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Kinder lernen, gemeinsam zu lernen

An der Grundschule Gersdorf sitzen 1. und 2. Klasse in einem Zimmer. Nach den Ferien trifft das auch auf 3. und 4. Klasse zu.

Felix (links) und Birk saßen im abgelaufenen Schuljahr im Unterricht nebeneinander, obwohl sie unterschiedliche Klassen besuchten. An der Grundschule Gersdorf wird jahrgangsübergreifend unterrichtet.
Felix (links) und Birk saßen im abgelaufenen Schuljahr im Unterricht nebeneinander, obwohl sie unterschiedliche Klassen besuchten. An der Grundschule Gersdorf wird jahrgangsübergreifend unterrichtet. © Dietmar Thomas

Hartha/Gersdorf. Für Felix und Birk ist es normal, dass sie zusammen in einem Klassenzimmer sitzen. Dabei hat Felix im abgelaufenen Schuljahr bereits die 2. Klasse der Grundschule Gersdorf besucht, Birk war Erstklässler.

An der Gersdorfer Schule wird jedoch seit dem Schuljahr 2017/2018 im jahrgangsübergreifenden Unterricht gelehrt. Diese Form war die einzige Möglichkeit, die kleine Dorfschule mit viel zu wenigen Einschulungen pro Jahrgang am Leben zu erhalten. „Nach dem zweiten Jahr ist die Überzeugung gewachsen, dass dieser Schritt richtig war“, sagt Schulleiter Jörg Keul.

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Felix und Birk bilden im Unterricht sozusagen ein Team. „Wenn Birk mit einer Aufgabe nicht zurechtkam, hat er Felix gefragt“, erklärt Lehrerin Kerstin Steurer. Für die jüngeren Schüler sei das durchaus ein Vorteil, doch auch die älteren Kinder profitieren davon. „Für sie ist eine gute Wiederholung, mit der sie ihr Wissen festigen“, so Steurer. Mit der neuen Unterrichtsmethode werde die Selbstständigkeit der Kinder gefördert. Denn die Mädchen und Jungen sind angehalten, sich selbst Lösungen zu erarbeiten. Zudem lernen sie, strukturiert zu arbeiten. „Es gibt einen Wochenplan, der jeden Freitag ausgewertet wird“, sagt Steurer. Die Kinder lernen dabei, ihre Leistung einzuschätzen und ihr Arbeitspensum zu erfüllen. „Wer an einem Tag nicht so viel geschafft hat, muss am nächsten eine Extraschicht einlegen“, so die Lehrerin.

In vielen Fächern können die Kinder gemeinsam unterrichtet werden. So zum Beispiel in Sport, Werken, Kunst oder Musik. Auch das kreative Schreiben klappt zusammen gut. „Wenn dagegen neuer Stoff vermittelt wird, dann erfolgt der Unterricht in den jeweiligen Klassenstufen“, erklärt Kerstin Steurer. Die Übungen zu den neuen Inhalten können dann wiederum gemeinsam erfolgen.

Der jahrgangsübergreifende Unterricht verlangt auch von den Lehrern ein hohes Maß an Konzentration. „Es ist eine sorgfältige Vorbereitung notwendig, der organisatorische Arbeitsaufwand ist höher“, sagt Kerstin Steurer. Der Lehrer müsse den Überblick behalten, wo jedes Kind im Lernstoff stehe. Schulleiter Jörg Keul bestätigt das. „Ich bin froh, dass die Kollegen so gut mitziehen“, sagt er.

Ab dem neuen Schuljahr lernen nicht nur die 1. und 2. Klasse gemeinsam, sondern auch die 3. und 4. Klasse. Zudem werden mehr Erstklässler eingeschult, sodass die Kinder der 2. Klasse jeweils zwei Jüngere betreuen werden. „Es ist erfreulich zu sehen, dass die Kinder schnell lernen, miteinander zu lernen“, sagt Jörg Keul.

Mit dem gemeinsamen Unterricht in der 3. und 4. Klasse betreten Schüler und Lehrer wiederum Neuland. Doch Keul ist sicher, dass auch diese Stufe des jahrgangsübergreifenden Unterrichts gemeistert wird. Er findet, dass das gemeinsame Lernen die Sozialkompetenz der Schüler stärkt. „Die Kinder können sich gut in die Gemeinschaft eingliedern und wissen, wo sie ihr Wissen herholen können“, so Keul.

In den kommenden Schuljahren gelte es, weitere Erfahrungen mit dem jahrgangsübergreifenden Unterricht zu sammeln. Dieser müsse aber nicht auf ewig angewendet werden. „Wenn die Anmeldezahlen steigen, könnte es durchaus passieren, dass wieder Einzelklassen in unserer Schule gebildet werden“, so Jörg Keul.

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