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Hat eine Bernstädterin ihr Baby getötet?

Die 19-Jährige sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Sie soll den drei Monate alten Säugling so stark misshandelt haben, dass das Kind inzwischen gestorben ist.

Wenn Eltern zur Gefahr für ein Kind werden: Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt zum Tod eines Babys in Bernstadt.
Wenn Eltern zur Gefahr für ein Kind werden: Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt zum Tod eines Babys in Bernstadt. © dpa-Zentralbild

Polizei und Staatsanwaltschaft befassen sich derzeit mit einem tragischen Vorfall, der sich vor einer Woche ereignet hat. Demnach soll eine 19-Jährige, die in Bernstadt lebt, am Dienstagabend ihr kleines Baby so schwer misshandelt haben, dass das Kind in der Folge an den Verletzungen im Dresdner Uniklinikum gestorben ist. Der Fall ist zudem verworren, weil neben den Görlitzer Behörden auch die Dresdener involviert sind.

Fest steht nach Angaben von Christopher Gerhardi, Sprecher der Staatsanwaltschaft Görlitz, dass in dieser Angelegenheit gegen eine 19-Jährige ermittelt wird. Sie sitze derzeit in der Justizvollzugsanstalt Chemnitz. Den Angaben zufolge ist ihr erst drei Monate alter Säugling nach dem Vorfall vom Dienstagabend voriger Woche in Bernstadt  später an den Folgen der Verletzungen im Uniklinikum in Dresden verstorben.

Dresdner Behörden mussten schnell handeln

Da der Fall zunächst bei der Dresdner Polizei und der dortigen Staatsanwaltschaft bekannt wurde, haben die Behörden der Landeshauptstadt die Ermittlungen aufgenommen und die ersten Schritte in die Wege geleitet. Jürgen Schmidt, Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft, erklärte, dass die Beschuldigte noch im Dresdner Uniklinikum vorläufig festgenommen worden ist.

Die Staatsanwaltschaft Dresden habe wegen des Verdachtes gegen die Frau "einige eilbedürftige Maßnahmen" veranlasst. Als Haftgrund nannte der Dresdner Staatsanwalt Fluchtgefahr. Weiter bearbeitet wird der Fall nun von der Görlitzer Staatsanwaltschaft, weil sich der Vorfall in Bernstadt ereignet haben soll. Die Akten sind derzeit auf dem Weg nach Görlitz.

SZ-Informationen zufolge war die Mutter des Babys den Behörden hier vor Ort bereits bekannt: Der Landkreis bestätigte auf Nachfrage, dass das Jugendamt die junge Mutter - die auf Facebook selbst angibt, zwei Kinder zu haben - bereits unterstützt hat. "Die Familie war in laufender Betreuung", teilte Kreissprecherin Julia Bjar mit.

Auf den Vorfall angesprochen erklärte sie, dass man mit Blick auf die laufenden Ermittlungen und die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen keine weiteren Angaben zur Art der Betreuung machen könne. Zum Grund für die Betreuung und auch zu der Frage, ob das erste Kind der Frau bei ihr lebte oder anderswo untergebracht war, dazu wollte sich der Kreis nicht äußern. 

Ermittlungen noch ganz am Anfang

Auch die Polizeidirektion Görlitz hält sich mit Auskünften derzeit sehr zurück und bestätigt lediglich das laufende Untersuchungsverfahren, das klären soll, was genau geschehen ist. "Wir geben in solchen sensiblen Fällen vorschnell keine Informationen raus", teilt Sprecherin Anja Leuschner auf Nachfrage mit.

Eine zu rasche Vorverurteilung sei für die betroffenen Familien und auch Kinder eine schwere Hypothek für das künftige Leben - vor allem, wenn sich herausstellt, dass die Vermutung nicht zutreffend war. "Deswegen geht es uns vor allem um den Schutz der Betroffenen, solange die Dinge noch unklar sind", betont Frau Leuschner.

Auch Staatsanwalt Christopher Gerhardi betont, dass man noch ganz am Anfang der Ermittlungen stehe. So müsse neben dem genauen Hergang des Vorfalls auch geklärt werden, ob weitere Personen - beispielsweise der Vater des kleinen Jungen - involviert waren. Nach SZ-Informationen soll die junge Mutter überfordert gewesen sein und das Kind auf den Boden geworfen haben.

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Ob dies zutrifft und die Ursache für die Verletzungen war oder zudem weitere Anhaltspunkte für Misshandlungen des Kindes bestehen, wird in der Obduktion geklärt. Auch die Rolle des Jugendamtes müsse in diesem Zusammenhang betrachtet werden, erklärte Staatsanwalt Gerhardi.

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