merken

Kinderzimmer für den Truppenübungsplatz

Die Reform der Bundeswehr läuft. Auch in der Oberlausitz wird kräftig umgebaut. Die Region profitiert davon.

Von Alexander Kempf

Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

Ist das schon die Handschrift von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen? Seit Ende Oktober gibt es auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz ein sogenanntes Eltern-Kind-Arbeits-Zimmer. Dort können Mama und Papa den Nachwuchs im Notfall auch mal mit zur Arbeit nehmen. Das bedeutet mehr Service für die Mitarbeiter mit Kindern, erklärt Major René Pierschel. Der Kommandant des Truppenübungsplatzes Oberlausitz lässt beim traditionellen Neujahrsempfang noch einmal Revue passieren, was 2014 alles geschafft worden ist. Der kinderfreundliche Arbeitsplatz sticht dabei zwischen anderen Projekten hervor. Eine neue Schießbahn oder ein neues Munitionslager sorgen nicht für Staunen. Eine kinderfreundliche Kaserne aber überrascht. Er hofft, dass dieses Zimmer dazu führt, dass sich die zivilen Mitarbeiter und Soldaten wohlfühlen, sagt der Major. „Denn nur, wer sich wohlfühlt, der bringt auch die entsprechende Leistung.“

Vorgenommen haben sich der Kommandant und seine Truppe für dieses Jahr viel. „Der Truppenübungsplatz muss sich neu aufstellen“, sagt er sehr deutlich. Denn mit dem Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan ist die Zahl der Ausbildungen in der Oberlausitz „massiv“ zurückgegangen. Die Belegung des Truppenübungsplatzes ist im vergangenen Jahr auf 10 365 Soldaten gesunken, dem niedrigsten Wert seit 1998. Mit gutem Service will Major René Pierschel den Standort weiterhin für die Bundeswehr und andere Armeen attraktiv halten. Dafür braucht es nicht nur motivierte Mitarbeiter, sondern auch eine gute Ausstattung, die „größere und komplexe Übungen möglich machen“. In diesem Jahr sollen zum Beispiel zwei Schießbahnen modernisiert werden. Eine stehe regelmäßig unter Wasser und sei von den niederländischen Soldaten schon „Badewanne“ getauft worden. Gerüchteweise hätten sie sogar in ihr gebadet, scherzt der Kommandant, um dann ernst hinzuzufügen: „Wegen der elektrischen Anlagen besteht hier Gefahr für Leib und Leben.“

Den Überschwemmungen zum Trotz ist der Truppenübungsplatz bereits jetzt technisch gut aufgestellt, zeigt der Kommandant in einem Vortrag auf. Im vergangenen Jahr sind jeweils mehr als eine halbe Million Euro in ein neues Munitionslager für Handwaffen und eine Tankplatte geflossen, die sicherstellt, dass keine Schadstoffe im Boden versickern. Für eine Viertelmillion Euro ist zudem eine Großwerkstadt entstanden. So können Fahrzeuge schnell vor Ort repariert werden. Dieser Service ist ein wichtiger Standortvorteil. Denn trainiert wird ja fernab der Heimat.

Eine besonders weite Anreise hat das Militär aus Singapur. Das soll ab dem Jahr 2016 in der Oberlausitz trainieren. Im Frühjahr und Herbst sind dann jeweils rund 500 Soldaten vor Ort, kündigt Major René Pierschel an. „Wir werden 2015 noch viele Vertragsgespräche führen, um diesen Auftrag zu übernehmen“, sagt er. Bisher haben die südostasiatischen Streitkräfte auf einem anderen deutschen Truppenübungsplatz trainiert. Doch durch die Bundeswehrreform verschiebt sich einiges. Die Truppenübungsplätze werden ab sofort in drei neue Bereiche zusammengefasst. Die Oberlausitz verliert so formal ihre Eigenständigkeit und zählt zum neuen Gebiet Ost. Für den Kommandanten Major René Pierschel wird das mehr Abstimmungen mit sich bringen. Doch den Dialog scheut er nicht. Beim Neujahrsempfang wirbt er außerdem für ein gutes Miteinander mit den Anrainern. „Ich weiß, dass das Leben an einem Truppenübungsplatz nicht immer konfliktfrei ist“, sagt er. Ein stiller Partner werde der Truppenübungsplatz auch 2015 nicht sein. Falls es jedoch Beschwerden über den Lärm gibt, wünscht sich der Kommandant eine direkte Kommunikation. „Meine Tür steht für alle offen“, sagt er.

Den jährlichen Tag der offenen Tür hingegen, der 2014 immerhin 6 500 Besucher angelockt hat, wird es in dieser Form künftig nicht mehr geben. „Mein Ziel ist es, diesen Tag alle drei Jahre zu veranstalten“, sagt Major René Pierschel. Der Aufwand sei für das kleine Team schlicht zu groß. Denn kaum ist ein Besuchstag vorbei, müssten schon die Vorbereitungen für den im nächsten Jahr beginnen. Alternativ wird es 2015 jedoch zwei Wandertage für Interessierte auf dem Truppenübungsplatz geben.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.