündigung erregte damals reichlich Aufsehen: Als der Bundestag Ende vergangenen Jahres ein Gesetz zur Masern-Impfpflicht in Kindertagesstätten und Schulen verabschiedete, dauerte es nicht lange, bis die ersten Eltern dagegen protestierten. Einige von ihnen reichten sogar Klage beim Bundesverfassungsgericht ein.

Zuvor hatten sich auch Prominente öffentlich gegen eine Impfpflicht ausgesprochen, unter anderem die in Leipzig lebende Schriftstellerin Daniela Krien. "Es ist eine Übergriffigkeit des Staates, das zu diktieren", sagte die Mutter einer 13-jährigen Tochter, die seit einer Impfung als Baby schwerbehindert ist, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

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An der Einführung der Impfpflicht änderte der Protest zunächst nichts. Seit dem 1. März dieses Jahres müssen auch die Kita- und Schulkinder im Landkreis Meißen gegen Masern geimpft sein. Eltern, die ihre Kinder betreuen, aber nicht impfen lassen, begehen seither eine Ordnungswidrigkeit und müssen laut Gesetz mit einer Geldbuße von bis zu 2.500 Euro rechnen. Doch wie sieht die Situation bisher eigentlich aus? Wie viele Kinder sind gegen Masern geimpft? Und bei welchen Krankheiten gibt es die niedrigsten Impfquoten? Die SZ gibt einen Überblick.

Vier von fünf Kindern gegen Masern geimpft

Bei der Schulaufnahmeuntersuchung im Jahr 2018 waren 81,5 Prozent der Kinder aus dem Landkreis Meißen gegen Masern geimpft. Das geht aus einer Übersicht des Sozialministeriums hervor, die Mitte Mai als Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD im Sächsischen Landtag veröffentlicht wurde. Laut Angaben der Behörde liegt der Landkreis Meißen damit etwa drei Prozentpunkte über dem sächsischen Schnitt.

Weiterführende Untersuchungen zeigen zudem, dass es zwischen den verschiedenen Schulformen nur wenig Unterschiede bei der Masern-Impfquote gibt. So waren im Schuljahr 2018/19 rund 82 Prozent der Sechstklässler auf den Gymnasien im Landkreis Meißen gegen Masern geimpft, auf den Ober- und Förderschulen waren es gerade einmal zwei Prozent weniger. Die niedrigste Impfquote hatten die Sechstklässler an Schulen in freier Trägerschaft mit rund 78 Prozent.

Da der Impfstoff gegen Masern in der Regel nicht einzeln verabreicht wird, sondern in einer Kombinationsimpfung gegen Mumps, Röteln und auch Windpocken enthalten ist, liegt die Impfquote bei diesen Krankenheiten meist identisch. Experten gehen davon aus, dass Masern zwar eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten sind, sich aber nicht ausbreiten können, wenn mehr als 95 Prozent der Bürger gegen Masern geimpft sind.

Dass diese Quoten bisher nicht erreicht werden, liegt auch an der wachsenden Zahl an Impfgegnern. Eine Mutter aus Riesa, die anonym bleiben möchte, wirbt jedoch um Verständnis für ihre Position: "Ich selbst habe einst eine Impfung gegen Hepatitis A und B nicht vertragen und muss seither mit großen Schmerzen im Arm leben. Ich will das meinen Kindern einfach ersparen." Ärzte hingegen warnen immer wieder vor den Gefahren einer Ansteckung, die teils tödliche Folgen haben kann.

Mehr Impfungen gegen Hepatitis B als gegen Hepatitis A

Die Impfquoten für die Leberentzündung Hepatitis B bewegen sich im Landkreis Meißen auf ähnlichem Niveau wie die für Masern. Bei der Schulaufnahmeuntersuchung 2018/19 waren rund 82 Prozent der Kinder gegen Hepatitis B geimpft. Sachsenweit waren es etwa drei Prozent weniger. Ähnlich sieht es bei den Sechstklässlern im Kreis aus. Auch bei ihnen liegt die Impfquote – je nach Schulform – um die 80 Prozent, immer aber über dem sachsenweiten Schnitt. Besonders deutlich ist der Unterschied bei den hiesigen Förderschülern: Mit einer Impfquote von 81,4 Prozent ist der Landkreis Meißen in dieser Kategorie führend und liegt 15 Prozent über dem sachsenweiten Schnitt.

Die Impfquoten für Hepatitis A bewegen sich sowohl im Landkreis Meißen als auch in Sachsen bei den Sechstklässlern derweil etwas unter dem Niveau für Hepatitis B. Sie liegen bei 60 bis 70 Prozent. Bei den Erstklässlern ist der Unterschied noch etwas deutlicher, nur etwa jedes zweite Kind war bei der Schulaufnahmeuntersuchung gegen Hepatitis A geimpft.

Nicht einmal jedes zweite Kind gegen Tetanus geimpft

Am seltensten sind im Landkreis Meißen die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten. Nicht einmal jedes zweite Kind in der Region zwischen Radebeul, Thiendorf, Strehla und Nossen ist gegen diese Krankheiten geimpft. Die Quoten liegen zwischen 35 und 48 Prozent. Die höchste Quote haben die Sechstklässler an Gymnasien, die niedrigste die Sechstklässler an Schulen in freier Trägerschaft.

Gerade die Tetanus-Impfung zählt schon seit Jahren zu jenen Impfungen, gegen die Impfgegner besonders mobilisieren. Immer wieder bemängeln sie, dass die Impfung nicht nötig und somit reine Geschäftemacherei sei. Die Ständige Impfkommission, Expertin bei allen Fragen rund um Impfungen, empfiehlt jedoch eine aktive Tetanus-Impfung ausdrücklich für Menschen jeden Alters. Die Diskussion um das Impfen bleibt in Deutschland und dem Kreis Meißen wohl auch in Zukunft ein Dauerbrenner.

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