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Neschwitz will einen Neubau für die Kita

Das vorhandene Gebäude hat viele Mängel. Eine Sanierung wäre nur die zweitbeste Lösung. Ein neues Haus gibt es allerdings nur unter einer Voraussetzung.

Der Neschwitzer Bürgermeister Gerd Schuster ist zufrieden. Die Sanierungspläne für das Kinderhaus sind vorerst vom Tisch. Der Gemeinderat gab stattdessen grünes Licht für einen Neubau.
Der Neschwitzer Bürgermeister Gerd Schuster ist zufrieden. Die Sanierungspläne für das Kinderhaus sind vorerst vom Tisch. Der Gemeinderat gab stattdessen grünes Licht für einen Neubau. © SZ/Uwe Soeder

Neschwitz. Zweifellos war es keine leichte Abwägung, die die Neschwitzer Gemeinderäte in ihrer Sitzung am Dienstagabend treffen mussten. Dass sie irgendwo zwischen Gefühl und Vernunft stattfand, brachte Gemeinderätin Ramona Clauß (Gemeinschaft der Vereine) auf den Punkt, als sie sagte: "Mein Herz sagt ja, aber mein Verstand fragt: Seid Ihr des Wahnsinns?"

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Was die Räte in diesen Zwiespalt stürzte, war die Frage nach einer Lösung für die Probleme des DRK-Kinderhauses "Max und Moritz". Die ist aus zwei Gründen zwingend erforderlich: Die Liste der baulichen Mängel des 1989 errichteten Plattenbaus an der Puschwitzer Straße reicht von undichten Fugen in der Fassade über veraltete Haustechnik bis hin zu enormer Lärmbelastung aufgrund der schlechten Akustik im Gebäude.

Hinzu kommt akute Platznot: Therapie- oder Rückzugsräume gibt es genauso wenig wie Lager- oder Personalräume. Auch das Angebot an Eltern-Parkplätzen ist viel zu gering. Die Folgen all dieser Probleme werden sich bis zum Sommer noch verschärfen. Dann gerät das Kinderhaus nach Schätzungen von Bürgermeister Gerd Schuster (CDU) hinsichtlich seiner Auslastung endgültig an seine Grenzen.

"Es muss grundlegend was passieren", betonte Gerd Schuster deshalb am Dienstag mehrfach. Zwei Optionen hatte die Gemeinde dafür im Vorfeld abgesteckt und grob kalkuliert. Ein Neubau, so die ersten Schätzungen, sei für etwa 3,7 Millionen Euro zu realisieren. Eine Sanierung und Erweiterung des Bestandsgebäudes würde etwa eine Million weniger kosten. "Allerdings müssten wir dann eine Notunterkunft für die Zeit der Bauarbeiten organisieren. Und was das kostet, kann man genauso wenig abschätzen wie die Kostenentwicklung bei der Arbeit in einem bestehenden Gebäude", so Schuster.

Fast alles spricht für den Neubau

Für die teurere Variante spricht sich nicht nur die Gemeindeverwaltung, sondern auch Kita-Leiterin Susan Schramm aus. "Es geht nicht nur um die schöne Hülle, sondern auch um die Qualität der Arbeit", sagt sie und verbindet mit den Möglichkeiten eines Neubaus auch den Anspruch, ein zeitgemäßes Konzept in der Kinderbetreuung durchzusetzen. Schramm spricht von großen Zimmern mit flexiblen Zwischenwänden, von einem Kinder-Restaurant für gemeinsame Mahlzeiten, von der vernetzten Kita und Räumen für die Mitarbeiter. Sie betont: "Auch wenn wir hier auf dem Dorf sind, dürfen wir den Anschluss an die Stadt nicht verpassen. Ich möchte nicht, dass unsere Kinder eine Bildungschance verpassen."

Grundschule, Jugendherberge, Sportverein: Auf dem verkehrsberuhigten Areal zwischen Kamenzer Straße und Kastanienallee in Neschwitz ließe sich ein Bildungszentrum etablieren. Der neue Kindergarten wäre ein weiterer Schritt in diese Richtung.
Grundschule, Jugendherberge, Sportverein: Auf dem verkehrsberuhigten Areal zwischen Kamenzer Straße und Kastanienallee in Neschwitz ließe sich ein Bildungszentrum etablieren. Der neue Kindergarten wäre ein weiterer Schritt in diese Richtung. © SZ/Uwe Soeder

Einen geeigneten Standort für den Neubau haben die Verantwortlichen bereits im Blick: "Wir haben zuerst in Richtung Grundschule gedacht, um dort ein Bildungszentrum zu schaffen", sagt Gerd Schuster. Der Vorteil der Synergien, die dadurch hervorgerufen würden, liegt für Susan Schramm auf der Hand: "Ein gemeinsamer Spielplatz, ein gemeinsamer Sportplatz, kurze Wege, die Lage im verkehrsberuhigten Bereich", zählt sie auf.

All das ist einleuchtend, und es hätte vermutlich keine Diskussion gegeben, wäre da  nicht ein notorischer Engpass im Gemeindehaushalt. "Der Kita-Neubau ist ein Vorhaben, das die Gemeinde in Gänze fordern würde", betont Schuster deshalb. 

Neues Förderprogramm macht Hoffnung

Aber er hat auch eine Hoffnung. Die trägt den sperrigen Namen Strukturänderungsgesetz und sieht vor, die vom Kohleausstieg betroffenen Regionen in vier Bundesländern mit insgesamt 40 Milliarden Euro zu unterstützen. Besonders interessant daran ist der Fördersatz: Unterstützung von 90 Prozent winkt jenen Kommunen, die eine Fördermittel-Zusage bekommen. Das ist ungewöhnlich viel und wird deshalb auf eine hohe Nachfrage treffen, ist Schuster sich bewusst. Er betont aber auch: "Alles, was unter 90-prozentiger Förderung ist, können wir nicht finanzieren."

Vor diesem Hintergrund einigten sich die Räte in ihrem Grundsatzbeschluss einstimmig darauf, einen Kita-Neubau der Sanierung des Bestandsgebäudes vorzuziehen – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass das Vorhaben tatsächlich mit 90 Prozent gefördert wird. Jetzt muss die Gemeinde schnell handeln: Ihre Aufgabe ist es, mehrere Angebote einzuholen und parallel die Finanzierung des Projektes voranzutreiben.

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- Was ist der Familienkompass? Der Familienkompass ist eine sachsenweite Umfrage von Sächsische.de, LVZ und Freie Presse, wissenschaftlich begleitet von der Evangelischen Hochschule Dresden.

- Worum geht es? Wir wollen wissen: Wie kinder- und familienfreundlich sind die einzelnen Gemeinden und Städte im Freistaat? Dafür brauchen wir Ihre Hilfe. Alle Ergebnisse werden wissenschaftlich ausgewertet und nach der Befragungsphase intensiv für unsere Leser aufbereitet.

- Wann? Die Befragung findet bis zum Beginn der Sommerferien statt.

- Wie kann ich mitmachen? Den Fragebogen finden Sie unter www.sächsische.de/familienkompass.

- Was passiert mit meinen Daten? Die Daten der Befragung werden streng vertraulich behandelt und ohne Personenzuordnung wissenschaftlich ausgewertet. Und als Dankeschön für die Zeit wartet ein tolles Gewinnspiel. 

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