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Kinder lernen die Sprache des Nachbarn

Für das kreisweite Projekt „Groß und Klein“ wurde jetzt Bilanz gezogen in Görlitz. Zu Ende ist es damit nicht.

Zu den Teilnehmerinnen gehörten auch Josephine Schär und Cindy Franzke aus der Klasse SPE 17 des Beruflichen Schulzentrums Christoph Lüders in Görlitz.
Zu den Teilnehmerinnen gehörten auch Josephine Schär und Cindy Franzke aus der Klasse SPE 17 des Beruflichen Schulzentrums Christoph Lüders in Görlitz. © Andreas Kirschke

Mit einer Fachtagung in Görlitz ist das grenzüberschreitende Projekt „Groß für Klein – Dużi dla małych“ abgeschlossen worden. Von 2017 bis 2019 sorgte es für die Weiterbildung und Qualifizierung von 57 deutschen und 56 polnischen Vorschulpädagogen. Sowohl Erzieher als auch Berufsschüler, vorwiegend Frauen, nahmen teil.

Eingebunden waren 63 Kindertagesstätten in der Grenzregion. Das Projekt konnte insgesamt mehr als 3.000 deutsche und polnische Kinder für die jeweilige Nachbar-Sprache sensibilisieren. Initiatoren des Projekts waren die Sächsische Landesstelle für frühe nachbarsprachige Bildung und das Niederschlesische Lehrerfortbildungsinstitut Wrocław mit zahlreichen Partnern.

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„Die Rahmenbedingungen dafür sollten zunehmend zur Selbstverständlichkeit werden. Das beginnt in den Kindergärten. Wir wollen die Zusammenarbeit fortsetzen. Wir wollen die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre vertiefen“, sagte Regina Gellrich, Leiterin der Sächsischen Landesstelle für frühe nachbarsprachige Bildung in Trägerschaft des Landkreises Görlitz, zum Abschluss des Projekts „Groß für Klein“.

Im Zuge des Projekts entstanden das deutsch-polnische Malbuch „Mit Biedronka und Maus durch das ganze Jahr“ sowie die beiden pädagogischen Handreichungen für die Kita-Praxis „Feste und Traditionen in Polen und Deutschland“ und „Vier Jahreszeiten“. Initiatoren des Projekts waren die Sächsische Landesstelle für frühe nachbarsprachige Bildung und das Niederschlesische Lehrerfortbildungsinstitut Wrocław mit zahlreichen Partnern. Die Gesamtkosten lagen bei 182.000 Euro. Die Finanzierung erfolgte aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung sowie aus Mitteln der Woiwodschaft Niederschlesien und des Landkreises Görlitz.

Insgesamt 17 Veranstaltungen prägten die Qualifizierung. Hinzu kamen Fortbildungs-Seminare und Projekte in Deutsch und Polnisch. Die Inhalte reichten vom Nachbarsprachkurs für Erzieherinnen über Grundlagen und Methoden des frühen Lernens von Nachbarsprachen, die Landeskunde des Nachbarlandes, die Vorschulerziehung in Polen und Sachsen im Vergleich bis hin zu Angeboten in den Kitas und der Erarbeitung einer Handreichung für die tägliche Kita-Praxis. „Wir können vom Witaj-Konzept der Sorben lernen. Vor allem von der Immersionsmethode des spielerischen, vollständigen Eintauchens in die Sprache“, sagte Regina Gellrich. „Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist sehr komplex. Sie verlangt unter anderem die Begegnung und die interkulturelle Kompetenz zu beachten.“

Vorschul-Pädagogen erhielten nun ihre Teilnehmerurkunde.  
Vorschul-Pädagogen erhielten nun ihre Teilnehmerurkunde.   © Andreas Kirschke

Das Witaj-Sprachzentrum Bautzen in Trägerschaft der Domowina unterstützte das Projekt „Groß für Klein“ 2018 und 2019 jeweils mit einem vierstündigen Seminar. Mitarbeiterin Jadwiga Kaulfürstowa erläuterte dabei die Immersionsmethode am Beispiel des Witaj-Konzepts. „Dabei ging ich auf praktische Fragen ein. Etwa darauf, was zur Gründung einer Witaj-Gruppe gehört in Zusammenarbeit mit Eltern, Erzieherinnen, Leiter und Träger der jeweiligen Einrichtung. Ich habe für die Immersionsmethode geworben“, erläuterte sie bei der Fachtagung in Görlitz. Das Witaj-Sprachzentrum ist durch dessen Leiterin Beata Brězanowa im Experten-Beirat der Sächsischen Landesstelle für frühe nachbarsprachige Bildung vertreten. Regelmäßig geschieht so der Austausch von Erfahrungen und von neuen Informationen.

Zu den Teilnehmerinnen gehörten auch Josephine Schär und Cindy Franzke aus der Klasse SPE 17 des Beruflichen Schulzentrums Christoph Lüders in Görlitz. Beide lernen im zweiten Ausbildungsjahr den Beruf Erzieherin. „Das Projekt hat mich stark bereichert“, sagte Cindy Franzke. Die 23-Jährige ist Sprecherin der Klasse SPE 17 und lernt im zweiten Ausbildungsjahr Erzieherin. Gern will sie später als Erzieherin in der Krippe arbeiten. Zum jetzigen Projekt „Groß für Klein“ gehörte für sie auch ein dreimonatiges Praktikum im deutsch-polnischen Kindergarten „Zwergenhaus“ in Trägerschaft der Stadt Görlitz. Dort erfuhr sie viele Impulse und Inspiration für die Praxis.

Unter anderem bastelte und sang sie mit den Kindern zum Thema „Ostern“. Zum Projekt gehörten auch verschiedene deutsch-polnische Workshops. Sie widmeten sich vor allem der Sprache. Gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen Melina Topa, Josephine Schär und Verena Bradasz nahm Cindy Franzke am Projekt „Groß für Klein“ teil. „Die Chancen, das Projekt fortzusetzen, stehen gut“, fasste Regina Gellrich zusammen. Die polnische Seite, so betonte Jolanta Horyń vom Träger Niederschlesisches Lehrerfortbildungsinstitut Wrocław, ist offen dafür. Derzeit bereitet sie selbst zwei Konferenzen vor. Themen sind „Fremdsprachige Kinder in Schulen“ und „Die Förderung der Fähigkeiten der Kinder“. Dazu lud sie die deutsche Seite mit ein.

Das Projekt „Groß für Klein “ erfuhr bereits überregional Beachtung. 2018 erhielt es den Preis der Euroregion „Neiße-Nisa-Nysa“. 2019 bekam es zudem den Ehrenpreis der Jury im bundesweiten „Wettbewerb für Flaggschiffprojekte des Gemeinsamen Zukunftskonzeptes 2030“. 

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