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Kippt der verkaufsoffene Sonntag in Görlitz?

Der Aktionsring plant lange Sonnabende in der Innenstadt – und will damit Besucher bis aus Bautzen locken.

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Von Matthias Klaus

Görlitz. Wann lassen sich Görlitzer und Gäste eher zum Einkaufen in die Innenstadt locken: an verkaufsoffenen Sonntagen oder langen Sonnabenden? Eine schwierige Frage. Thomas Schynol, Vorsitzender des Aktionsringes Görlitz, hat dazu jetzt ein Konzept erarbeitet und es dem Verein vorgestellt. „Es kam gut an“, sagt er. Kern des Ganzen: Es soll künftig zwölf Sonnabende mit verlängerten Öffnungszeiten in der Görlitzer Innenstadt geben, also in jedem Monat einer. „Ob das dann immer der erste Sonnabend im Monat sein muss, sollte abgewogen werden“, sagt Schynol.

Wichtig sei die thematische Gestaltung des Tages. „Zwölf Aktionstage für Shopping-Tourismus“, nennt er sein Konzept. Und so wie das klingt, sollen wohl nicht nur die Görlitzer angesprochen werden. „Wir wollen Leute bis aus Bautzen zum Einkaufen nach Görlitz holen“, sagt Thomas Schynol. Von „Eiskristalle“ im Januar über „Alles für den Seegang“ im Juli und das „Görlitzer Oktoberfest“ bis zur „Weihnachtsmeile“ im Dezember reichen die Ideen, themenmäßig. „In jedem Jahr könnten die Themen natürlich auch variieren“, sagt Schynol. Was passiert in diesem Fall mit den verkaufsoffenen Sonntagen? „Grundsätzlich sind wir bereit, vier zu füllen“, sagt Thomas Schynol. Er wisse jedoch auch, was das für den einzelnen Händler bedeute: Laden von 13 bis 18 Uhr öffnen, Kosten für Personal, Heizung zu tragen. „Und das“, so sei es die Grundstimmung der Innenstadthändler, „bei bescheidenem Erfolg.“

Thorsten Ahrens, Chef der Fraktion der Linken im Stadtrat, kann sich mit der Idee der langen Sonnabende generell anfreunden. „Dann sollte aber vom Konzept der verkaufsoffenen Sonntage abgerückt werden.“ Er setze auf Familienfreundlichkeit – gerade auch für die Angestellten in den Geschäften. Immerhin 80 Prozent der Angestellten, in Läden, Supermärkten, seien nun einmal Frauen. „Die Idee der langen Sonnabende, wenn es denn bei 18 Uhr bleibt, ist eine interessante Idee, wenn sie denn dazu beiträgt, die unseligen Sonntagsöffnungszeiten zu lassen“, sagt Ahrens.

Barbara Frühauf ist eine der Geschäftsfrauen, die sich mit dem neuen Konzept der langen Sonnabende anfreunden können. „Es kann aber nur Früchte tragen, wenn alle Händler in der Innenstadt mitmachen“, sagt sie. „Wir können es uns nicht leisten, nichts zu machen.“ Wenn das Konzept der langen Sonnabende funktioniere, sollte man vielleicht auch über die verkaufsoffenen Sonntage nachdenken, findet sie. Komplett abschaffen möchte sie diese aber nicht. „Zumindest die Adventssonntage sollten als verkaufsoffen schon beibehalten werden. Die Sonntage wären dann noch so etwas wie ein Zusatz zu den langen Sonnabenden. Rolf Weidle, Chef der Bürgerfraktion, findet die Idee der langen Sonnabende in der Innenstadt gut. Er erhoffe sich gerade an den Sonnabenden eine Belebung der Innenstadt. Ob es dann noch verkaufsoffene Sonntage geben muss, lässt er offen. Sei es wirtschaftlich sinnvoll, könne durchaus daran festgehalten werden. Die langen Sonnabende sollten auf jeden Fall unter ein bestimmtes Motto gestellt, mit einem bestimmten Ereignis verknüpft werden.

Aktionsring-Chef Thomas Schynol wiederum plädiert derweil für gleiche Öffnungszeiten an den Sonnabenden. Die Idee der langen Sonnabende kann nur funktionieren, sagt er, wenn alle Händler der Innenstadt an einem Strang ziehen.