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Kinderreise in die Bahngeschichte

Auf Schloss Klippenstein drehte sich gestern alles rund ums Zugfahren. Und um Fantasie.

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Von Bernd Goldammer

Mit der Ausstellung „Dresden Radeberg“ erweist sich Schloss Klippenstein einmal mehr als einzigartiger Museumsort. „Es fährt ein Zug nach Radeberg“ lautete dementsprechend der Titel eines einzigartigen Ferienangebotes, das sich an Ferienkinder richtet. Mitten durch die Exponate-Sammlung von Johannes Lehmann zischte gestern Nachmittag die Fantasie- Lok mit ihren vielen Anhängern. Erste Station war die Konzertgarderobe. Hier wurde der Zug erst Traumrealität! Die Kinder schlossen die Augen und lauschten der Original-Akustik des Dresdner Hauptbahnhofes. Kindliche Fantasie entfaltet sich schnell, deshalb hörten die Kleinen schon bald das Treiben auf den Bahnhöfen der sächsischen Landeshauptstadt. Züge aus ganz Deutschland fahren ein. Lokführer blicken mit rußgeschwärzten Gesichtern auf die Bahnsteige, Bremsen quietschen, bis die Züge stehen. Türen knallen auf, Liebende fallen sich freudestrahlend in die Arme. Gepäckträger bieten laut rufend ihre Dienste an. Bockwurstverkäufer machen den Ankommenden die Münder mit leckeren Kamenzern wässrig. „Erstmalig im Angebot“ wird gerufen... Andere Liebespaare sind zum Essen nicht aufgelegt. Sie müssen Abschied nehmen. Ein letzter Kuss, dann werden Türen zugeschlagen und Abschiedstränen kullern. Auch die Schaffner werden manchmal traurig, doch sie können den Liebenden keine Sekunde schenken. Pünktlichkeit war oberstes Gebot. Die grüne Kelle ging hoch und gleich danach ein gellender Pfiff. Aus den Essen der eisernen Loks kommen kraftvolle Dampfstöße. Sie stoßen bis an die Bahnhofsdächer hinauf. Überall riecht es nach einer Mischung aus Kohle und Dampf. Nach dieser Einstimmung fährt der Fantasiezug zur nächsten Station. Neustadt und Klotzsche, fährt nach Langebrück. Hier steigen Kurgäste ein und aus. In Radeberg hält der Zug ein weiteres Mal... Während der musealen Reise erfahren die Kinder nun, wie die Bahnstrecke überhaupt in die heutige Bierstadt kam und wie segensreich sie sich auf deren wirtschaftliche Entwicklung auswirkte. Baubetriebe schossen wie Pilze aus dem Boden. Fabriken, in denen die Leute Arbeit fanden, entstanden. König Zufall beflügelt die Fantasie: Johannes Lehmann, der Mitgestalter dieser Ausstellung und Leihgeber vieler Exponate, war auch im Schloss. Und er begrüßt die Kinder auf der Fahrt im Fantasiezug. Ihre Neugier kann er verstehen. Sie hat ihn ja selbst zu einem begeisterten Eisenbahnfreund gemacht. Und auch er ist neugierig. „Wie werden die Kinder an Station drei ihre Erlebnisse umsetzen? Dort ist bereits die Knete ausgelegt, damit die jungen Lokdesigner ans Werk gehen können. Danach ist die Reise längst noch nicht zu Ende. An der nächsten Station dürfen die Kinder Schaffner spielen. So wie es zu den Zeiten üblich war, als auf der Bahnlinie von Dresden nach Radeberg die ersten Dampflokzüge fuhren...