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Klappe zählt zu den besten Kinos Sachsens

Erika Heine erhält für ihre besondere Filmauswahl einen Kinoprogrammpreis. Das hilft dem kleinen Görlitzer Offkino durch harte Zeiten.

Erika Heine ist Inhaberin des Görlitzer Offkinos Klappe die Zweite und hat einen mit 8000 Euro dotierten Kinoprogrammpreis bekommen.
Erika Heine ist Inhaberin des Görlitzer Offkinos Klappe die Zweite und hat einen mit 8000 Euro dotierten Kinoprogrammpreis bekommen. © André Schulze

Das Mädchen in Rosa, das alle Regeln sprengte und sich in die Herzen der Zuschauer schrie, hat es auch dem Publikum des Görlitzer Offkinos Klappe die Zweite am Klosterplatz angetan. "Systemsprenger" war hier der meistbesuchte Film im vergangenen Jahr und ist nur ein Beispiel für die außergewöhnliche Filmauswahl, die Erika Heine Jahr für Jahr trifft. "80 Prozent der Filme, die ich zeige, kommen aus Deutschland und Europa", sagt die Kinobetreiberin, "darunter sind sehr viele Debütfilme." 

Für eine vielfältige Kinolandschaft

Für ihr Programm 2019 bekam Erika Heine deshalb jetzt den Kinoprogrammpreis 2020 in der dritten Kategorie "sehr gut". Vergeben wird der Preis durch die Mitteldeutsche Medienförderung, die in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wirkt. Sie würdigt den Einsatz von Filmtheatern für den anspruchsvollen Film und den Ausbau einer vielfältigen und interessanten Kinolandschaft in Mitteldeutschland.

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Den ersten Preis für das beste Programm unter den kommerziellen Filmtheatern bekam das Luchskino in Halle. Zweite Preise für ein "hervorragendes Filmprogramm" erhielten 13 Kinos, die in Universitäts- und Großstädten wie Dresden, Leipzig, Jena, Weimar, Halle angesiedelt sind oder im Falle von Gera einer Beinahe-Großstadt. 

Kleinstadtkinos haben es schwerer, alternativ zu sein

Obwohl Kinos in Kleinstädten auf kein so großes alternatives, auch an Filmexperimenten interessiertes Publikum setzen können wie Kinos in Großstädten, findet sich das Görlitzer Offkino in der Kategorie "sehr gutes Filmprogramm" zusammen mit acht Kinos, die ebenfalls in den Großstädten Leipzig, Dresden und Halle sowie Magdeburg und Chemnitz sitzen, aber auch in Burg und Freiberg. Weitere Kinos in Kleinstädten haben den Preis in der vierten Kategorie ohne Bezeichnung bekommen. 

"Eigentlich hätte ich mir die Mühe vielleicht gar nicht gemacht, mich für den Preis zu bewerben", sagt Erika Heine. Denn es sei recht aufwendig, das gesamte Programm eines Jahres zu rekapitulieren sowie die Spieltage und Zuschauerzahlen herauszusuchen und in die Bewerbungsformulare zu übertragen. Aber weil sie aufgrund der Corona-Krise ihr Kino und die dazugehörige Café-Bar für mehrere Wochen schließen musste, hatte sie viel Zeit. 

Preisgelder wegen Corona-Krise erhöht

Der ursprüngliche Einsendetermin war der 31. März. Doch auch die Mitteldeutsche Medienförderung reagierte auf die Auswirkungen von Corona. Anfang Mai gab sie bekannt, dass sie die mitteldeutschen Kinos in der existenzbedrohenden Corona-Krise in ihrer Liquidität stärken und die wirtschaftlichen Auswirkungen abmildern wolle. Einmalig erhöhte sie die Gesamtsumme der Preisgelder, die sonst bei 100.000 Euro liegt, auf 300.000 Euro. 

Also legte Erika Heine der Mitteldeutschen Medienförderung dar, wie sie sich seit Gründung ihres Offkinos 2007 dafür einsetzt, in Görlitz, einer Kleinstadt mit einem Altersdurchschnitt von knapp 50 Jahren, aktuelle Filme jenseits des Mainstreams zu präsentieren, obwohl es noch ein weiteres Programmkino in Görlitz gibt, das Camillo.

"Mir war damals schon klar, dass es kein einfaches Geschäft sein würde", sagte Erika Heine der Medienförderung. "Doch ich fühlte mich von Anfang an mit einem Bildungsauftrag versehen, dem Publikum anspruchsvolle Filme zu zeigen, die sonst kaum in Görlitz laufen würden. Mein besonderes Interesse gilt dem deutschen Film, besonders Debütfilme haben es mir angetan."

Nach Kinodigitalisierung nie aufgegeben

Als 2015 die Kinos digitalisiert wurden, wurde ihr schnell deutlich, dass sie diese große finanzielle Last nicht würde leisten können. Damals war sie 60 Jahre alt. Sie entschied sich dennoch weiterzumachen und konzentrierte sich von nun an auf Filmverleihe, die ihre Filme zum deutschen Kinostart auf Blueray anbieten. "Wenigstens für den Übergang", dachte sie damals. Inzwischen sind es sogar wieder mehr Verleihe, die Filme auf Blueray anbieten. Von ihnen kann das Offkino die Filme zum Bundesstart oder nur wenige Wochen danach ordern. 

Seit dieser Umstellung 2015 ist Erika Heine ohne Filmvorführer. "Als echter Einzelkämpfer bin ich dafür in der glücklichen Lage, mit jedem Kinogast vor und nach dem Film ein mindestens kleines Gespräch zu führen." Durch diese persönliche Atmosphäre hat sich ein stabiler Kundenkreis sowohl für das Kino als auch für die Bar etabliert. Seit der Sanierung des Görlitzer Filmpalasts 2018, mit der vier neue Studio-Kino-Säle entstanden und auch Programmfilme gezeigt werden, bekam Erika Heine eine zusätzliche starke Konkurrenz. Und trotzdem gibt sie nicht auf.

Auch Grohedo und Mittelherwigsdorf bekamen Preise

Diese Darstellung und das daraus resultierende Filmprogramm überzeugten die Mitteldeutsche Medienförderung. Doch wie das Görlitzer Offkino profitierten auch alle anderen Filmtheater, die sich bewarben, in diesem Jahr von dem erhöhten Preisgeld für die Kinojahresprogramme 2019. Das waren in Mitteldeutschland 29 kommerzielle, zu denen auch Erika Heines Kino gehört, und acht nichtgewerbliche Spielstätten, zu denen in der Kategorie "hervorragend" das Kunstbauerkino in Großhennersdorf und in der Kategorie "sehr gut" die Kulturfabrik in Mittelherwigsdorf zählen. 

Durch die Verdreifachung der Preissumme bekamen die Kinos mindestens 4.000, höchstens 20.000 Euro. Erika Heine erhielt mit ihrem Kinoprogrammpreis 8.000 Euro. "Es hilft mir wirklich sehr", sagt sie, "diese schwierige Zeit zu überstehen."

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