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Bautzen

Bautzener Kindermode-Geschäft schließt

Nach sieben Jahren gibt Olivia Jakschik ihren Laden auf. Das hat nichts mit der Corona-Krise zu tun.

Den Laden kap:un an der Goschwitzstraße in Bautzen hat Olivia Jakschik geschlossen. Jetzt bietet sie übers Internet Stoff-Pakete an.
Den Laden kap:un an der Goschwitzstraße in Bautzen hat Olivia Jakschik geschlossen. Jetzt bietet sie übers Internet Stoff-Pakete an. © Carmen Schumann

Bautzen. Seit Donnerstag muss auch Olivia Jakschik ihr Geschäft geschlossen halten. Eigentlich wollte sie noch bis zum 30. April ihren Kindermode-Laden Kap:un an der Goschwitzstraße in Bautzen für einen Ausverkauf öffnen. Dann wäre nach sieben Jahren sowieso Schluss gewesen. Nun kommt das Ende etwas früher.

Am 14. März hat Olivia Jakschik noch das siebenjährige Bestehen ihres Geschäfts gefeiert. In diesen sieben Jahren sei ihr und ihren beiden Mitarbeitern der Laden mit seinen Besuchern und Kunden sehr ans Herz gewachsen, sagt sie. Eine Zeit, die sie und auch ihre Kunden bereichert habe. So hörten sie  oft zu, wenn jemand ein Problem auf dem Herzen hatte.

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Doch von Anfang an sei ihr klar gewesen, dass sie das nicht ein Leben lang machen würde. Zumal ihre Kinder jetzt aus der Altersgruppe raus seien, an die sich die Angebote des Kindermode-Geschäfts hauptsächlich richteten. "Meine Lebenswelt ist sozusagen der Zielgruppe entwachsen“, sagt die Händlerin. Als Selbstständiger müsse man 300-prozentig hinter seiner Sache stehen. Dies falle ihr zunehmend schwerer.

So hat Olivia Jakschik für sich nun einen neuen beruflichen Plan. Als vor einiger Zeit der Unterrichtsausfall an den Schulen ihrer Kinder akut wurde, fasste sie den Entschluss, als Seiteneinsteigerin in den Schuldienst zu gehen. Zu ihrer Überraschung wurde ihrer Bewerbung sehr schnell stattgegeben. Wenn nun Pandemie-bedingt nicht noch etwas dazwischenkommt, kann die studierte Ingenieurin für Bio-Verfahrenstechnik am 1. Mai mit einem Lehrgang für Seiteneinsteiger beginnen. 

Zweites Studium geplant

Ihr Ziel sei es, das Fach WTH - also Wirtschaft, Technik, Haushalt und Soziales - zu unterrichten, später auch Chemie. Deshalb will sich Olivia Jakschik perspektivisch für ein berufsbegleitendes Studium an einer Universität bewerben. Ihre beiden Mitarbeiterinnen haben ab dem 1. April neue Jobs.

Die vielen Stoffe, die Olivia Jakschik noch am Lager hat, wird sie jetzt online verkaufen. Sie vermutet, dass unter der Coronakrise der stationäre Handel noch mehr zu leiden haben wird, als es ohnehin schon seit drei, vier Jahren zu beobachten sei. Wenn die Leute sich jetzt noch stärker dem Online-Handel zuwenden, kehrten sie nach der Krise wohl kaum zum örtlichen Einzelhandel zurück, vermutet sie.

Die jetzt angeordneten Schließzeiten machten die Sache nicht einfacher. „Ich mache mir große Sorgen um die Zukunft der Händler und Gastronomen in Bautzen“, sagt Olivia Jakschik. Denn kaum einer habe die Reserven, um eine solche Durststrecke zu überstehen. Zumal viele Händler die Sommerware schon eingekauft hätten und die Zeit um Ostern sonst immer eine sehr umsatzstarke gewesen sei.

Vor zwei Jahren habe sie sich noch nicht vorstellen können, den Laden zu schließen, sagt Olivia Jakschik rückblickend. Denn er sei mehr als ein Geschäft, sondern ein regelrechter sozialer Treffpunkt gewesen. Das Ganze habe nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine emotionale Seite gehabt. Falls es die Umstände  zulassen, möchte Olivia Jakschik bis zum Sommer noch kleinere Verkaufsaktionen an Sonnabenden starten. „So ganz verschwinden wir also noch nicht“, sagt sie.

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