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Kinder sorgen sich um Vögel

In einem Waldstück bei Klingenberg laufenFällarbeiten – obwohl jetzt Vogelschutzzeit ist.

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Von Regine Schlesinger

Erzieherin Heike Malcher von der Klingenberger Kindertagesstätte verbringt mit ihrer Waldkindergruppe jeden Vormittag in der freien Natur. Dabei fiel ihnen schon im Vorjahr auf, dass in der Nähe der Streichholzbrücke in einem Laubwald Bäume fürs Fällen angezeichnet sind. Jetzt haben die Arbeiten begonnen und Erzieherin wie Kinder fragen sich besorgt, was aus den Vögeln wird, die in den Bäumen ihre Nester gebaut haben und brüten, immerhin ist doch jetzt Vogelschutzzeit.

„Die Sorge ist unbegründet“, sagt Mario Marsch, Leiter des Forstamts Tharandt. Das betreffende Waldstück gehört der Stadt Dresden. Das Forstamt kümmert sich im Auftrag der Landeshauptstadt darum. „Bei den Arbeiten handelt es sich um ganz normale Holzeinschlagmaßnahmen, die der Pflege des Bestandes dienen“, sagt Marsch.

Sowohl der Revierförster Peter Hammer wie auch die Mitarbeiter der Firma, welche die Bäume fällen, würden auf Höhlenbäume, in denen zum Beispiel Spechte brüten könnten, und Vogelnester achten. „Wenn Bruthöhlen festgestellt werden, dann bleiben die Bäume stehen“, versichert Marsch. Arbeiten zur Waldbewirtschaftung sind von der Vogelschutzzeit ausgenommen, sagt auch Rainer Frenzel von der Unteren Naturschutzbehörde. Was aber nicht heißt, dass im Wald munter drauflos gewirtschaftet werden kann. Diese Gefahr besteht auch nicht, ist Frenzel überzeugt: „Unsere Förster sind zugleich auch unsere besten Naturschützer im Landkreis.“

Wer außerhalb der Waldpflege zwischen März und September einen Baum fällen oder eine Hecke beseitigen will, braucht aber auf jeden Fall eine Ausnahmegenehmigung. Die gibt es zum Beispiel, wenn ein Baum morsch und daher Gefahr in Verzug ist oder Bauarbeiten derartige Maßnahmen erfordern. Bei der Prüfung, ob eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden kann, wird auf den Vogelschutz besonderes Augenmerk gelegt, erklärt Rainer Frenzel. Trotzdem ist es zu begrüßen, wenn auch andere Naturfreunde wie die Klingenberger Kinder und ihre Erzieherin mit offen Augen durch die Welt gehen, findet Mario Marsch. „Wir merken es überall, dass die Leute sehr sensibel sind und sich für den Naturschutz einsetzen“, sagt er.

Deshalb habe schon vor den Fällarbeiten in Klingenberg der zuständige Revierförster eine Information an die Kindertagesstätte gegeben. „Wir wissen ja, dass eine Gruppe täglich im Wald ist“, erklärt Marsch. Möglicherweise ist die Information nicht bis zur Waldgruppe gelangt. „Wir sind gern bereit, den Kindern unsere Maßnahmen zur Waldpflege zu erläutern“, bietet der Forstamtschef der Kindertagesstätte an.