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Görlitz

Kinderbetreung in der Tagespflege?

Die Einrichtungen mussten zwar schließen, machen aber aus der Not eine Tugend - zum Beispiel in See, Rothenburg und Königshain.

Die unterrichtsfreie Zeit zuhause, in der Notbetreuung oder gar in einer derzeit leeren Tagespflege verbringen?
Die unterrichtsfreie Zeit zuhause, in der Notbetreuung oder gar in einer derzeit leeren Tagespflege verbringen? © Nikolai Schmidt

Wo bisher ältere Menschen betreut wurden, herrscht auf einmal Stille. Die Tagespflegen in der Region sind wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus geschlossen. Doch wie können die Einrichtungen in dieser schwierigen Zeit genutzt werden? Der Pflegedienst Kiese, der in See auch eine Tagespflege betreibt, wollte einen ungewöhnlichen Weg gehen.

Mitarbeiter-Kinder sind die Zielgruppe

"Wir haben uns schon einen Tag vor der staatlichen Festlegung zur Schließung entschlossen, weil wir die Übertragung des Virus so besser verhindern können. Deshalb tragen wir die aktuelle Regelung auch voll mit", sagt Markus Kiese. Außerdem machte er sich zusammen mit seiner Frau Gedanken, wie die verwaiste Tagespflege vorübergehend anderweitig genutzt werden könnte. "Wir hatten die Idee, hier Kinder unserer Mitarbeiter zu betreuen, damit die trotz Schließung der Kitas im Pflegedienst weiter aktiv sein können."

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Umgesetzt wurde das Ganze jedoch nicht. Denn: "Der Freistaat hat entschieden, in den Kindergärten eine Notbetreuung aufrechtzuerhalten. Das funktioniert gut. Der Nachwuchs der Beschäftigten in den Pflegeberufen ist damit weiter ordentlich aufgehoben", lobt Kiese. Die ursprünglich angedachte eigene Kinderbetreuung wäre sowieso "nicht das Nonplusultra" gewesen und hätte zudem ein gewisses Ansteckungspotenzial gehabt.

St. Martin sieht Bedarf bei Sieben- bis Elfjährigen

In die gleiche Richtung wird derzeit auch in der Diakone St. Martin überlegt. Sprecherin Doreen Lorenz: "Wir schauen, wie wir unseren Mitarbeitern mit Kindern am besten helfen können. Ideen sind da. Nun muss geprüft werden, wie sie umsetzbar sind." Dabei gehe es weniger um die Jüngsten, denn das Kindergartenalter sei durch die Notbetreuung in den Kitas abgedeckt. "Wir sehen eher Bedarf bei den Sieben- bis Elfjährigen, denen man noch nicht zumuten kann, einen ganzen Tag lang allein zu Hause zu bleiben."

Königshainer Tagespflege hilft bei Besorgungen

Die Tagespflege "Zum Hochstein" in Königshain pausiert aufgrund der derzeitigen Situation seit letzter Woche. Darüber informiert die Leiterin vom Reichenbacher Pflegeteam, Susann Kothe. „Wir bieten jetzt einen Einkaufsservice für Pflegebedürftige an“, sagt sie. Dafür könne der so genannte Entlastungsbeitrag – das sind im Monat 125 Euro – eingesetzt werden. „Den bekommen Menschen mit einem Pflegegrad. Er muss nicht beantragt werden“, erklärt Susann Kothe. Vielmehr kann diese Leistung der Pflegedienst direkt mit der Pflegekasse abrechnen. 

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Neben der Tagespflege in Königshain betreut das Team pflegebedürftige Menschen im Görlitzer Umland ambulant. 30 Mitarbeiter gibt es inklusive dem Fahrdienst. Die sechs Mitarbeiter vom „Zum Hochstein“ können nun den ambulanten Bereich unterstützen. Dafür habe es vonseiten der Kassen am Donnerstag „grünes Licht“ gegeben. „Unser ambulanter Pflegedienst macht ohne Einschränkungen und wie gewohnt weiter“, sagt Susann Kothe. Pflegebedürftige Menschen werden in den eigenen vier Wänden weiter versorgt. Neu ist, dass die Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen nun mit Mundschutz unterwegs sind.

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