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Dresden

Kindsmord-Prozess: War Rache das Motiv?

Ein 56-jähriger Dresdner soll seine Töchter umgebracht haben. Wurde der Angeklagte betrogen?

Eduardo A. soll seine beiden Töchter ermordet haben. Die Suche nach dem Motiv wird länger dauern.
Eduardo A. soll seine beiden Töchter ermordet haben. Die Suche nach dem Motiv wird länger dauern. © Sven Ellger

Im Mordprozess gegen Eduardo A., einen 56-jährigen Krankenpflegehelfer aus Dresden, gibt es eine Überraschung. Der Mosambikaner, der Anfang der 80er-Jahre als Vertragsarbeiter nach Sachsen kam, soll im Juli 2018 seine beiden drei und sechs Jahre alten Töchter getötet haben. Als Mordmotiv geht die Staatsanwaltschaft von Rache an der Ehefrau aus. Die 34-Jährige hatte sich von A. getrennt, nachdem er sie an Silvester 2017 geschlagen hatte.

Am Freitag hat eine Arbeitskollegin der Mutter in dem Prozess am Landgericht Dresden berichtet, es sei das Gerücht herumgegangen, dass A.s Ehefrau eine Affäre mit einem anderen Mann gehabt habe. Das habe ein Bekannter angeblich auch dem gehörnten Ehemann gesteckt. Dieser Verdacht könnte erklären, warum „Eddie“ A. 2017 seine Frau geschlagen habe. Sie selbst berichtete von zwei Taten, andere Zeugen sogar von weiteren körperlichen Übergriffen – andere wiederum von gar keinen.

In der fünfwöchigen Hauptverhandlung ist bisher über den Angeklagten sehr wenig bekannt geworden – und das Wenige ist oft ambivalent. Es will nicht zu der grausamen Tat passen. Seine Frau beschrieb den Angeklagten als zuletzt aggressiv mit erheblichem Alkoholproblem. Seine langjährige Arbeitskollegin in der geriatrischen Abteilung eines Dresdner Krankenhauses dagegen als einen sehr sympathischen, hilfsbereiten Kollegen, bei dem ihr nie eine Alkoholfahne aufgefallen sei.

Aufgrund der neuen Entwicklung will das Landgericht Dresden weitere Zeugen vernehmen. Das Schwurgericht vereinbarte Termine bis zum 23. Mai.