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Pirna

Kinder statt Künstler

Das Schloss soll für zwei Jahre Domizil des Schulhorts werden. Das ist ein Kompromiss, bei dem es nicht nur Gewinner gibt.

Fritz-Peter Schulze und Annerose Schulze haben im Mai die diesjährige Ausstellungssaison im Schloss Struppen eröffnet.
Fritz-Peter Schulze und Annerose Schulze haben im Mai die diesjährige Ausstellungssaison im Schloss Struppen eröffnet. © Archivfoto: Marko Förster

Am Ende sind die Struppener Eltern kurz irritiert. Hat der Gemeinderat es nun beschlossen oder nicht? Seit Monaten warten sie auf eine Entscheidung in Sachen Hort. Nun ist diese Entscheidung gefallen: für das Schloss. Etwas spät, finden die Eltern und sind trotzdem erleichtert. Für den Schlossverein ist es nicht ganz so einfach.

Das Problem: Mehr Kinder, weniger Platz

Schon seit Jahresbeginn machen die Eltern darauf aufmerksam, dass die Grundschule ab dem kommenden Schuljahr aus allen Nähten platzt. Sie sind Stammgäste bei den Ratssitzungen. Eigentlich ist es schön, dass es wieder mehr Kinder gibt und dass dieses Jahr zwei erste Klassen eingeschult werden. Der Haken an der Sache: Schule und Hort brauchen mehr Platz.

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Die Lösung: Das Schloss als Zwischenstation

Am Anfang sollte es das sein, was es anderswo auch oft ist: Raumcontainer. Doch diese Lösung ist nicht nachhaltig. So kam ein Gemeinderat auf die Idee, dass die Hortkinder vorübergehend in zwei Räume im Erdgeschoss des Schlosses ziehen könnten. Es gehört ohnehin der Kommune. Diese Variante hat den Vorteil, dass das in die Herrichtung investierte Geld gut angelegt ist. Es bleibt nämlich in der Gemeinde. Rund 100 000 Euro sind laut Schätzung nötig, unter anderem für neue Fenster und den Einbau einer Heizung. Prinzipiell sei der Einzug ins Schloss auch aus Sicht von Landratsamt und Landesjugendamt ein gangbarer Weg, sagt Bürgermeister Rainer Schuhmann (CDU) nach ersten Gesprächen. Dennoch hat auch die Schloss-Variante Nachteile. Einer ist, dass der Schlossverein die Räume damit zwei Jahre nicht mehr als Ausstellungsfläche nutzen kann. Ein weiterer, dass sie wohl frühestens ab den Winterferien für den Hort zur Verfügung stehen. Ein halbes Schuljahr geht es damit weiter beengt zu. Klar ist, dass das Schloss nur eine Übergangslösung sein soll. In zwei Jahren will die Gemeinde die alte Möbelhalle zum Schulhort umgebaut haben.

Die Bedenken: Verein will Bedeutung nicht verlieren

Der Schlossverein Struppen hat sich mit Galerie-Ausstellungen und Veranstaltungen etwas erarbeitet, das er nicht gefährden will. Nach langem Ringen wird er jetzt durch den Kulturraum gefördert, auch steigen die Besucherzahlen. Das Schloss ist zu einem über Struppen hinaus wichtigen Kulturort geworden. All das steht für den Verein auf dem Spiel. „Es hat mehrere Jahre gedauert, dies zu erreichen, und wird mit der Schließung der Galerie abrupt beendet“, hat Johannes Leder vom Verein den Gemeinderäten vor ihrer jüngsten Sitzung geschrieben.

Und doch trägt der Verein die Entscheidung mit. Vereinsvorsitzender Dirk Ihlenfeldt sieht die Notwendigkeit, das Problem gemeinsam zu lösen. Die Gemeinde will sich beim Kulturraum für den Erhalt der Förderung nach der Zwangspause einsetzen. Im Notfall müsse man einspringen, sagt der Bürgermeister, schließlich dürfe der Verein keine Nachteile haben. Ob das die Zweifler im Verein überzeugt, wird sich zeigen. Der Vorstand des Schlossvereines hat der zweijährigen Nutzung zugestimmt. Am 1. Juli gibt es eine weitere Vorstandssitzung.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/ort/pirna vorbei.

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