merken
PLUS Großenhain

Millionen für neuen Kindergarten 

Wie viel der Bau Chladeniusstraße am Ende kosten wird, steht noch nicht fest. Aber Großenhains Räte bekennen sich klar zum Nachwuchs in der Stadt.

Die Leiterin der Großenhainer Kindertagesstätte Chladeniusstraße Kathleen Michel appellierte in der Sitzung am Mittwoch noch einmal an die Räte und bat um den lang erwarteten Neubau.
Die Leiterin der Großenhainer Kindertagesstätte Chladeniusstraße Kathleen Michel appellierte in der Sitzung am Mittwoch noch einmal an die Räte und bat um den lang erwarteten Neubau. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Als sich auch die letzte Stadtratsfraktion erklärt hat, gibt es kein Halten mehr: Kathleen Michel schlägt die Hände vors Gesicht. Es ist genau 20.15 Uhr, als die Strapazen von der Leiterin des Großenhainer Kindergartens Chladeniusstraße abfallen. Vorbei die Unsicherheit und das Bangen, ob sich die Räte am Ende nicht doch noch gegen das jahrelang erarbeitete Neubaukonzept entscheiden. 

Zu teuer, eine Spur zu prunkvoll gar, nicht zu vertreten gegenüber jenen Einrichtungen, die wie Skäßchen oder Strauch auch noch nicht saniert sind, hieß es plötzlich. Also all die Mühen umsonst? Also alles wieder auf Anfang? Die Gesichter von Erziehern, Eltern und Großeltern, all jenen, die an diesem Mittwochabend im Ratssaal Platz genommen hatten, schienen Bände zu sprechen.

Anzeige
Indische Festwoche bei Teppich Schmidt
Indische Festwoche bei Teppich Schmidt

Die Woche vom 4. bis 9. Oktober findet bei Teppich Schmidt im orientalischen Stil statt und ist mit vielen Gewinnspielen und Sonderaktionen verbunden.

 „Uns ist vollkommen klar, dass es heute um alles geht“, bekannte eine Zuhörerin bereits zu Beginn der Sitzung und nestelte nervös an ihrem Taschentuch. Dass sie es über zwei Stunden später brauchen wird, um sich die Tränen der Rührung abzutupfen, ahnt die Röderstädterin in diesem Moment sicher noch nicht.

Denn tatsächlich: Dem Projekt, welches im August 2017 mit dem Votum von Räten und Verwaltung favorisiert, das gemeinsam mit der Kindereinrichtung und dem Trägerverein "Lustiger Tausendfüßler" bis ins Detail weiterentwickelt und planerisch vorangetrieben worden war, drohte seit Dezember das Aus.

 Zumindest in der Form, auf die sich alle Beteiligten eigentlich geeinigt hatten. Den Entwurf des Planungsbüros TSSB architekten.ingenieure aus Dresden nämlich, welcher aus einem Wettbewerb als Sieger hervorgegangen war. Ein eingeschossiger ebenerdiger Baukörper mit begrüntem Flachdach, der die Gruppenräume gewissermaßen als einzelne Häuser wahrnehmen lässt, mit ausgedehnten Glasfronten den kleinen Bewohnern das Gefühl vermitteln soll, sowohl drinnen als auch draußen zu sein und auf eine großzügige Außengestaltung setzt. 

Nicht mehr zeitgemäss: Noch ist alles beim Alten. Nach dem Willen des Großenhainer Stadtrates soll die ursprünglich als reiner Kindergarten Anfang der 1980er gebaute Einrichtung Chladeniusstraße nun endlich  abgerissen werden.
Nicht mehr zeitgemäss: Noch ist alles beim Alten. Nach dem Willen des Großenhainer Stadtrates soll die ursprünglich als reiner Kindergarten Anfang der 1980er gebaute Einrichtung Chladeniusstraße nun endlich  abgerissen werden. © Archivfoto: Klaus-Dieter Brühl

"Das vergangene Jahr hat uns wirklich nachhaltig geprägt! Wir sind der Stadt Großenhain für die Möglichkeit der intensiven Zusammenarbeit sehr dankbar, denn es ist auf dem Papier eine wirklich ganz tolle Kita entstanden", sagte Kathleen Michel am Beginn der Sitzung. Umso niederschmetternder sei es gewesen, als man im Dezember vom Planungsstopp erfahren habe.

Einer, der verhindern könne, dass die Kinder, Eltern und Erzieher, ja auch sie selbst, nach Jahren des geduldigen Wartens endlich in den Genuss neuer zeitgemäßer Räumlichkeiten kommen. In einem emotionalen Appell bat sie Räte und Stadtväter deshalb eindringlich darum, an der bisherigen Variante festzuhalten.

Allerdings: An diesem Abend standen tatsächlich drei zur Wahl. Nachdem man Ende vergangenen Jahres bemerkt habe, dass die Kosten mit knapp vier Millionen Euro den einst gesetzten finanziellen Rahmen von 1,9 Millionen Euro sprengen, sei vorübergehend die Notbremse gezogen worden.

Es wäre der Punkt gekommen, so Oberbürgermeister Sven Mißbach (parteilos), an welchem man gemeinsam mit den Stadträten entscheiden müsse, wie es jetzt weitergehe. Abgesehen davon, dass der Verwaltungschef ebenso wie Stadtbaudirektor Tilo Hönicke (CDU) keinen Hehl daraus machte, das aufwendig entwickelte Projekt ohne Abstriche realisieren zu wollen, wies er auf die möglichen Alternativen hin.

Einerseits könne der Stadtrat den Grundsatzbeschluss aus dem Jahr 2017 aufheben, die Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro werde beendet und anstelle des Neubaus würde doch eine mehrfach verworfene Sanierung des asbestbelasteten Gebäudes treten. Die geschätzten Kosten beliefen sich dabei auf gut zwei Millionen Euro.

Andererseits bliebe die Variante, zwar neu zu bauen, aber unter anderen Vorgaben ein erneutes Ausschreibungsverfahren durchzuführen. Als Kostenobergrenze werde dann eine Bruttogesamtgröße von drei Millionen Euro vorgegeben.

Drei Millionen, die zunächst verlockend für einige Stadtratsfraktionen schienen. Im Bemühen, das ohnehin nie prall gefüllte Stadtsäckel im Auge zu behalten und auch bei den übrigen Kindertagesstätten keine Begehrlichkeiten zu wecken, plädierten die CDU, "Gemeinsam für Großenhain" und auch die AfD für eine abgespeckte Version.

Für die Erzieher und Eltern in den Zuschauerreihen eine niederschmetternde Wendung. Zu lange hatten sie darauf hingelebt, dass an die Stelle des am 10. Januar 1983 als dreigeschossiger Komplex eröffnetes Gebäude ein modernes Haus tritt. Eines, zu dem ihr offenes pädagogisches Konzept passt. In das Kinder gern gehen und Eltern ihre Schützlinge unbesorgt gern gehen lassen.

Gedanken, die Sebastian Bieler inmitten der Debatte eine Stimme verlieh. "Ich bin uneingeschränkt dafür, dass wir das machen! Was gewinnen wir für die Zukunft, wenn wir den Prozess jetzt aufhalten", gab das Mitglied von "Wir in Großenhain" zu bedenken. Tilo Hönicke indes bekannte, sich wie im falschen Film zu fühlen. Schließlich seien es doch 2018 die Stadträte gewesen, die ihn und die Verwaltung beauftragt hätten, in enger Zusammenarbeit mit der Kindertagesstätte eine entsprechende Planung zu erarbeiten. Diese liege nun vor. Ein Haus, das im Landkreis Maßstäbe setzen werde, und das Beste wäre, was Kindern passieren könne.

"Ich werde mich nicht für drei Millionen Euro hergeben! Denn ich weiß es besser, dass das nicht funktionieren wird! Dafür bekommen wir vielleicht eine stinknormale Kita, aber nicht dieses Gebäude, das alles vereint, was der Trägerverein, Erzieher, Eltern und vor allem unsere Kleinen sich wünschen", mahnte Tilo Hönicke aufgebracht.

Weiterführende Artikel

Kita: Kriegsbeil nun endlich begraben

Kita: Kriegsbeil nun endlich begraben

Auch auf der jüngsten Großenhainer Stadtratssitzung wird das Vorhaben zum umstrittenen Thema. Fortsetzung folgt - hoffentlich nicht.

Nachhaltige Worte des kommunalpolitischen Altmeisters, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Nach einer zehnminütigen Beratungspause erklärten die Stadträte - unter der Maßgabe, die Verwaltung solle dennoch nach Einsparvarianten suchen - mehrheitlich ihre Zustimmung zum Neubau auf der Chladeniusstraße. Um genau 20.15 Uhr, als die Anwesenden in den hinteren Reihen spontan applaudieren - und Kathleen Michel die Hände vors Gesicht schlägt.    

  Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain