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Kino: Auf den Abspann folgt nun das Ende

Die großen Pläne für das Berthelsdorfer Kino sind gescheitert. Pächter Norbert Schade, der hier ein Veranstaltungshaus führen wollte, hat sich zurückgezogen und ist von der Bildfläche verschwunden.

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Von Torsten Töpler

Berthelsdorf. Die Farben der einst so bunten Schaukastenzettel sind ausgeblichen, die immer noch angekündigte „Kino-Fete“ ist nun schon über ein viertel Jahr Filmgeschichte. Kein „Happyend“ mehr im ehemaligen Berthelsdorfer Kino.

Seit der Eröffnung gibt es vom Pächter keine Spur

Zerborstenes Glas liegt im inneren Einlassbereich. Ein paar volle Flaschen stehen in dem kleinen Kassenraum. Darüber werben noch immer solide DDR-Preise: „Sperrsitz 1.20 M“ oder „Kulturbeitrag 0,05 M“. „Mitunter waren alle drei Tagesveranstaltungen an den Wochenenden ausverkauft“, erinnert sich Gerd Krumpolt an alte rauchige Filmschinken wie „Die glorreichen Sieben“. „Von Löbau“, erzählt der Berthelsdorfer Fleischermeister, „gab es sogar einen Bus-Pendelverkehr“. Denn die wenigen Filmkopien reichten nicht für alle Filmspielhäuser.

Doch das ist Jahrzehnte her. Kaum Betrieb, berichtet Krumpolt, wäre zur Kino-Fete im letzten Mai gewesen. „Er hat es versucht, und es hat eben nicht geklappt“, nimmt er das Scheitern des neuen Pächters eher locker. „Gar nichts mehr ist passiert“, wettert dagegen Günter John. Sogar die Schlüssel habe die Gemeinde immer noch nicht zurückerhalten. Der Berthelsdorfer Bürgermeister ist verärgert: „Schlimm ist, dass man solche Leute nicht vom Markt ziehen kann.“

Weder der hier aufgetretene Geschäftsführer Norbert Schade, noch ein anderer der Pächter-Firma, habe sich mehr sehen lassen. Die Entscheidung für den Pachtvertrag mit der polnischen Plakat- und Veranstaltungsagentur hatte sich der Gemeinderat nun wirklich nicht leicht gemacht. Doch letztlich überwog die Hoffnung auf guten Ausgang. Am 29. April unterzeichneten beide Parteien. Vom 2. bis 4. Mai fand die vollmundig angekündigte Eröffnungsparty statt.

„Der hat doch mit keinem Menschen mal geredet“, vermutet Günter John den Grund der miesen Resonanz. Das monströse Filmprojekt wurde zum Kurzfilm geschnitten, das Ende folgte rasch. Denn nur wenig später erhielt die Gemeindeverwaltung vom Pächter die vom 15. Mai datierte schriftliche Kündigung. Nach einer einberufenen Gesellschafterversammlung hätte man sich nun für den Rücktritt vom Vertrag entschlossen. Und das gleich mit einer sofortigen Wirkung. „Das war an sich gar nicht möglich“, erklärt der Bürgermeister. Denn der befristete Pachtvertrag legte den Ablauf zum 31. Dezember fest. Man hätte sich zumindest erst einmal verhandelnd an einen gemeinsamen Tisch setzen müssen. Jedoch zwei auffordernde Antwortschreiben der Gemeinde mit ausreichender Fristsetzung blieben unbeantwortet.

Gemeinde sah bis heute keinen Cent Pacht

Vermutlich nicht ohne Grund: Denn noch nicht einen einzigen Euro Pacht sahen die Berthelsdorfer. Wahrscheinlich gingen auch die leer aus, die von der Veranstaltungs-Agentur zur tollen Kinofete angeheuert wurden. „Ich weiß verbindlich“, sagt Günter John, „dass zum damaligen Zeitpunkt die Puppenbühne Bautzen kein Geld bekommen hat.“

Der Berthelsdorfer Bürgermeister ist besorgt: „Ich weiß noch nicht, wie das ausgehen wird.“ Jedenfalls denke man nun daran, die Sache zunächst dem Ordnungsamt zu übergeben.