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Kinder sollten nicht in der Elbe baden

Jedes Jahr lockt der Fluss. Doch man sollte die Gefahren nicht unterschätzen, die in der Strömung lauern.

Die Triebischmündung in die Elbe in Meißen wird gerne als Badestelle genutzt. Doch das ist nicht ungefährlich.
Die Triebischmündung in die Elbe in Meißen wird gerne als Badestelle genutzt. Doch das ist nicht ungefährlich. © Claudia Hübschmann

Meißen/Landkreis. Wenn die Sonne scheint, ist eine Abkühlung genau richtig. Wenn der nächste Badesee zu weit weg ist, das Schwimmbad Corona-bedingt nur eingeschränkt nutzbar ist, dann lockt Flussbaden in der Elbe. Doch gerade die ist kein Badegewässer. Zumindest kein offizielles, betonen das sächsische Gesundheitsamt sowie das Umweltamt. Trotzdem schwimmen jedes Jahr Menschen im Fluss, wenn die Tage heißer werden. Aber in der Elbe lauern Gefahren, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind. Besonders Kinder sind davon betroffen. Nicht ohne Grund, gibt es keine ausgewiesenen Badestellen an der Elbe.

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Kinder werden schneller von der Strömung erfasst

„Wir raten grundsätzlich vom Baden in der Elbe ab“, sagt Nils Richter, technischer Leiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Meißen. Wer dennoch im Fluss baden möchte, der sollte genügend Abstand zur Strömungskante einhalten. Denn die Elbe besitzt eine Fahrwasserrinne, in der deutlich höhere Strömungsgeschwindigkeiten herrschen als am Ufer, erklärt der technische Leiter. Wenn man Pech hat, reißt die Strömung einen mit und im schlimmsten Fall unter Wasser. „In der Elbe reicht dazu teilweise schon knie- bis hüfttiefes Wasser aus.“

Wenn das passiert, sollte man Ruhe bewahren und nicht gegen sie ankämpfen, so Nils Richter. Vielmehr sollte man sich auf den Rücken legen, die Füße nach vorn. Dann die Arme seitlich bewegen, um zum Ufer zu treiben. Oder leicht gegen die Strömung, schräg zum Ufer, schwimmen. In beiden Fällen dauert es aber etwas, bis man an den Rand gelangt. Gerade für Kinder sei das Elbebaden viel gefährlicher, da sie schneller von den Strömungen erfasst werden und panisch werden, erklärt der technische Leiter. „Eltern sollten deshalb immer in Griffreichweite sein, um schnellstmöglich zu handeln.“

Nicht zu unterschätzen sei auch der Schiffsverkehr auf der Elbe. „Zum einen wird man als Schwimmer ganz schlecht gesehen, zum anderen verursachen die größeren Schiffe zusätzliche Strömungen“, sagt Nils Richter. Das werde wiederum für Kinder bedrohlich, wenn sie dem Wasser hinterherlaufen und vom zurückfließenden überrascht werden. Außerdem können größere Schiffe Schwimmer auf bis zu 250 Meter oftmals nicht sehen, laut Sicherheitshinweisen des Wasser- und Schifffahrtsamtes Dresden.

Eine andere Gefahr sind Strudel, die in der Elbe entstehen. Die entstehen zum Beispiel an Brückenpfeilern oder in Buhnen. Aus ihnen gibt es selten ein Entkommen. Man kann versuchen, seinen Körper an der Außenkante des Strudels in den Flussstrom zu bringen. Trotzdem: „Sich schwimmerisch aus dem Strudel zu befreien, ist für ungeübte Schwimmer nahezu unmöglich“, meint Nils Richter. Deshalb empfiehlt er, sich von Hindernissen wie Brücken, Buhnen, Fahrwassertonnen fernzuhalten. Laut Binnenschifffahrtsstraßenordnung ist das Baden dort sowieso verboten, und zwar 100 Meter ober- und unterhalb von Brücken, eines Wehres, einer Hafeneinfahrt und Liege-/Anlegestelle für Fahrgastschiffe sowie bei Schleusen.

Flusswasser sollte nicht geschluckt werden

Wer in der Elbe badet, triff zudem noch auf eine weitere Ungewissheit: die Wasserqualität. Denn laut sächsischem Gesundheitsamt wird die Elbe nur dann auf Bakterien oder Keime kontrolliert, wenn es einen Anlass gibt. Zum Beispiel bei größeren Veranstaltungen wie dem Dresdner Elbeschwimmen. Bei einer SZ-Anfrage verweist das sächsische Gesundheitsamt auf das Umweltamt sowie die Behörde im Landkreis, die ebenso auf das sächsische Umweltamt verweist. Denn die Gefahr für die Gesundheit werde nur bei offiziellen Badegewässern regelmäßig überprüft, teilt das sächsische Gesundheitsamt mit.

Das Umweltamt überprüft jedoch nach EU-Richtlinien nur die Wassergüte der Elbe. Diese sei momentan nicht auffällig. Zwar ist der Fluss nicht sauber, aber er gefährdet nicht die Gesundheit der Menschen. So gibt die Messstelle in Niederlommatzsch an, dass die ökologische Qualität unbefriedigend ist. Auch wenn der Zustand der Fischarten als gut eingeschätzt wird. Problematisch ist dabei eher der chemische Zustand, gekennzeichnet als nicht gut. Denn immer wieder gelangen Schadstoffe in die Elbe. Wie zum Beispiel Polychlorierte Biphenyle und Quecksilber. Diese sind an Schwebestoffen oder in Sedimenten gebunden.

Nach Starkregen kommt es zudem dazu, dass Bodenstoffe aus dem Umland wie Nährstoffe aus der Landwirtschaft in die Elbe gelangen. Dadurch kann sich die Elbe trüben, erklärt das Umweltamt. „Die Wasserqualität der Elbe hat sich deutlich verbessert, jedoch sollte man trotzdem versuchen, kein Flusswasser zu schlucken“, sagt Nils Richter von der DLRG. Besonders nach Tagen mit viel Regen. Denn seiner Erfahrung nach führt das oft zu Magen-Darm-Beschwerden.

Dieses und vergangenes Jahr musste die DLRG in Meißen noch zu keinem Badeunfall ausrücken. Weitere Tipps zum richtigen Baden mit Kindern finden sich unter www.dlrg.de.

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